In Fürth

Mutter wegen schreiendem Kind aus Supermarkt geworfen? Jetzt gibt es Bilder

Fürth - Weil ihre Tochter brüllte, soll eine junge Mutter aus einem Edeka geworfen worden sein. Der Supermarkt-Inhaber stellt die Situation etwas anders dar - und zeigt Videoaufnahmen zum Beweis.

Einkaufen mit Kindern - auch wer keine hat, kann sich ungefähr ausmalen, wie entspannt das meistens ist. Spätestens bei der Kasse, wo - besonders fies - die sogenannte "Quengelware" mit vielen leckeren, bunten Süßigkeiten aufgebaut ist, wird es schwierig, die Wünsche des Nachwuchses mit der Einkaufsliste und den eigenen Erziehungsgrundsätzen in Einklang zu bringen. Ohne dabei als Elternteil die Nerven zu verlieren.

So weit ist eine Kundin in einem Fürther Edeka gar nicht gekommen. Ihr Fall sorgte Anfang der Woche unter dem Slogan "Schrei-Alarm - Supermarkt-Chef setzt junge Mutter vor die Tür" für Aufsehen. 

Wie die "Bild" berichtet, war Tina Seiler (28) mit ihrer zweijährigen Tochter Lina, ihrem Mann und der Schwiegermutter an einem Vormittag beim Einkaufen. Ihre Tochter sei schon müde und quengelig gewesen und habe dann zu weinen angefangen. Nach etwa fünf Minuten sei daraufhin eine Edeka-Mitarbeiterin an sie herangetreten und habe sie gebeten, "den Laden wegen meines weinenden Kindes zu verlassen." 

Seiler sagt, sie habe den Wagen stehen lassen und sei gegangen. "Mein Kind hat weder randaliert noch Regale ausgeräumt", sagte sie der "Bild". Es sei einfach müde gewesen. 

Edeka-Chef stellt die Situation anders dar

Roman Stengel, Geschäftsinhaber der Edeka-Filiale, erklärte auf "Bild"-Anfrage, das Kind habe nicht fünf Minuten, sondern eine halbe Stunde gebrüllt. Außerdem hätten sich Kunden beschwert. Aber vor allem betont er, seine Mitarbeiterin habe die Frau nicht gebeten, den Einkauf abzubrechen und den Laden zu verlassen, "sondern dafür zu sorgen, dass die übrigen Kunden ihr Recht auf Einkaufen in entspannter Atmosphäre wahrnehmen können." Im Klartext also habe sie die Eltern dazu aufgefordert, Lina zu beruhigen. 

Tags darauf veröffentlichte Stengel prompt Standbilder aus seiner Überwachungskamera, die seine Aussage bekräftigen sollen. Darauf zu sehen ist das kleine Mädchen, das laut Stengel erst kurz Richtung Eingangstüre abhaut, dann vom Vater in den Kindersitz des Einkaufswagens gesetzt wird und den Schnuller bekommt. Schließlich sitzt es alleine im Wagen. Während die Eltern in der Nähe stehen, geht laut Edeka eine Kundin zu Lina. "Sie scheint das weinende Kind, das allein im Wagen sitzt, beruhigen zu wollen und streichelt es." In einem letzten Bild schieben die Eltern den Wagen, in dem das Kind mit hochrotem Kopf sitzt. Stengel hat dieses Bild mit "Hier erkennt man deutlich den hochroten Kopf des Kindes und die Eltern, die nichts unternehmen" kommentiert. 

Wie lange Lina geschrien und gequengelt hat und wie sehr das die anderen Kunden störte, ist aus den Aufnahmen jedoch nicht erkennbar.

Dazu erläutert der Edeka-Marktleiter noch einmal in "Bild": Die Mitarbeiterin "fragte, ob dem Kind etwas fehle. Dann bat sie die Eltern, das weinende Kind aus dem Wagen zu nehmen und zu beruhigen." Sie habe damit absolut richtig und feinfühlig gehandelt, von einem Rauswurf könne keine Rede sein. "Im Gegenteil: Wir haben an die Eltern appelliert - auch zum Wohle ihres Kindes übrigens."

Kinder-Hasser vs. antiautoritäre Eltern

Es steht also nach wie vor Aussage gegen Aussage. In den sozialen Netzwerken sind die Meinungen gespalten. Manche User sind empört darüber, wie Eltern und kleine Kinder diskriminiert werden. Andere regen sich auf, weil viele Eltern ihrer Ansicht nach heutzutage ihre Kinder nicht mehr unter Kontrolle haben und es an notwendiger Autorität fehlt.

Eine einfache Lösung der Situation schlug übrigens der Abgeordnete der Europäischen Parlaments Arne Gericke vor, der sich laut "Bild" mit einem Brief an den Supermarktbetreiber Roman Stengel wandte. Gericke ist Mitglied in den Ausschüssen für Soziales und Chancengleichheit. Er fragte, warum die Supermarkt-Angestellten dem Kind nicht einfach eine Banane oder ähnliches zur Beruhigung geschenkt hätten. Vielleicht wäre das die einfachste Lösung gewesen - und diejenige, die für den wenigsten Aufruhr gesorgt hätte.

kf

Rubriklistenbild: © Edeka-Center Stengel

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