Ärger im oberbayerischen Chiemgau

Judenhass in Urlaubsidylle: 78-Jähriger schockt Touristen

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Eines der Hetzschilder im Luftkurort Bergen.

Bergen - Ein 78-Jähriger aus Bergen soll antisemitische Hetzschilder im oberbayerischen Urlaubsparadies Bergen aufgehängt haben. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.

In der oberbayerischen 5000-Seelen-Gemeinde Bergen gibt es ordentlich Ärger. Es geht um Volksverhetzung und Fremdenhass  - und das Image des idyllischen Orts im Chiemgau, der bei Touristen sehr beliebt ist. 

Die Reichskriegsflagge ist im Garten des Bergeners gehisst.

Auslöser ist ein 78-Jähriger, der schon sein Jahren im Ort provoziert: In seinem Garten hat er die Reichskriegsflagge gehisst, gut sichtbar an der Ortsdurchfahrt. Der Gemeinde ist dies schon lange ein Dorn im Auge, einige Male habe man versucht, gegen die provokante Fahne vorzugehen, sagte Bürgermeister Stefan Schneider zur "Jüdischen Allgemeinen".

Doch erfolglos - obwohl die Fahne heutzutage vor allem von der rechten Szene verwendet wird, ist sie nicht verboten. Denn sie stammt nicht aus dem Dritten Reich, sondern aus der Bismarck- und Kaiserzeit. Die Fahne war bis 1892 die offizielle Kriegsflagge der kaiserlichen Marine, dann bis 1921 die Flagge der Streitkräfte des Deutschen Reiches. 

Diesen Schriftzug hatten Unbekannte am Zaun des 78-Jährigen hinterlassen.

Doch jetzt ging der 78-Jährige offenbar zu weit: Nachdem die umstrittene Fahne im Mai 2016 aus seinem Garten geklaut worden war und Unbekannte das Wort "Nazischwein" in großen Lettern an seinem Zaun hinterließen, soll er mit antisemitischen Schildern an seinem Zaun zurückgeschlagen haben. "Dieser Judenschmierer ab in die Irrenanstalt" ist eines der krassen Beispiel, über die das Portal chiemgau24.de berichtet. Eine weiteres Hetzplakat lautete so: "Achtung und Vorsicht! Der Judensch... treibt sein Unwesen. Er besprüht Zäune und reißt Fahnen von den Mästen. Dieser Mann gehört in die Irrenanstalt. Diese und weitere Betätigungen sind Straftaten!!!" 

Ein entsetzter Tourist war der Auslöser, dass jetzt gegen den 78-Jährigen ermittelt wird. Der Urlauber meldete eines der Hetzplakate bei der Polizei. Diese ließ die Tafel abnehmen. Nun wird gegen den 78-Jährigen wegen Volksverhetzung ermittelt. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft habe man den Bergener wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung angezeigt, teilte die Polizei Traunstein mit.

mm/tz

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