Das bewegende Schicksal einer Landwirtin

Wie die Flut Bäuerin Edeltraud rettete

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Edeltraud H. streichelt eines ihrer Rinder auf dem Gnadenhof bei Deggendorf. „Ich bin so froh, dass uns bei dieser Flut geholfen wurde“

Edeltraud H. hat es nicht immer leicht gehabt. Vor allem in den vergangenen Monaten erlitt die Landwirtin einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Und dann kam auch noch das Hochwasser ...

Die Donauschleife nahe Winzer und Niederalteich: Das Hochwasser überschwemmte hier hunderte Häuser und Bauernhöfe

Edeltraud H. hat es nicht immer leicht gehabt. Nein, das Leben als Bäuerin ist nunmal kein Zuckerschlecken. Trotzdem hat die fleißige Landwirtin aus Winzer (bei Osterhofen) ihre Arbeit immer geliebt: die Familie, die Tiere, die Natur. Ja, alles war gut. Und dann – dann wurde der 51-jährigen Frau in wenigen Monaten alles genommen. Erst starb ihr Vater im Januar, dann der Ehemann im März, ihre Mutter vor wenigen Tagen. Wie grausam kann das Schicksal sein? Plötzlich kam auch noch die Flut. „Ich dachte, jetzt verlier’ ich auch noch meine Kühe, meine Tiere“, erzählt Edeltraud, sie hat Tränen in den Augen. Doch es sollte ganz anders kommen: Das Hochwasser – es sollte die Rettung für die Bayerin sein.

Das Drama um Edeltraud H. – es ist eine Geschichte über Leid, aber auch über Hoffnung. Und darüber, wie wichtig es ist, gebraucht zu werden. Am 5. Juni nimmt das Schicksal seinen Lauf: Die Donau ist bei Winzer – einem kleinen Dorf im Kreis Deggendorf – so angeschwollen, dass die Deiche bald brechen werden. Edeltraud H. ist alleine, als die Rettungskräfte auf ihren Hof kommen und sagen: „Wir müssen Sie evakuieren. Sie müssen hier weg.“ Die Landwirtin schüttelt nur den Kopf: „Weg? Ohne meine Viecher? Nein, ich bleibe!“

Wenig später kommen Helfer von Gut Aiderbichl auf den Hof. Die zögern keinen Moment: „Sie müssen hier weg. Wir bringen ihre 23 Rinder per Transporter auf unser Gut und sie kommen mit.“ Das bewegende Angebot – Edeltraud H. kann es nicht ausschlagen. „Ich war so froh, dass mir da jemand hilft“, sagt sie später über die spontane Hilfsaktion.

Dann geht alles blitzschnell – die Flut kommt ja bald. Die Tiere werden einzeln in die Anhänger verladen, Edeltraud hilft nervös mit. Nach ein paar Stunden ist alles erledigt. „Ich dachte, meine Kühe würden wild umherspringen, aber sie blieben ganz ruhig.“ Das freie Leben auf den trockenen Wiesen auf Gut Aiderbichl schien ihnen zweifelsohne zu gefallen. „Das hat richtig gut getan, sie so glücklich zu sehen“, sagt die Bäuerin.

Aber die Rettung war noch lange nicht vorbei. Denn nach den Tieren ging es nun um Edeltraud selbst. Was sollte mit ihr und den Tieren geschehen? Sollten sie nach der Flut wieder alleine zurück auf den großen Hof? Ein Gedanke, der der Landwirtin einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Und so nahm sie nach ein paar Tagen ihr Herz zusammen und fragte in Gut Aiderbichl: „Darf ich bei euch bleiben? Mit meinen Rindern? Ich kann und will nicht mehr zurück.“

Die Antwort? Die ließ nicht lange auf sich warten. Hatte Edeltraud doch die ganzen letzten Tage gewerkelt auf dem Gut wie es für jede fleißige Landwirtin üblich ist: Ställe ausgemistet, die Tiere gefüttert – alles was so anfiel. „Wir haben ihr dann einfach eine Festanstellung angeboten“, sagt Gut-Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser gegenüber der tz. „Es war ja klar, dass wir hier helfen müssen und natürlich auch wollen.“ Mit Tränen in den Augen sagte Edeltraud dann auch sofort zu. Nun ist sie also sozusagen die hauseigene Bäuerin auf dem Gnadenhof in Deggendorf. „Diese schreckliche Flut hatte für mich also auch etwas Gutes – nach all den Schicksalsschlägen“, sagt sie über das neue Zuhause. „Ich fühle mich hier wohl und werde mich nun um alle Tiere so gut ich kann kümmern.“

Edeltrauds Hof nahe Winzer war Freitag noch immer teils überschwemmt. Der Donaupegel – er sinkt in der ganzen Region nur sehr langsam. Eins ist klar: Wenn das Wasser verschwunden ist, werden viele hier ganz neu beginnen müssen.

Armin Geier

So können Sie helfen

Seit vielen Jahren kümmert sich Gut Aiderbichl um geschundene Tiere, versorgt und pflegt sie. Nun – nach der Jahrtausendflut – sind viele weitere Tiere auf dem Gut aufgenommen worden. Daher sind natürlich Geldspenden immer herzlich willkommen. Hier die Daten für alle, die helfen wollen:

Konto: Gut Aiderbichl Stiftung Deutschland

Konto: 80 41 10 28 67

BLZ: 70 12 07 00

bei Oberbank Bayern

 

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