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Ludwig I. und seine Lola: Neue Details zum königlichen Skandal

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Ludwig I. und Lola Montez - so malte sie ein Zeitgenosse.

München - Ludwig I. und seine Gespielin Lola Montez sorgten vor rund 170 Jahren für einen handfesten Skandal. In einer Serie veröffentlicht die tz neue Details.

Auf den Tag genau 170 Jahre ist es her. ­Damals, am 5. Oktober 1846, betrat die ­damals größte Skandalnudel Europas ­Münchner Boden: Lola Montez! Jene damals 25-jährige Dame, die als Geliebte König Ludwigs I. für Riesenaufregung sorgen sollte. Was genau alles ­damals passiert ist, wie viel Geld der König für ­seine Lola ausgab und wie die Bevölkerung ­reagierte: Darüber gibt es viele neue Erkenntnisse aus bisher geheimen Dokumenten. Ab heute ­erzählt die tz die wahre Geschichte in einer neuen Serie.

Ab ins Bett

Wir schreiben den 5. Oktober 1846. Die Tänzerin Lola Montez, die zuvor skandal- und affärenträchtig in halb Europa unterwegs war, kommt nach München. Es dauert nur wenige Tage, bis der bayerische König Ludwig I. (61) im Bett der 26-Jährigen landet. Der König ist zwar verheiratet mit seiner Therese, allerdings auch vielseitig interessiert an der sonstigen Damenwelt. Es ist der Beginn eines zweijährigen Liebesdramas. Eines, das heute monatelang die Titelbilder der Klatsch-Illustrierten beherrschen würde … Es läuft, wie es so läuft unter Promi-Paaren: der Mann schwerreich, berühmt und mächtig, im gesetzten Alter, Aussehen unwichtig. Die Frau blutjung, kein Geld, bildhübsch und unglaublich sexy: eine Lolita halt. Und Lola nannte sich die Dame auch – obwohl sie in Wirklichkeit ja Elizabeth Rosanna Gilbert hieß und nicht aus Spanien, sondern aus Irland stammte …

Geheime Post

Das Liebesnest: In diesem Palais an der Barer Straße wohnte Lola Montez.

„Mia muy querida Lolitta!“ (Meine liebste Lolitta) – so schrieb ihr „sehr, sehr geliebter Louis“ in 225 bis vor Kurzem noch in den Staatsarchiven geheim gehaltenen Briefen. Ein späterer englischer Lover der Lola wollte damals Ludwig I. sogar mit einer Veröffentlichung erpressen, doch der Bayernkönig leistete eine „freiwillige“ Zahlung. Genauso wie Ludwigs und Lolas Briefe wurden Dokumente von Zeitzeugen bis vor wenigen Jahren unter strengster Geheimhaltung in den bayerischen Staatsarchiven aufbewahrt, wie zum Beispiel die „Memorabilien“ von Ludwigs engstem Vertrauten, dem Architekten Leo von Klenze. Zwei Nachfolge-Generationen der Klenze-Familie mussten ausgestorben sein, bevor seine brisanten Aufzeichnungen vom Architekturmuseum der TU mit Hilfe des Siemens-Kunstfonds auf einer CD dokumentiert werden durften – jetzt sind sie zugänglich. Über 5000 handschriftlichen Notizen zeigen erstmals das wahre Ausmaß des königlichen Liebesrausches: Von einem romantischen Techtelmechtel des Königs mit Lola, der damals „schönsten Frau der Welt“, in einem „geheimen Liebesnest“ in der Menterschwaige, bleibt nichts übrig. Das sogenannte Lola-Montez-Haus war damals noch gar nicht gebaut. Die königlichen Schäferstündchen spielten sich in Lolas Luxuspalais in der Barer Straße (Maxvorstadt) ab, bei dem man die Uhr danach stellen konnte, wann Seine Majestät bei der Mätresse vorfährt: am späten Vormittag und am frühen Abend. Nach Ansicht Leo von Klenzes ist das Wort „Mätresse“ allerdings viel zu harmlos. Er nennt sie in seinen Notizen fast nie beim Namen, bedenkt sie aber mit einem bunten Strauß von Schimpfworten – von der „Fleisch gewordenen Lüge“ über die „Bordellpriesterin“ bis hin zur „Pariser Bordellhure“ und der „tollgewordenen Hündin“, die sich „durch halb Europa gepeitscht“ habe. Klenze weiß auch, was über die Tänzerin Lola in Paris die Runde gemacht hatte – nämlich, „dass man in Paris allgemein von ihr sagte ,Lola f*** gut, aber sie tanzt schlecht‘“.

Der Rosenkrieg

Als das königliche Glück zu Ende geht, geht’s zu wie bei heutigen Promi-Paaren im Rosenkrieg – und nur noch ums Geld. „Wenn Du wissen würdest, wie hart es ist, kein Geld zu haben. Wenn Du mir nicht hilfst, werde ich mich umbringen“, heult Lola 1848 ihrem Louis nach ihrer Vertreibung aus München vor. Und der hat langsam die Schnauze voll: „Es ist unglaublich, dass eine Frau ohne Familie in so kurzer Zeit einem Hotel 4000 Franken schuldet. Obwohl ich Dir schon 1000 Franken für für den Transport der Möbel geschickt habe, sende ich Dir noch 7000 Franken.“ Auch die Luxusvilla in der Barer Straße muss verscherbelt werden, denn der König hat seine Lola als Besitzerin ins Grundbuch eintragen lassen.

Geld, Geld, Geld

Erst seitdem die Briefe des Königs freigegeben sind, ist klar: Das Verhältnis hatte mit Romantik nicht viel zu tun … „Es wird für Dich interessant sein zu wissen, wie viel ich für Dich in zwei Jahren ausgegeben habe“, schreibt der König seiner Lolitta am 15. November 1848: Umgerechnet zwölf Millionen Euro (240 222 Gulden) kostete ihn die Affäre. Lola bekam im Jahr also 120 111 Gulden. Zum Vergleich: Ein Minister verdiente 6000 Gulden, Münchens Bürgermeister 4000 Gulden, ein Universitätsprofessor 2000 Gulden, von der normalen Bevölkerung ganz zu schweigen.

Die Peitsche

Ganz zu schweigen auch vom immensen Flurschaden, den die exzentrische, intrigante und stets Reitpeitsche schwingende Lola verursachte und skrupellos die königliche Gunst bei der Münchner Bevölkerung ausspielte: „Ich habe allerdings so manche Ohrfeige in meinem Leben ausgeteilt, aber ich habe niemals ein Tagebuch darüber geführt.“ Wenigstens in ihren Memoiren war sie ehrlich … Zwei Regierungen gingen wegen Lola freiwillig oder wurden entlassen, Straßenschlachten vor Lolas Palais, bei denen Ludwig I. von einem Steinwurf getroffen wurde, wütende Demonstration am Odeonsplatz, wo sich Lola nur mit gezogener Pistole in die Theatinerkirche retten konnte. „Hätt ich doch nie und nimmer Dich gesehen …“, schrieb Ludwig I. am Tag, als er die bayerische Königskrone niederlegte und wegen Lola Montez am 20. März 1848 auf Amt und Würde verzichtete.

Heinz Gebhardt

Diese und noch viel mehr Geschichten rund um die verhängnisvolle Affäre des Königs lesen Sie in der neuen tz-Serie in den nächsten Tagen. Dann lernen Sie auch einige von Lolas anderen Liebhabern kennen …

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