Gute Aussichten für Pilzsucher

Endlich wieder ein Schwammerl-Jahr

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Ein Prachtexemplar von einem Maronenröhrling. Nach zwei mageren Jahren finden Schwammerl-Sucher in diesem Sommer endlich wieder mehr Pilze im Wald – dem Wetter sei Dank. 

München - Passionierte Pilzsucher dürfen sich freuen. Nach zwei mageren Jahren sprießen die Schwammerl heuer wieder zahlreich aus dem Boden. Pfifferlinge gibt es besonders viele. Aber Vorsicht: Auch der überaus gemeine Gallenröhrling landet gerne im Korb.

Wenn Petra Buchfellner in den Wäldern rund um Traunstein unterwegs ist, dann sucht sie immer nach der Fetten Henne. Dabei handelt es sich keineswegs um wohlgenährtes Geflügel, sondern um einen Pilz. Und zwar um ein besonders exquisites Exemplar. Krause Glucke heißt der Schwammerl auch, der mit seinem ockerfarbenen Fruchtkörper und der krausigen Form an einen Badeschwamm erinnert und gerne an sandigen Kiefernböden wächst. „Der schmeckt ganz besonders gut“, sagt die Pilz-Expertin – und deswegen zieht sie ihn sogar Steinpilzen, Maronen und Pfifferlingen vor. Das einzige Problem: In der Traunsteiner Gegend lässt sich die Fette Henne eher selten blicken.

Doch in diesem Jahr stehen die Chancen richtig gut. Denn in den bayerischen Wäldern wird heuer eine außerordentlich gute Schwammerl-Saison erwartet. „Die vergangenen zwei Jahre waren für Pilzsucher eine Katastrophe. Aber dieses Jahr ist es deutlich besser“, sagt der Pilzexperte der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Claus Bässler. Es habe keine ausgedehnte Trockenheit gegeben und die Niederschläge hätten sich gleichmäßig verteilt. „Das sind die besten Voraussetzungen für ein gutes Pilzjahr.“

Schon seit Wochen sind passionierte Pilzsucher in den Wäldern im Freistaat unterwegs. „Und sie finden eine große Auswahl“, sagt Mykologe Bässler. Vor allem Pfifferlinge wachsen heuer gut. Petra Buchfellner hat in ihrer Umgebung außerdem schon jede Menge Hexenröhrlinge, Perlpilze und Milchlinge entdeckt. Auch die Maronen kommen langsam. Noch bis in den Oktober hinein können Pilzsucher erfolgreich sein. Besonders erfolgversprechend sind Waldstücke mit Totholz und Moosbewachsung, weil diese ein hervorragender Wasserspeicher sind.

Claus Bässler warnt aber auch: „Je mehr gesammelt wird, desto größer ist die Gefahr, dass man auch mal danebengreift.“ Es gelte nach wie vor die Faustregel: Nur die Pilze mitnehmen, die man auch sicher kennt. Eine Bestimmung mit Hilfe von Büchern oder dem Internet ist gefährlich. Hier warnt auch Petra Buchfellner, die als Pilzberaterin nicht nur Interessierte durch den Wald führt, sondern auf Anfrage auch den gesammelten Korbinhalt begutachtet. Gallenröhrlinge musste sie schon besonders oft aussortieren. „Da muss man wirklich aufpassen.“ Denn dieser Schwammerl sieht dem Steinpilz sehr ähnlich. Er ist zwar nicht giftig, aber extrem bitter und deshalb ungenießbar.

Schwere Vergiftungen sind laut Claus Bässler eher selten. „Häufiger kommt es zu Unverträglichkeiten, weil auch vergammelte Pilze verzehrt werden.“ In der toxikologischen Abteilung des Münchner Klinikums rechts der Isar sind in diesem Sommer bereits deutlich mehr Anfragen von Pilzsuchern eingegangen als im Vorjahr. „Meist handelt es sich um Magenbeschwerden wegen einer Unverträglichkeit“, sagt der Leiter des Giftnotrufes, Professor Florian Eyer. In diesem Sommer seien aber auch schon drei Menschen mit Vergiftungssymptomen behandelt worden.

Treten Symptome nach einer Pilzmahlzeit auf, sollte sofort ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden. „Hilfreich ist es auch, wenn dann ein Teil des Essens oder Pilzreste mitgenommen werden, damit die Experten den Pilz bestimmen und eine richtige Behandlung einleiten können“, sagt Eyer.

Dominik Göttler und André Jahnke

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