„Katastrophentouristen“ im Video - Polizei entsetzt

Hier behindern Gaffer die Rettung eines Schwerverletzten

Nürnberg - Unglaubliche Szenen haben sich bei einem Unfall auf der A6 bei Nürnberg am Dienstagvormittag ereignet. Die Polizei ist entsetzt und spricht von einem regelrechten Gaffer-Tourismus.

Auf der A6 bei Nürnberg an der Anschlussstelle Langwasser ist ein LKW in den stockenden Verkehr gekracht. Mit seinem Sattelzug fuhr er ungebremst auf seinen Vordermann auf und wurde dabei in seinem Führerhaus eingequetscht. Feuerwehr und Rettungskräfte machten sich sofort auf den Weg zur Unfallstelle. Doch anstatt dem Schwerverletzten schnell helfen zu können, mussten sich die Einsatzkräfte zunächst mühsam durch den Stau kämpfen - eine Rettungsgasse hatte offenbar keiner der nachfolgenden Fahrzeughalter für nötig gehalten. Wertvolle Zeit ging dadurch verloren.

An der Unfallstelle angekommen, konnten die Retter immer noch nicht wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen, wie die Polizei berichtet. Der Grund: Mehrere Personen aus den im Stau stehenden Fahrzeugen stiegen aus und machten sich auf den Weg zur Unfallstelle. Direkt am Unfallort zückten sie ihre Handys und fotografierten und filmten das Geschehen. Damit noch nicht genug: Auf der Gegenfahrbahn bildete sich ein kilometerlanger Stau, mit ihren Handys in der Hand fuhren Personen im Schritttempo an der Unfallstelle vorbei. Einige Polizeibeamte wurden daraufhin dafür abgestellt, die Betreffenden zur Rede zur stellen und dafür zu sorgen, dass die Fotos sofort wieder gelöscht werden. Einen Punkt in Flensburg bekamen die Gaffer noch obendrauf.

Bislang ist das allerdings die einzige Handhabe, die Rettungskräfte in solchen Fällen haben. Der schwerverletzte Mann wurde in eine Spezialklinik gebracht. Ob er überlebt, ist noch unklar.

Polizei und Retter sind schockiert von dem dreisten Verhalten der Gaffer, die bis zur Unfallstelle gelaufen sind: „Wir schauen da hilflos zu“, sagt der Chef der zuständigen Verkehrspolizei Feucht, Stefan Pfeiffer. Ihnen würden die Sanktionsmöglichkeiten fehlen, die gebe es in der Straßenverkehrsordnung nicht. 

Erst im Juni diesen Jahres hat der Bundesrat einen Gesetzesentwurf beschlossen, der harte Strafen für die Behinderung von

Rettungskräften durch Gaffer vorsieht. Im Bundestag wurde bis dato noch nicht darüber verhandelt.

Der Entwurf sieht Strafen für das Fotografieren und Filmen von verletzten und verstorbenen Personen vor. Allein der Versuch soll bereits strafbar sein.

Bis zur Ratifizierung des Gesetzes stehen die Rettungskräfte den Gaffern hilflos gegenüber.

Rubriklistenbild: © Screenshot News 5

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