Abschlussbericht zum Drama vor sechs Jahren

Flugzeugunglück Warngau: So kam es zum Absturz

+
Der Moment der Kollison in rund 400 Metern Höhe. Links der Führer der Formation Hannes H., rechts Flügelmann Alex S.

München - Auch sechs Jahre danach ist das tragische Flugunglück von Warngau unvergessen, bei dem ein Pilot sein Leben verlor. Nun liegt endlich der Abschlussbericht zu dem Drama vor.

Sie waren dicke Freunde und sie verband ein Hobby – das Fliegen. Die Piloten Alex S. und sein um vier Jahre älterer Spezl Hannes H. vertrauten sich in der Luft blind. Und das mussten sie, schließlich wagten sie sich an Action-Vorführungen. Bei einer kam es zur Tragödie – während der Warngauer Oldtimer Flugtage im September 2010. Die Maschinen der beiden kollidierten während eines Formationsflugs in der Luft. Hannes stürzte in seiner Extra EA 300/L ab und starb. Er wurde 47 Jahre alt. Sein Freund konnte trotz zerstörtem Propeller notlanden. Nun liegt der Unfallbericht vor – nach sechs Jahren. „Es ist nicht die Regel, das dies solange dauert“, sagt der Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) Germout Freitag. „Aber die Untersuchungen waren sehr aufwendig.“

Eins ist klar: Warngau war knapp der Katastrophe entgangen. Die Maschine, die am Boden explodierte, hatte die Bahngleise um Meter verfehlt, Wenige Minuten zuvor war hier die BOB gefahren. Eine Siedlung lag zehn Meter entfernt, und 6000 Zuschauer waren am Boden. Die BFU beschreibt in ihrem Bericht minutiös, wie es zu dem Unglück kam. Demnach wollten die Piloten am 18. September mehrere Figuren zeigen, Hannes H. war der sogenannte Formationsführer, Alex S. (damals 43) linker Flügelmann. Bei der vorletzten Darbietung, einer Fassrolle (das ist ein in horizontaler Schraubenlinie geflogener Looping) kam es zur Katastrophe: Von links oben näherte sich Flügelmann Alex S. mit querliegender Maschine der seines Freundes. Um punkt 16.49 Uhr krachten sie zusammen. Die Maschine von Hannes H., der eine Tragfläche wegrasiert worden war, rotierte und ging in den Sturzflug. Doch wie war es zu dem Ganzen gekommen?

Alex S. sagte aus, er habe den Formationsführer die ganze Zeit gesehen, und dass es dennoch zur Kollision gekommen sei. Das ist für die BFU „nicht plausibel“. Unter günstigsten Umständen hätte er ihn für zwei Sekunden gesehen, diese wären zu kurz für ein Ausweichmanöver gewesen. Der „unerwartete Verlust des Sichtkontaktes“ hätte aber nach den Regeln mit der Meldung „Out, no joy“ zum Verlassen der Formation führen müssen. Warum er dennoch weiterflog, „erschließt sich der BFU nicht“. Heißt: Alex S. hatte wohl falsch entschieden.

Doch es gibt Faktoren, die das Unglück mitverursachten. So wurde beim Pilotenbriefing der Raum definiert, in dem die Figuren geflogen werden mussten. Nach BFU-Einschätzung war der Raum zu klein. Dies hätten auch die Piloten festgestellt, aber keine Konsequenzen für ihr Programm daraus gezogen. Um hier Risiken auszuschließen, kann der Veranstalter sich das Programm vorfliegen lassen. Dies wurde unterlassen.

Das Unglück von Warngau war eine Verkettung von organisatorischem und menschlichem Versagen. Der tragische Zusammenstoß – er riss zwei Freunde für immer auseinander. Hannes verlor sein Leben, Alex blieb zurück. Als Trauernder.

Markus Christandl

auch interessant

Meistgelesen

Zugunglück von Bad Aibling: Angeklagter muss in Haft
Zugunglück von Bad Aibling: Angeklagter muss in Haft
Radiosender sieht Rosenheim als "härteste Hood Bayerns"
Radiosender sieht Rosenheim als "härteste Hood Bayerns"
Nach tödlichem Unfall: Melanie und Ramona beigesetzt
Nach tödlichem Unfall: Melanie und Ramona beigesetzt
Zugunglück von Bad Aibling: So reagieren die Opfer auf das Urteil
Zugunglück von Bad Aibling: So reagieren die Opfer auf das Urteil

Kommentare