Daten und Hintergrundinfos zu neuen Verhandlungen

Hierüber wird beim Milchgipfel gestritten

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Auch die Butter ist teils zum Billigprodukt geworden.

München - Seit Monaten fällt der Milchpreis und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Ein Milchgipfel in Berlin soll am heutigen Montag rasch Lösungen bringen, denn viele Bauern sind in ihrer Existenz bedroht.

Update: Die deutschen Milchbauern sollen angesichts drastisch gesunkener Preise Soforthilfen von mindestens 100 Millionen Euro bekommen. Über die genaue Höhe werde er noch Gespräche führen, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) nach dem „Milchgipfel“ am Montag in Berlin.

Bauern brauchen 40 Cent, um kostendeckend zu wirtschaften

Die Marke liegt bei 40 Cent. Das ist der Betrag, mit dem die Milchbauern nach eigener Aussage einigermaßen kostendeckend wirtschaften können. Die meisten der Bauern sind jedoch von diesen 40 Cent pro Kilogramm Milch weit entfernt – und das nicht erst seit einigen Wochen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat für heute zum Milchgipfel nach Berlin geladen. Vertreter des Bauernverbandes, des Handels und der Molkereien sollen sich hier auf schnelle Hilfen für Milchbauern einigen. Ohne Unterstützung, so weit herrschte im Vorfeld des Treffens Einigkeit, werden viele Bauern aus der schieren Not heraus aufgeben müssen.

Wie sich der Milchpreis seit 2012 entwickelt hat

(Wählen Sie einen Börsenwert (Dollarkurs, Ölpreis, Milchpulver) aus, um die Kurven zu vergleichen.)

Was Molkereien den Landwirten bezahlen

(Bayerische Molkereien (blau) zahlen den Landwirten derzeit vereinzelt noch mehr als 30 Cent pro Kilogramm gelieferter Milch. In Nord- und Ostdeutschland liegt der Preis dagegen teils schon unter 20 Cent. Angegeben sind Grundpreise ohne Zu- und Abschläge für Milch bei 4,0% Fett und 3,4% Eiweißgehalt.)

Die Lage ist dramatisch

Wie dramatisch die Lage ist, offenbaren die Zahlen, die BR Data, das datenjournalistische Team des Bayerischen Rundfunks, zusammengetragen hat. Seit Anfang 2014 ist der Preis für konventionell erzeugte Milch aufgrund von Überproduktion und einer schwächelnden Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten kontinuierlich gesunken (siehe Linien-Diagramm oben). Mitte Januar 2015 lag der Preis bei durchschnittlich 30 Cent pro Kilogramm, im April 2016 zahlten einige Molkereien wie die Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft nicht mal mehr 20 Cent pro Kilogramm.

Bauern-Protest: "Wir wollen keine Subventionen"

Auch beim Spitzenreiter macht sich die Milchpreis-Krise bemerkbar. Die Milchwerke Berchtesgadener Land sind seit Jahren bekannt dafür, dass sie den Bauern die höchsten Preise in ganz Deutschland zahlen. Im Januar waren das immer noch 41,47 Cent pro Kilogramm.

Doch damals schlug auch diese Molkerei Alarm. „Wir stehen kurz vor dem Kollaps“, hatte sie in ihrer „Milchpost“ geschrieben. Der Grund: Die Milchanlieferungen seien um elf Prozent gestiegen. In der Folge musste auch Berchtesgadener Land seine Preise senken. Im April zahlte die Molkerei nur mehr 33,36 Cent. Deutschlandweit ist das jedoch immer noch der Spitzenwert.

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Auch grundsätzlich ist es so, dass bayerische Molkereien im Schnitt besser bezahlen als andere Molkereien in Deutschland. Das liegt daran, dass die großen Milchveredler, also Firmen, die die Milch etwa zu Joghurt oder Käse verarbeiten, ebenfalls in Bayern sitzen. Die kurzen Transportwege erklären den besseren Preis. Milch aus Nord- und Ostdeutschland wird vor allem zu den Exportgütern Milchpulver und Butter verarbeitet. Der Preis ist abhängig von der Weltwirtschaft. Gerät diese ins Stocken, wie das zurzeit der Fall ist, sinkt auch der Milchpreis. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Entwicklung des Milchpreises in Deutschland mit dem Wechselkurs Euro-Dollar korreliert.

