PR-Coup für Lokalbrauerei

Dieses Bier trank Obama beim G7-Gipfel wirklich

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Prost! Barack Obama hatte zwar Karg auf dem Glas stehen, trank aber ein anderes Bier.

Krün - Tolle Werbung: US-Präsident Barack Obama trank bei seinem Besuch in Krün aus einem Weißbierglas der Brauerei Karg. Der schöne Schein trügt aber: Es wurde getrickst.

Ganz Deutschland spricht über die kleine Murnauer Brauerei, der US-Präsident Barack Obama beim Krüner Frühschoppen vor dem G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau unbezahlbare Gratis-Werbung schenkte: Er prostete der Weltpresse breit lächelnd mit seinem gefüllten Weißbier-Glas zu, auf dem bestens sichtbar das Karg-Logo prangte. Dieses Renommee, diese Werbung – schier unbezahlbar. Ein Motiv bayerischer Gemütlichkeit.

Karg ist in aller Munde. Der Weißbier-trinkende Obama mit dem Karg-Glas – eine Sternstunde für seine Brauerei, weiß Karg-Geschäftsführer Franz Schubert. Er saß zwei Tische weiter und beobachtete das Geschehen. "Das ist natürlich toll", freute er sich. Zugleich „ärgert“ er sich aber ein bisserl: Das Marketing-Meisterstück hat nämlich einen faden Beigeschmack.

Karg steht drauf, ist aber nicht drin

Ausgerechnet bei Obama und Kanzlerin Angela Merkel stand nämlich zwar Karg auf den Gläsern, aber es war kein Karg drin: Der Protokollchef hat laut Schubert Alkoholfreies für die Regierungschefs angeordnet – genau die Sorte, die im Karger Weißbier-Sortiment noch fehlt. Das weiß in der Region jeder Weizen-Trinker. Also floss Paulaner in die Politiker Gläser - die Münchner Marke, deren Alkoholfreies Karg vertreibt. Die Münchner Brauerei nimmt's locker. Sprecherin Birgit Zacher zur tz: "Dem Präsidenten hat's geschmeckt."

Brauerei-Geschäftsführer Franz Schubert.

„Alle, die am Tisch saßen, haben die Flaschen gesehen“, sagt Karg-Brauereichef Schubert. Hätte er gewusst, wie viel Interesse die Brauerei durch die Fotos vom prostenden US-Präsidenten auf sich zieht, „hätte ich eigens für Obama ein Bier gebraut – das hätte sich gelohnt“. Denn Schubert, der sich die Geschäftsführung seit Jahren mit Tochter Viktoria teilt, plant schon seit längerem, ein Alkoholfreies auf den Markt zu bringen. „Wir sind dran“, sagt der 67-Jährige. Schubert weiß: Momentan schlägt die Stunde seiner kleinen Brauerei, die 10 000 Hektoliter Weißbier pro Jahr produziert und in vierter Generation von der Familie betrieben wird. „Wenn wir in Konkurs gegangen wären, hätten wir nicht so viel Aufmerksamkeit erfahren“. Immer wieder sprechen begeisterte Menschen den Brauerei-Chef an. Der Tag war auch für Elisabeth (18) aus Krün ein ganz besonderer: Sie schoss ein Selfie mit Präsident Obama.

Obama hängt jetzt im Büro des Brauerei-Chefs

Das Motiv vom prostenden Obama mit dem Karg-Glas hängt bereits gerahmt im Büro. Aktuell lässt Schubert juristisch prüfen, ob er das Sensations-Bild auch anderweitig verwenden darf – für T-Shirts etwa oder für Gläser. Denn diese Gelegenheit, das weiß er, kommt nicht wieder.

So kam es zu der Bier-Lieferung

Eine Catering-Gesellschaft hatte auf der Suche nach regionalen Lieferanten bei Schubert angefragt. Also rückte der Brauerei-Chef, dessen Bier auch im Gipfel-Hotel Schloss Elmau ausgeschenkt wurde, persönlich in Krün an. Im Lkw befanden sich 600 Liter Karg-Weizen, die nach Schuberts Angaben bis etwa 13 Uhr reichten.

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: Ticker zum Nachlesen und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir für Sie nochmal zusammengefasst. Außerdem können Sie unseren Ticker zum G7-Gipfel hier nachlesen.

von Silke Jandretzki

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