Früherer Verurteilter im Mordfall Peggy

Nach 14 Jahren: Ulvi in Freiheit - Er arbeitet bereits

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Ulvi K., hier auf einem Foto aus dem Jahr 2014.

Bayreuth - Die 14 Jahre hinter Schloss und Riegel haben aus Ulvi K. (38) einen Mann gemacht: Mit Bart und Sakko trat der einst zu Unrecht wegen Mordes an Peggy Knobloch verurteilte Gastwirtssohn Freitag Morgen vor die Tore des Bezirkskrankenhauses Bayreuth.

Es waren seine ersten Schritte als „freier Mann“ – denn das Oberlandesgericht Bamberg hatte seine weitere Unterbringung in der Forensik zuvor für unverhältnismäßig erklärt. „Ich bin froh, jetzt endlich draußen zu sein“, sagte der Mann, der in Bayreuth wegen 22-fachen sexuellen Missbrauchs von 15 Kindern behandelt wurde.

Von seiner lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes an Peggy hatte er noch keinen einzigen Tag abgesessen, als ihn das Landgericht Bayreuth im vergangenen Jahr in einem spektakulären Wiederaufnahmeverfahren freisprach. Auch diese Tat hatte er – wie die Missbrauchsfälle in seinem Heimatdorf Lichtenberg zuvor – gestanden. Doch anders als die Richter im Jahr 2004 in Hof hatten die Juristen in Bayreuth zu starke Zweifel am Wahrheitsgehalt des Mordgeständnisses, das Ulvi K. zudem mehrfach widerrufen hatte.

Trotz seiner Entlassung aus der Psychiatrie will K. nun nicht nach Lichtenberg zurückkehren. Die Wunden, die das mysteriöse Verschwinden der Schülerin Peggy 2001 gerissen hat, sind noch längst nicht verheilt. Deshalb zieht der geistig zurückgebliebene Mann nun in ein oberfränkisches Heim für betreutes Wohnen. Seit Wochenbeginn absolviert er bereits ein Praktikum in Himmelkron und steckt dort Stifte zusammen. „Ich werde jetzt erstmal feiern“, sagte er, als ihn seine Mama Elsa in die Arme schloss. „Dann freue ich mich auf meine Arbeit.“

Die Freude wurde am Freitag jedoch nicht von allen geteilt. Vor allem die Familien der früheren Opfer von K. sehen seine Entlassung mit Unbehagen. Denn selbst Fachleute aus der Psychiatrie halten den nach einer Hirnhautentzündung im Kindesalter zurückgebliebenen Mann noch immer für gefährlich. Mitpatienten gegenüber habe er sich immer wieder distanzlos gezeigt, heißt es.

Die Strafvollstreckungskammer am Landgericht Bayreuth wollte seine Freilassung daher zu Beginn des Jahres verhindern: Sein Therapie-Erfolg werde durch den Kreis von Unterstützern gefährdet, hieß es damals. Sie flüsterten ihm ein, er habe ja gar nichts gemacht. Tatsächlich kündigte K.s Betreuerin am Freitag an, dass sie ein neues Wiederaufnahmeverfahren anstrengen wolle, um auch die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs vom Tisch zu bekommen.

Für die nächsten fünf Jahre steht Ulvi K. noch unter Bewährung. Im Klartext: Er genießt seine Freiheit nur auf Probe, einen Fehltritt darf er sich nicht erlauben.

tz

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