Oma, Tochter und Enkelin tot

Hochwasser-Drama: Trauer um die Opfer

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Oma Erika (li.) hatte offenbar Besuch von ihrer Tochter Andrea (re.) und Enkelin Nadine. Alle drei Frauen starben.

Simbach - Bei der Hochwasserkatastrophe im niederbayerischen Simbach am Inn sind drei Frauen einer Familie ums Leben gekommen. Vier weitere Menschen starben.

Hinterher heißt es oft, schlimme Schicksale würden die Menschen erst recht zusammenschweißen. In Simbach aber hat die Horror-Flut eine Familie auseinandergerissen: Tochter (28), Mutter (56) und Oma (78) sind tot – ertrunken im Haus von Oma Erika in der Wiesenstraße, nur wenige Meter entfernt vom gleichnamigen Simbach. Nach Stunden der Angst, des Wartens, der Hoffnung und Verzweiflung musste Petra es loswerden.

Am späten Mittwochabend schreibt sie im Internet: „Heute hab ich mein über alles geliebtes Mamale, meine geliebte Schwester Andrea und deren Tochter, meine Schnucki-Nichte Nadine bei dem furchtbaren Hochwasser, auf ganz tragische Weise verloren.“ Petras Tochter postet: „Warum nur?“ Der Bruder, auch er hat Cousine, Tante und Oma verloren, schreibt: „Drei der wichtigsten Menschen in meinem Leben …“. Tags darauf berichten Zeugen der tz, dass Mutter und Tochter wohl zu Besuch bei der Oma waren. Der Passauer Neuen Presse erzählen Beobachter, dass die 78-Jährige mit ihrem Rollator keine Chance hatte. Die Flut sei innerhalb weniger Minuten gekommen. Mit solcher Wucht, dass Nadine, die offenbar nur noch schnell ihren Laptop aus dem Haus holen wollte, ebenfalls von den Wassermassen eingeschlossen wurde.

In diesem Haus ertranken die drei Frauen.

In den Abendstunden entdeckten Taucher die drei Leichen der Frauen. Drei Generation waren Opfer der grausamen Flutwelle geworden. Noch in der Nacht der Katastro­phe schreibt eine Freundin von Petra im Internet: „Leider hat meine Freundin ihre Mutter, Schwester und Nichte durch das Hochwasser verloren.“ Weiter: „Da sie alles verloren haben und sie selbst erst vor kurzen wieder nach Simbach zog, bitte ich um Eure Mithilfe.“ Das Hochwasser, schreibt sie, habe alles zerstört. Sie bittet um Spenden, drei Beerdigungen müsse die tief geschockte Familie nun organisieren.

Bach reißt Frieda († 80) in den Tod

Das Haus von Elfriede Z. wurde zerrissen. Die Rentnerin wurde von den Fluten weggeschwemmt.

Elfriede Z., genannt Frieda, wohnte idyllisch in einem Ortsteil von Zeilarn zwischen dem Türkenbach und Tannenbach. Durch die Regenmassen schwollen die beiden Gewässer mehr und mehr an – es schüttete so viel wie sonst in einem ganzen Monat! Schwemmgut verfing sich an einer Brücke, das Wasser staute sich dort immer weiter an, aus den beiden Bächen wurde ein einziger Fluss. Dann brach plötzlich alles zusammen: Eine Welle schoss mit unglaublicher Wucht auf das Haus der 80-jährigen Rentnerin zu.

Die Kraft der Wassermassen war derartig groß, dass es Friedas Ziegelhaus glatt halbierte und zerfetzte. Nichts hielt der Welle stand. Bewohnerin Elfriede Z. wurde mitgerissen.

Hilfskräfte fanden die Leiche der Frau zwei Kilometer weit entfernt. Der Körper von Elfriede Z. lag auf einem Stamm.

Das Drama im Keller

Wilhelm T. starb in den Fluten.

Sie will die Hoffnung nicht aufgeben. Karin R. wünscht sich so sehr, dass ihr Mann Walter in irgendeinem Krankenhaus liegt und einfach noch keine Möglichkeit hatte, sich bei ihr zu melden. „Ich klammere mich an jeden Strohhalm“, sagt sie. Seit Mittwochnachmittag bangt die Simbacherin um das Leben ihres geliebten Mannes. „Er war im Keller, als das Wasser kam.“ Die Eheleute wollten noch schnell ein paar wertvolle Sachen in Sicherheit bringen. Walter war gerade wieder im Keller, als er rief: „Jetzt schwimmen schon die Kühlschränke“. Es sollten die letzten Worte sein, die Karin von ihrem Mann hörte. Danach gab es einen riesigen Knall, das Licht ging aus. Und plötzlich stand das Wasser auch im Erdgeschoss Zentimeter hoch. „In nur fünf Minuten war der Keller vollgelaufen“, erzählt Karin R., deren Haus in direkter Nähe zum Simbach steht. „Es gab keine Warnung. Es hat uns alle überrascht“. Für die Angehörigen von Wilhelm T. (75) gibt es inzwischen Gewissheit. Stundenlang hatte der Sohn seinem Vater vermisst, ehe er tot aufgefunden wurde. Weiter vermisst wird noch ein Ehepaar aus Simbach, von den Beiden gibt es keine Spur. Am Freitag wurde ein sechstes Todesopfer entdeckt, kurze Zeit später starb eine weitere Person im Krankenhaus.

Hier können Sie spenden

IBAN: DE95 7406 7000 0001 8074 39 , BIC: GENODEF 1POC, Betreff: Zugunsten der drei Toten des Hochwassers

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