Staatsanwaltschaft lässt Hintertüre offen

Fall Peggy: Ermittlung teilweise eingestellt

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Im oberfränkischen Lichtenberg verschwand die damals 9-jährige Peggy im Jahr 2001 spurlos.

Bayreuth - Die Ermittlungen wurden eingestellt: Im Fall Peggy geht die Staatsanwalt nicht weiter gegen die drei bislang Tatverdächtigen nach.  Eine kleine Hintertür lässt sich die Staatsanwaltschaft aber offen.

Der Fall Peggy bleibt weiter einer der größten ungeklärten Kriminalfälle im Freistaat. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat ihre Ermittlungen gegen drei bislang Tatverdächtige eingestellt. Einem Mann aus Sachsen-Anhalt, der ein Freund von Peggys Familie war und derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter im Gefängnis sitzt, konnte eine Verantwortung am Verschwinden des Mädchens ebenso wenig nachgewiesen werden wie seinem Halbbruder. Zu den Verdächtigen zählte auch ein Mann aus Lichtenberg, auf dessen Anwesen die Polizei im April 2013 fast eine Woche lang nach Peggys Leiche gesucht hatte.

Aktendeckel werden noch nicht ganz geschlossen

Spuren, die nicht die drei bislang Verdächtigen betreffen, würden in einem Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt weiter untersucht, teilte die Anklagebehörde am Mittwoch mit. Ein Sprecher betonte: „Derzeit besteht kein Tatverdacht gegen konkrete weitere Personen.“ Die Staatsanwaltschaft werde aber ihre Bemühungen, den Fall doch noch aufzuklären, nicht aufgeben. Auch Hinweisen, die darauf hindeuten, dass Peggy noch lebt, gehe man nach - obwohl das äußerst unwahrscheinlich sei.

Die damals neun Jahre alte Peggy war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Trotz einer groß angelegten Suchaktion wurde nie eine Leiche gefunden. Als ihr Mörder wurde 2004 der geistig behinderte Ulvi K. verurteilt, doch er wurde in einem Wiederaufnahmeverfahren im Vorjahr vom Mordvorwurf freigesprochen. Zugleich hatte die Staatsanwaltschaft wieder Ermittlungen aufgenommen. Etwa 4800 Spuren sind dabei überprüft und mehr als 180 Zeugen vernommen worden.

Fall Peggy: Das ist passiert

Der spektakuläre Fall Peggy beschäftigt seit Jahren Ermittler und Öffentlichkeit. Eine Chronik der Ereignisse:

07. Mai 2001: Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg wird letztmalig auf dem Heimweg von der Schule gesehen. Ihre alleinerziehende Mutter gibt noch am Abend eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen - unter anderem mit Tornados der Bundeswehr - bleiben ohne Erfolg.

August 2001: Der geistig behinderte Ulvi K. wird festgenommen. Er gibt zu Protokoll, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.

Ein Stein mit dem Porträt von Peggy erinnert auf dem Friedhof in Nordhalben an das Mädchen.

22. Oktober 2002: Die Ermittler präsentieren den 24-jährigen Gastwirtsohn als mutmaßlichen Mörder der spurlos verschwundenen Schülerin.
28. Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft Hof erhebt Anklage wegen Mordes.
07. Oktober 2003: Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess. Nach fünf Verhandlungstagen platzt er wegen einer fehlerhaften Besetzung der Strafkammer.
11. November 2003: Das Verfahren beginnt erneut.
30. April 2004: Ulvi K. wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.
17. September 2010: Ein wichtiger Belastungszeuge hat seine Aussage widerrufen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

04. April 2013: Der Anwalt Michael Euler beantragt beim Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Falls.

22. April 2013: Die Polizei sucht wieder nach Peggys Leiche. Hinweise führen die Ermittler zu einem Anwesen mitten in Lichtenberg. Knochen in einer Sickergrube stammen aber nicht von Peggy.

21. November 2013: Ein Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt ist ins Visier der Ermittler geraten. Er war ein enger Freund von Peggys Familie und gilt für die Staatsanwaltschaft mittlerweile als Tatverdächtiger. Sein Elternhaus wird durchsucht.

09. Dezember 2013: Das Landgericht Bayreuth ordnet die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Ulvi K. an.

08. Januar 2014: Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung im Mai 2001 Peggys Leiche dort abgelegt worden sein könnte. Doch es gibt keine Hinweise auf die sterblichen Überreste eines Kindes in dem Grab.

10. April 2014: Prozessauftakt im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. vor dem Landgericht Bayreuth.

07. Mai 2014: Das Landgericht Bayreuth beendet die Beweisaufnahme aus Mangel an Beweisen nach nur sechs Verhandlungstagen vorzeitig.

14. Mai 2014: Ulvi K. wird freigesprochen.

18. Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen gegen drei Verdächtige ein. Es gibt keine stichhaltigen Beweise. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird weiter aufrecht erhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.

dpa

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