Landwirte in Sorge: Milchkrise treibt Bauern um

Auffällig ist, dass der Preis für Bio-Milch von der Krise nicht betroffen ist. Er liegt seit Ende 2013 konstant auf gut über 45 Cent pro Kilogramm. Einen Ausweg für die Bauern aus der jetzigen Krise bietet Bio-Milch aber nicht. Die Umstellung dauert lange und ist teuer. Zudem sind nur 2,3 Prozent der verkauften Milch Bio-Milch.

Wie also lassen sich Preisverfall und Überproduktion bekämpfen? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Agrarminister Schmidt haben im Vorfeld des Milchgipfels Kredite, Bürgschaften und steuerliche Erleichterungen für die Landwirte ankündigt. Im Gespräch ist ein Hilfspaket von mindestens 100 Millionen Euro.

Verlustgeschäft mit Dauerproduktion: Der Melkmarathon der Turbokühe

Eine Sondersteuer, die die Schwarz-Gruppe, zu der auch der Discounter Lidl gehört, ins Spiel gebracht hat, lehnt die Union dagegen ab. „Damit stiehlt sich der Handel aus seiner Verantwortung“, erklärte Gitta Connemann (CDU). „Denn sein ruinöser Preiskrieg mit Lebensmitteln ist Teil des Problems.“

Connemann betonte, dass man den in Not geratenen Bauern helfen müsse, sah aber auch die „Marktbeteiligten“ gefragt. „Überproduktion kann die Branche nur selbst zurückfahren.“ Die Grünen fordern „gestaffelte Soforthilfen“ für Höfe, die ihre Milchproduktion für mindestens ein Jahr senken.

Beatrice Oßberger

Das zahlten Molkereien für den Liter Milch

Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG:

33,36 Cent/kg

Molkerei Weihenstephan (Müller):

33,36 Ct/kg

Schwarzwaldmilch GmbH:

29,46 Ct./kg

Milchzentrale Nordbaden GmbH:

28,84 Ct./kg

Karwendel-Werke Huber GmbH & Co.KG: 

27,46 Ct./kg

Bergader Privatkäserei:

27,36 Ct./kg

Molkerei Meggle:

27,26 Ct./kg

Käserei Champignon GmbH:

27,21 Ct./kg

J. Bauer GmbH:

26,96 Ct./kg

Molkerei Ehrmann AG:

26,71 Ct./kg

Alpenhain GmbH:

26,61 Ct./kg

Molkerei A. Müller GmbH:

26,49 Ct./kg

Milchwerk Jäger GmbH:

26,34 Ct./kg

Schwälbchen Molkerei:

26 Ct./kg

Zott GmbH:

25,61 Ct./kg

Bärenmarke:

25,46 Ct./kg

Onken GmbH/Dr. Oetker:

25 Ct./kg

Milchwerke Schwaben eG:

24,46 Ct./kg

Goldsteig Käsereien Bayernwald GmbH:

24,16 Ct./kg

Milchwerke Oberfranken West:  

24,01 Ct./kg

Wiesehoff Sahnemolkerei: 

24 Ct./kg

Paul Mertens GmbH:

23,75 Ct./kg

Bayernland AG:

23,66 Ct./kg

Sachsenmilch (Müller):

23,25 Ct./kg

Neuburger Milchwerke (Omira):

23,06 Ct./kg

Molkerei Ammerland eG: 

23 Ct./kg

Hohenloher Molkerei eG:

22,71 Ct./kg

Ostfriesland-Milch Wiegert GmbH:

22,5 Ct./kg

Meiereigenossenschaft Wasbeck eG:

22 Ct./kg

Meiereigenossenschaft Viöl: 

21Ct./kg

Meierei-Genossenschaft Gudow-Schwarzenbek eG:

20,5 Ct./kg

Breitenburger Milchzentrale eG:

20 Ct./kg

Molkerei Rücker GmbH (Aurich):

19,5 Ct./kg

Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft mbH:

18 Ct./kg

Quelle: top agrar/Preise vom April/BR Data

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