bilanz zum blitzmarathon

Mit Tempo 206 über die Landstraße

München - Eine Woche lang hat die Polizei Temposündern mit einem Blitzmarathon den Kampf angesagt. Die Bilanz fällt positiv aus: Fast alle Autofahrer traten auf die Bremse. Doch es gab auch Raser, die die Straße mit einer Rennstrecke verwechselten.

206 Kilometer pro Stunde auf der Landstraße – das ist mehr als doppelt so schnell wie erlaubt. Diesen Negativrekord hat ein Motorradfahrer in Allersbach (Kreis Roth) aufgestellt. Er war der schnellste bayerische Raser, den die Polizei bei dem einwöchigen Blitzmarathon, der am Donnerstag zu Ende ging, stoppte. Dem Mann drohen jetzt eine Geldstrafe von 1200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot.

In Oberbayern gingen den Polizisten zwei Autofahrer ins Netz, die auf der B17 im Kreis Landsberg und auf der B15 bei Schechen (Kreis Rosenheim) mit über 70 Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs waren. Auch in München stachen zwei Temposünder besonders heraus: Bei einem Motorradfahrer stellte die Polizei auf der Fürstenrieder Straße am ersten Aktionstag statt der erlaubten 50 km/h eine Geschwindigkeit von 105 km/h fest. Am Dienstag wurde in Ismaning (Landkreis München) in der 60er-Zone ein Raser mit 115 Kilometern pro Stunde geblitzt. „Diesen Verkehrsrowdys schadet es nicht, sich mehrere Monate als Fußgänger Gedanken über ihre unverantwortliche Fahrweise zu machen,“ sagt Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU).

Er zieht dennoch eine positive Bilanz über den Blitzmarathon. „Das Gros der Autofahrer war während des Blitzmarathons langsamer unterwegs“, erklärt er. Insgesamt hat die Polizei bei der Aktion rund 87 600 Fahrzeuge an über 2000 Messstellen kontrolliert. Dabei haben die Polizisten 25.939 Geschwindigkeitsverstöße gemessen. Ungefähr drei Prozent aller Fahrer waren also zu schnell unterwegs.

Mit diesem Wert liegt Bayern bundesweit in etwa im Durchschnitt. Am vorbildlichsten sind während des Blitzmarathons die Hamburger gefahren. Dort wurden nur 0,5 Prozent der Autofahrer geblitzt. Die meisten Raser hat es im Saarland gegeben, hier lag die Trefferquote der Polizei bei sechs Prozent.

Der Anteil der Temposündern bei gewöhnlichen Geschwindigkeitskontrollen liegt laut Polizeigewerkschaft (GdP) bei acht Prozent. Sie fordert deshalb mehr Personal bei der Verkehrspolizei statt einmaliger Aktionen: „Wir sind mit Mann und Maus auf der Straße“, sagte ein Sprecher der GdP Bayern und sprach von „reiner Öffentlichkeitswirkung“.

Die Polizeipräsidien Oberbayern Nord, Oberbayern Süd und München haben bereits angekündigt, auch in nächster Zeit weitere Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Dadurch soll die Zahl der schweren oder sogar tödlichen Unfälle reduziert werden. In Bayern starben vergangenes Jahr 619 Menschen auf den Straßen, jeder Dritte davon wegen erhöhter Geschwindigkeit. „Gerade auf Landstraßen ist die Gefahr schwerer Verkehrsunfälle durch zu schnelles Fahren am größten“, sagt Verkehrsminister Joachim Herrmann.

Besonders gefährlich wird es, wenn zu den Geschwindigkeitsverstößen noch Trunkenheit, Drogen oder Telefonieren am Steuer kommen. Beim Blitzmarathon musste die bayerische Polizei wegen solcher Vergehen 52 Strafverfahren einleiten.

Rubriklistenbild: © dpa

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