Strafbefehl wegen Raserei

Jetzt spricht der Notarzt: "Solidarität war gigantisch"

+
Erleichtert: Alexander Hatz muss keine Strafe befürchten.

München - Sechs Monate ohne Führerschein - für einen Notarzt quasi ein Berufsverbot. Nun wurde der Strafbefehl gegen Dr. Hatz wegen Raserei wieder zurückgenommen. Gegenüber der tz äußert sich der 51-Jährige erleichtert.

Er sagt erst einmal nur: „Es freut mich“. Kurz und knapp ist die Reaktion von Dr. Alexander Hatz auf die Frage, wie er die Rücknahme des Strafbefehls kommentiere. Dann schnauft er tief durch, und die Erleichterung sprudelt regelrecht aus dem 51-jährigen Notarzt aus Rohrenfels. „Es wäre ja quasi ein halbes Jahr Berufsverbot gewesen“, sagt er zur tz über die Konsequenzen des ursprünglichen Strafbefehls. „Ich hab’ gedacht, mich tritt ein Pferd. Mein erster Gedanke war, ich schmeiß hin.“ Seit 23 Jahren sei er als Notarzt im Einsatz, „ich mache das freiwillig und mit Leib und Seele“.

Geholfen hat ihm in den letzten Wochen die riesige Solidarität. „Es gab eine gigantische Resonanz“, sagt Dr. Hatz. So hätten sich auch Menschen gemeldet, die er vor vielen Jahren bei einem Einsatz gerettet hat.

"Ich hätte erst einmal eine Nacht darüber geschlafen"

Nach wie vor ist er sich keiner Schuld bewusst. Die Strecke an besagter Stelle sei übersichtlich, die beiden Autofahrer hätten ihn so früh bemerken müssen, dass sie rechtzeitig bremsen und ausweichen konnten. Wenn man es spitzfindig betrachte, „begehen eigentlich die eine Nötigung“. Weil sie nicht rechtzeitig auf die Einsatzsignale geachtet hätten. Dr. Alexander Hatz kann verstehen, dass der Autofahrer erschrocken sei, „der kann sich dann subjektiv bedrängt gefühlt haben“. Aber deswegen müsse man nicht sofort Anzeige erstatten. Hatz: „Ich hätte erst einmal eine Nacht darüber geschlafen.“

Den Mann, der die Anzeige gestellt hat, kennt er sogar flüchtig. Vor etlichen Jahren hätten sie an der gleichen Arbeitsstelle gearbeitet. „Aber er hat bis heute keinen Kontakt mit mir gehabt.“

Montag Vormittag kam dann der Anruf von seinem Anwalt, dass der Strafbefehl vom Tisch sei. „Das gibt jetzt wieder Sicherheit auf Blaulichtfahrten.“ Dr. Alexander Hatz kann sich jetzt wieder ganz darauf konzentrieren, Leben zu retten.

So einen Fall gab es in Deutschland noch nie

Anwalt Alexander Stevens.

Das Kopfschütteln spürt man regelrecht durch den Telefonhörer. Rechtsanwalt Alexander Stevens kann nicht fassen, welche Konsequenzen die Anzeige gegen den Notarzt Alexander Hatz haben soll. „So etwas ist mir noch nie untergekommen“, sagt der auch aus dem Fernsehen (u.a. Im Namen der Gerechtigkeit) bekannte 34-jährige Münchner Jurist im Gespräch mit der tz. Er ist Experte für die rechtliche Bewertung solcher Einsätze. Gerade hat er seine Dissertation mit dem Thema „Voraussetzungen, Anwendbarkeit und Auswirkungen der Sonder- und Wegerechte (Blaulicht und Martinshorn) im Strafrecht“ abgeschlossen. Der Strafbefehl gegen den Neuburger Notarzt sei beispiellos. „Es gibt in ganz Deutschland keinen einzigen Fall der Nötigung im Zusammenhang mit Blaulicht und Martinshorn im Straßenverkehr.“ Er selbst sei zehn Jahre Notarztwagen gefahren, habe auch nach einem Unfall von der Polizei eine Anzeige kassiert. „Das Verfahren wurde aber sofort eingestellt. So läuft das immer.“ Die Unfallgefahr bei Einsatzfahrten sei deutlich höher als im normalen Straßenverkehr, sagt Alexander Stevens. Aber von einer Nötigung könne man in dem Fall des Notarztes Hatz keinesfalls sprechen, „das setzt Vorsatz voraus“. Er ist froh über die Rücknahme des Strafbefehls. Denn: „Andernfalls wäre das eine Katastrophe für die Rettungseinsätze.“

Volker Pfau

Volker Pfau

Volker Pfau

E-Mail:volker.pfau@tz.de

Google+

auch interessant

Meistgelesen

Rätselhafter Absturz: Kletter-Ass (17) aus Kreis Dachau stirbt 
Rätselhafter Absturz: Kletter-Ass (17) aus Kreis Dachau stirbt 
Großer Wunsch erfüllt: Michl trifft seine Bayern-Stars
Großer Wunsch erfüllt: Michl trifft seine Bayern-Stars
Stadtgalerie in Schweinfurt durchsucht: Polizei gibt Entwarnung
Stadtgalerie in Schweinfurt durchsucht: Polizei gibt Entwarnung
Mann rast in Gegenverkehr - Zwei junge Frauen sterben
Mann rast in Gegenverkehr - Zwei junge Frauen sterben

Kommentare