Mysteriöser Prüfbericht aufgetaucht

360 Millionen? Wirbel um angebliches Strauß-Konto

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Alexander Schalck-Golodkowski und Franz Josef Strauß.

München - Strauß-Kritiker Wilhelm Schlötterer präsentiert ein Dokument, in dem von einem Strauß-Konto mit 360 Millionen D-Mark die Rede ist. Die Strauß-Nachkommen sprechen von einer dreisten Fälschung.

Nicht weniger als eine „Götterdämmerung“ versprach Wilhelm Schlötterer, bevor er sein Geheimnis lüftete. Der Verwaltungsjurist und Strauß-Kritiker legte am Freitag ein unveröffentlichtes Dokument vor, das Fragen aufwirft – wenn es denn echt ist. Fragen über ein Konto mit 360 Millionen D-Mark. Über Zahlungen beim von Franz Josef Strauß eingefädelten Milliardenkredit für die DDR. Über Waffengeschäfte. Und über den Wahrheitsgehalt so mancher Aussage vor Gericht. Schlötterer sieht in dem Dokument eine Bestätigung für viele seiner Anschuldigungen gegen den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten. Für die Strauß-Nachkommen ist das Dokument eine dreiste Fälschung. 

Bei dem vierseitigen Schreiben soll es sich laut Schlötterer und seinem Anwalt Hildebrecht Braun um einen internen Prüfungsbericht der „DG Bank“ über ein Schweizer Konto handeln. Schlötterer habe das Dokument, auf dem der 4. April 1994 als Ausstellungsdatum vermerkt ist, „vor wenigen Wochen aus dem Kreis der Adressaten“ zugeschickt bekommen. Es ist mit der Zeile „Konto FIDINAM Franz Josef Strauß Ministerpräsident von Bayern (geb.Sept.1915)“ überschrieben und gibt einen Kontostand am Tag der Auflösung im März 1990 von knapp 360 Millionen D-Mark an. Als Bevollmächtigte seit der Kontogründung sind in dem Schreiben Strauß-Anwalt Franz Josef Dannecker und Marianne Strauß vermerkt. Im Juni 1987, drei Jahre nach deren Tod, sei sie durch ihren Sohn Max Josef Strauß ersetzt worden. Kontoinhaber sei bis zur Auflösung 1990 Franz Josef Strauß geblieben, obwohl er bereits 1988 starb.

 In dem Dokument steht weiter, die Kontounterlagen würden „in besorgniserregender Art und Weise eine Vielzahl von fragwürdigen Einzahlungen und Überweisungen“ aufweisen, „darunter fanden sich persönliche Einzahlungen aus den Jahren 1983 und 1984 von Herrn Schalck-Golodkowski“. In drei Tranchen habe der SED-Politiker insgesamt 100 Millionen West-Mark überwiesen. Weitere Überweisungen seien von Konten saudi-arabischer Personen gekommen, keine davon unter einer Million. Auch Leo Kirch taucht in dem Bericht auf, FJS habe von dessen Unternehmen Zahlungen erhalten, darunter 50 Millionen DM von Taurus-Film. 

Bis Juli 1988 sei das Konto laut Dokument „viel beschäftigt“ gewesen. Ab dem Todeszeitpunkt von FJS seien alle Anlagen in Barvermögen zurückgeführt worden, meist auf Anweisung von Dannecker, aber auch zweimal von Max Strauß persönlich. Im April 1990 sei das gesamte Kontoguthaben in Bar abgehoben worden. Soweit der Inhalt des Dokuments. 

So sah München Anfang der 70er-Jahre aus

Ob der Bericht authentisch ist, ist völlig unklar

Ob der Bericht authentisch ist, ist jedoch völlig unklar. Schlötterer und Braun geben ihre Quelle nicht Preis. Sie hätten sich lange mit der Person unterhalten, deswegen sei aus ihrer Sicht die „Seriosität zweifelsfrei gegeben“, auch wenn sie nicht mit letzter Gewissheit sagen könnten, ob die Feststellungen in dem Dokument zutreffen. Schlötterer sieht sich aber in seinen Anschuldigungen bestätigt. Er folgert: Die Zahlungen Schalck-Golodkowskis seien mit großer Wahrscheinlichkeit eine Provision für die Vermittlung des Milliardenkredits an die DDR gewesen. Die Namen der aufgeführten Unterkonten deuten nach Schlötterers Meinung auf Waffengeschäfte hin. Und schließlich sei mit diesem Papier das Gerücht über einen Strauß-Nachlass von 300 Millionen DM bestätigt. Deshalb habe man am Donnerstag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bochum gestellt.

Doch es bleiben Zweifel. In dem Dokument steht keine Kontonummer, auch keine vollständigen Geburtsdaten, dafür finden sich mehrere Rechtschreibfehler, einige Passagen sind geschwärzt. Die Strauß-Nachkommen ließen über ihren Anwalt mitteilen: „Wir halten das gesamte Dokument für eine dreiste Fälschung. Die darin vorgenommenen Schwärzungen und das Verschweigen der (angeblichen) Quelle sprechen für sich.“ Der Anwalt nannte das Dokument die „neueste Räuberpistole“ von Wilhelm Schlötterer, mit dem sich die Strauß-Nachkommen seit Jahren vor Gericht streiten. 

Einen weiteren Vorwurf richtete Schlötterers Anwalt Braun an Edmund Stoiber. Er habe 1990 als bayerischer Innenminister den an den Bayerischen Verfassungsschutz übergebenen Stasi-Nachlass mit Fakten zum DDR-Milliardenkredit „zum Schutz des Ansehens von Franz Josef Strauß“ vernichten lassen. Stoiber weist diesen Vorwurf zurück: „Ich halte die von Herrn Schlötterer aufgestellte Behauptung für abwegig und nach meiner Erinnerung für völlig ausgeschlossen. Auch meinen engsten Mitarbeitern von damals ist ein solcher Vorgang gänzlich unbekannt.“

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