Das Gut der Güte

Ein Hort für Flüchtlinge: Peter Maffay führt durch Dietlhofen

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Peter Maffay auf dem Gut Dietlhofen.

Weilheim - Peter Maffay hat für seine Tabaluga-Stiftung das Gut Dietlhofen nahe Weilheim erworben. Am Dienstag lud Maffay zum Rundgang ein. Was der Star mit dem großen Herzen sagt und wie das Gut der Güte aussieht:

Am Freitag haben wir darüber berichtet, dass Peter Maffay (66) für seine Tabaluga-Stiftung das Gut Dietlhofen nahe Weilheim erworbenhat. Bis alle Umbauten fertig sind, wird es eine Weile dauern. In der Zwischenzeit nimmt der Rockstar 20 bis 25 Flüchtlinge in einem der Häuser auf. Dauer: mindestens ein Jahr.

Hier Peter Maffays Aussagen beim Pressetermin:

„Wir werden ab 15. Dezember die ersten Flüchtlinge aufnehmen. Insgesamt werden es 20 bis 25 Leute sein. Erst einmal für ein Jahr. Ich komme zu diesem Projekt wie die Jungfrau zum Kinde, aber wir blicken auf 15 Jahre Stiftungs-Kompetenz zurück. Die werden wir einbringen. Ich schließe nicht aus, dass Flüchtlinge auch länger hierbleiben. Wenn die Dynamik so bleibt, besteht Bedarf.“

„Wir werden keine Mietgelder von irgendwem annehmen für unseren Grund. Die symbolische Miete beträgt einen Euro für ein Jahr – alles in allem. Es geht nicht um Geld-generieren.“

„Wichtig ist auch die Anbindung an den Ort. Wir werden eine Busverbindung nach Weilheim einrichten für Einkäufe, Arztbesuche, Schule … Der Bus wird von der Stiftung bezahlt. Ich kann mir vorstellen, auf dem Gut auch Sprachkurse und andere schulische Themen anzubieten.“

„Wir müssen ein weiteres Haus, wo jetzt noch die Verwaltung sitzt, für unsere künftigen Tabaluga-Kinder teils abbrechen, erweitern und behindertengerecht ausbauen. Das dauert ungefähr ein Jahr. Ich bin felsenfest überzeugt, dass die herrliche Landschaft und ihre Balance sich positiv auf alle auswirkt, die hier wohnen werden.“

„Ich wohne nur zehn Minuten entfernt. Das ist auch ein Grund, hier das neue physische Zentrum zu errichten – die Hauptverwaltung bleibt in Tutzing. Ich kann jederzeit hier vorbeischauen.“

„Alle Festivitäten, die man von Gut Dietlhofen her kennt, bleiben bestehen und werden vielleicht ausgeweitet. Der Weihnachtsmarkt und die Feste sind schöne Eckwerte, die das Leben hier auch mit ausmachen. Auf dem Platz vor der Kapelle werden wir einen Weihnachtsbaum aufstellen. Aber auch hier gilt: Er ist ein Symbol für Toleranz unabhängig vom Glauben.“

„Wir wollen Menschen abholen, die unsere Sprache und Kultur nicht kennen. Wir wollen ihnen eine Tür öffnen, damit sie eintreten können. Mit Bildung, Austausch, Aufklärung. Wir vermitteln Werte, die uns wichtig sind. Unser mit viel Not und Mühe aufgebautes Grundgesetz müssen wir bewahren und klarstellen.“

„Das Haus, in dem wir ab 15. Dezember Flüchtlinge aufnehmen, wäre sonst im Winter leergestanden. Das ist nicht sinnvoll. Vielleicht überwinden wir durch unseren kleinen Tropfen auf den heißen Stein auch ein bisschen unsere derzeitige Ohnmacht. Dass wir alle gleich sind, ist keine Utopie.“

„Nach den Anschlägen von Paris wird viel polemisiert. Statt aufzuklären, hört man unsägliche Statements. Es geht um Hilfe und nicht um Parteipolitik. Wir brauchen unsere Energie für Lösungen. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen, müssen einen übergeordneten Konsens finden.“

Platz für 25 Menschen

Drei Etagen gibt es in dem Haus der Zuflucht: Dreieinhalb Zimmer im Erdgeschoss und ersten Stock mit je einem Bad (inkl. Wanne) und Küche, im Souterrain befinden sich Heizkeller, Waschküche und nochmals drei Zimmer mit Bad (Dusche). Die Räume in Erdgeschoss und erstem Stock sind so konzipiert, dass je ein kleines Zimmer von einem größeren abgeht ohne weitere Verbindung. Wie geschaffen für Familien mit Kind(ern). Und die will die Stiftung auch vorwiegend aufnehmen – auch wenn weder sie noch die Gemeinde entscheiden können, sondern nur wünschen.

Kapelle für alle

Maffay: „Die Kapelle soll ein Raum werden, der jedem zur Verfügung steht. Wir haben eine kosmopolitische Sichtweise: absolute Akzeptanz jedes Glaubens, jedes Menschen. Unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht. Jeder hat die gleichen Rechte vor der Schöpfung.“

Ganz wichtig: Natur und Landwirtschaft

Das Gut beherbergt einen Bio-Hof. „Natur ist ein elementarer Faktor unserer Stiftung“, sagt der Chef. Flüchtlinge, die von Landwirtschaft etwas verstehen, sollen hier auch arbeiten können: Maffay sagt: „Wir wollen das Selbstwertgefühl der Menschen erhöhen.“

Das gesamte Areal

Gut Dietlhofen umfasst rund 70 Hektar. Im inneren Zirkel (hinten links sehen Sie den Dietlhofer See) kann man eventuell noch erweitern. Aber das ist Zukunftsmusik. Fest steht: Auf dem Gelände soll auch ein Spielplatz neben dem Wohnhaus (Kreis) gebaut werden. Maffay: „Die Kinder können auf dem Gelände spielen, zelten, was sie wollen.“

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Matthias Bieber

Matthias Bieber

E-Mail:Matthias.Bieber@tz.de

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