Luchse und Greifvögel getötet

Erschossen & vergiftet: Unheimliches Wildtiersterben in Bayern

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Luchse im Harz

München - Sie werden erschossen, aufgehängt oder vergiftet – in Bayerns Wäldern findet ein heimliches Sterben statt: das der geschützten Wildtiere.

Erst am Montag wurde bekannt, dass seltene Schwarzstörche getötet werden sollten. Einen Tag später präsentiert das Bayerische Umweltministerium davon unabhängig Zahlen. Seit dem Jahr 2010 wurden 85 Wildvögel umgebracht, acht Beutegreifer wie Luchs und Fischotter verloren durch Menschenhand ihr Leben. Die Auflistung erhielt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn nach einer diesbezüglichen Anfrage. Er sagt: „Die ist schockierend: fünf Luchse und zwei Fischotter illegal getötet, 14 Luchse verschwunden, 85 Greifvögel vergiftet oder auf andere Art und Weise getötet. Auch die Dunkelziffer ist sehr hoch.“

Das Sterben der Luchse regt ihn besonders auf. So wie der Fall Tessa, die im Jahr 2012 tot in einem Waldstück bei Rinchnach (Kreis Regen) aufgefunden wurde, vergiftet. Trotz einer Belohnung von 19 000 Euro ist der Täter bis heute unbekannt. Überhaupt ist die Aufklärungsquote bei null. So wurden zwar einmal zwei Tatverdächtige ermittelt, die mit dem Tod von Greifvögeln zu tun hatten. Die Verfahren wurden jedoch eingestellt. Für von Brunn ein Unding: „Das ist eine erbärmlich schlechte Bilanz. Wir fordern spezialisierte Fachdezernate für Umweltkriminalität und Artenschutzvergehen bei der Polizei, eine auf solche Fälle spezialisierte Schwerpunktstaatsanwaltschaft.“ Viele Tiere starben zudem bei Unfällen, seit dem Jahr 2010 kamen so 98 Fischotter und sieben Luchse ums Leben. Doch waren dies wirklich echte Unfälle? Oder fingierte? Immerhin, am letzten gibt es keine Zweifel – im Kreis Schwandorf lief ein Wolf vor ein Auto. Der Fahrer holte selbst die Polizei.

Unterfranken:

21 Mäusebussarde, davon 15 bei einem einzigen Vergiftungsfall in Bad Neustadt an der Saale. Elf Rotmilane, ein Schwarzmilan, zwei Uhus und zwei weitere Greifvögel. Deren Art wurde polizeilich nicht weiter bestimmt

Oberfranken:

Hier wurden nachweislich ein Wanderfalke und ein Rotmilan getötet. Es kam aber zu mehreren Unfällen mit Fahrzeugen. Im Jahr 2012 verlor dabei eine Wildkatze bei Bamberg ihr Leben, Fischotter starben auf den Straßen bei Bamberg und Bayreuth.

Mittelfranken:

Sechs Mäusebussarde, eine Rohrweihe, drei Rotmilane und ein Seeadler. Der Adler wurde am 17. Januar 2011 im Kreis Neustadt an der Aisch- Bad Windsheim abgeschossen. Es wurde ein Tatverdächtiger ermittelt, zu einer Anklage wegen Vergehens gegen das Bundesnaturschutzgesetz kam es aber nicht.

Oberpfalz:

Zwei Fischotter und zwei Luchse wurden getötet. Die Wilderer gingen grausam vor: Von den Luchsen fanden sich nur die Vorderläufe. Sechs Mäusebussarde, eine Roweihe und ein Uhu starben.

Niederbayern:

Drei Luchse wurden getötet, zwölf weitere der Raubkatzen sind im Grenzbereich zur Oberpfalz und Tschechien verschollen. Ihr Leben verloren zwei Habichte, ein Sperber, sechs Mäusebussarde. Wilderer brachten auch einen Gänsegeier, je eine Rohr- und Kornweihe und einen Uhu um.

Oberbayern:

Im bevölkerungsreichsten Bezirk verloren mehrere geschützte Vögel ihr Leben. Dabei handelte es sich um zwei Habichte, sechs Mäusebussarde, einen Wanderfalken. Zudem starb im Kreis Landsberg am Lech ein Rotmilan.

MC

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