Interview zu Überschwemmungen und Folgen

Wetter-Experte: "Die Lage bleibt hochgefährlich"

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In Simbach sind die Straßen überflutet - auch für diesen LKW geht nichts mehr.

München - Niederbayern versinkt unter Wassermassen. Ganze Ortschaften sind heftig erwischt worden. Im Interview erklärt Wetter-Experte Andreas Friedrich, wie es dazu kam.

Landunter in Niederbayern. Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage stehen ganze Ortschaften unter Wasser. Besonders betroffen ist der Landkreis Rottal am Inn. Die kommenden Tage versprechen kaum Besserung. Die tz spracht mit Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes, über das Unwetter und die Folgen.

Herr Friedrich was spielt sich gerade am Himmel ab?

Friedrich: Wir nennen das Tief Mitteleuropa. Das heißt konkret: Wir haben seit letztem Freitag eine Wetterlage wo sich kleine, aber sehr intensive Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa aufhalten.

Zuerst Elvira …

Friedrich: Genau, dieses Tiefdruckgebiet kam Samstag über die Alpen mit feuchter Mittelmeerluft im Gepäck nach Südbayern und sorgte für die Unwetter in Baden-Württemberg und beim Länderspiel in Augsburg. Dann zog es weiter Richtung Frankreich, wo es sich inzwischen abgeschwächt hat.

Und jetzt?

Andreas Friedrich.

Friedrich: Jetzt haben wir ein relativ kleines, aber wetterwirksames Tief namens Friederike, das aus Polen kam und jetzt über der Mitte Deutschlands liegt. Und die feuchtwarme Luft von dort wurde dank einer nördlichen Luftströmung zuletzt langsam nach Süden geführt - bis an die Alpen, wo sich die Luftmassen stauten und für enorme Regenmengen sorgen. In Laufen im Berchtesgadener Land fielen innerhalb von zwölf Stunden 59 Liter pro Quadratmeter, in Simbach/Inn 53 Liter pro Quadratmeter …

Das entspricht …

Friedrich: … in etwa 80 Prozent der Niederschlagsmenge, die normalerweise im ganzen Monat Juni fällt: 80 bis 90 Litern. Mit fatalen Folgen, denn durch die starken Gewitter am Wochenende waren die Böden schon gesättigt.

Überschwemmungen in Niederbayern: So sieht es vor Ort aus

Wie geht's weiter?

Friedrich: Die Lage bleibt hochgefährlich - mindestens bis Donnerstagabend, aber wahrscheinlich auch noch bis zum Wochenende.

Fragt sich nur wo?

Friedrich: Das hängt ganz davon ab, wo die Sonne reinscheint und sich noch einmal alles richtig erhitzt. Dann kann das so schnell gehen, dass wir Meteorologen maximal eine Vorwarnzeit von 90 Minuten haben.

Wie muss man sich das vorstellen?

Friedrich: Nehmen sie an, sie hätten einen Topf Wasser auf dem Herd. Erst ist das Wasser ruhig, aber nach 30 Sekunden heiß machen wissen sie, dass irgendwann die Bläschen hochsteigen. Aber sie wissen nicht wo, wie viele und wie stark, Das ist sehr chaotisch. In Wirklichkeit übernimmt die Sonne die Funktion der Heizplatte. Sie bringt die feuchte Luft zum Brodeln, die steigt auf, kühlt sich ab: Die Folge sind Regen und Hagel: Das ist ein ähnlich chaotisches System wie so ein Kochtopf. Das heißt wir Meteorologen müssen erst warten bis die ersten Luftbläschen hochsteigen. Das sehen wir auf unseren Wetterradargeräten - flächendeckend haben wir in Deutschland 17 davon - und damit erfassen wir alle fünf Minuten, wo es wie viel regnet. Und dann berechnet eine Software, ob sich die Zelle verstärken wird und was noch an Regen zu erwarten ist und welche Landkreise es erwischt.

Und sie geben dann eine Unwetterwarnung heraus.

Friedrich: Die Katastrophenstäbe sind mit uns vernetzt: Das System nennt sich Fewis - Feuerwehrwetterinformationssystem.

Und wie erfährt man's als Bürger am schnellsten?

Friedrich: Über unsere kostenlose Warnwetterapp. Die liefert die aktuellen Meldungen für den Heimatlandkreis oder den aktuellen Aufenthaltsort direkt aufs Handy.  

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