Anlage-Betrug

Gekaufte Freundschaft: Angestellte verschenkte Geld

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Versprach Unmögliches: die Angeklagte.

München – Sie versprach schwindelerregende Renditen, verschenkte Geld und sehnte sich so sehr nach Zuneigung. Jetzt musste sich die 48-Jährige vor Gericht verantworten.

Seit Montag steht die Frau aus Karlshuld (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) wegen Betrugs vor dem Landgericht München II. 7,7 Millionen Euro nahm sie in zwölf Jahren mehreren hundert Anlegern ab. Nicht alle sahen ihr Geld wieder. Der wirtschaftliche Schaden beträgt knapp drei Millionen Euro.

Eine Bank war auf die Angeklagte aufmerksam geworden, nachdem sie auf dem Konto der Frau Transaktionen in meldepflichtigen Höhen bemerkt hatte. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Beamten 400.000 Euro Bargeld in 50-Euro-Scheinen. Es lagerte im Keller. Die kaufmännische Angestellte eines Elektro-Großmarktes kam in Untersuchungshaft.

Viel zu leugnen gab es für die 48-Jährige nicht. Ihre Unterlagen waren ein Zeugnis ihrer Betrügereien. Ihren „Kunden“, die sich größtenteils aus dem Bekanntenkreis rekrutierten, hatte sie vorgegaukelt, über ein Mitarbeiter-Konto einer angesehenen Bank in New York zu verfügen. Dieses Geldinstitut ermöglichte angeblich über Margen bis zu 57,7 Prozent pro Jahr oder zwei Prozent pro Monat. Ein finanzhungriger Freundeskreis bildete sich rasch. Das phänomenale Angebot machte die Runde. Die Angeklagte untermauerte ihr gewinnträchtiges Geschäft mit gefälschten Unterlagen der US-Bank, bei der sie angeblich die Kundengelder arbeiten ließ. Gute Freundinnen bekamen rasch ihre Renditen ausgezahlt, zumeist bar. Das war die beste Werbung. Immer mehr Personen sehnten sich nach dem schnellen Geld. Die Angeklagte bedankte sich mit Provisionszahlungen bis zu 20 Prozent der Anlagesumme für neu geworbene Kunden. Sie selber soll einen Großteil des ihr überlassenen Geldes für ihren üppigen Lebensstil verbraucht haben. Sie fuhr einen Porsche, zum Fuhrpark sollen aber noch andere luxuriöse Fahrzeuge gezählt haben.

Ihre Freundinnen lud sie immer wieder in Spitzen-Restaurants ein. Schließlich betrieb sie angeblich noch einen Begleitservice. „Alles Unfug“, dementierte ihr Verteidiger Hermann Borchert. Seine Mandantin habe sich nach Freundschaft und Geborgenheit gesehnt. Sie versuchte sich die Zuneigung zu erkaufen, die sie von ihrem Lebensgefährten nur selten bekam. Er wurde als „Workaholic“ beschrieben, der von früh bis in die Nacht schuftete.

Etliche ihrer Kunden bekamen ihr Geld nicht zurück. Vielen Provisions-Empfängern drohen wegen nicht versteuerter Einnahmen eigene Strafverfahren. Der Prozess dauert an.

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