Top-Bewachung für Froschbande

Nach Mord in Meiling: Rumänen stehen erstmals vor Gericht

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In diesem Haus in Meiling wurde 72-Jährige im September 2015 getötet.

Wiener Neustadt - Seit Montag wird neun Rumänen, denen unter anderem der Tod eines Rentners (72) aus Meiling im Kreis Starnberg zur Last gelegt wird, der Prozess gemacht.

Sie gingen immer nach dem gleichen Schema vor – Häuser ausspähen, einsteigen, die meist älteren Menschen misshandeln und ausrauben. Seit Montag wird neun Mitgliedern der berüchtigten Froschbande, der unter anderem der Tod eines Rentners (72) aus Meiling im Kreis Starnberg zur Last gelegt wird (siehe unten), in Wiener Neustadt (Niederösterreich) der Prozess u. a. wegen schweren Raubes gemacht. Für Staatsanwalt Markus Bauer sind die neun Rumänen „Berufsverbrecher, die sich alleinstehende oder ältere Opfer gesucht haben“. Und dabei äußerst brutal vorgingen. Deswegen kamen die neun mit Sonderbewachung ins Gericht.

Im Juni vergangenen Jahres nahm in Niederösterreich die Raubserie ihren Anfang. Vier maskierte Männer stiegen in ein Haus ein und misshandelten den Besitzer derart, dass der 72-Jährige u. a. Gesichtsfrakturen davontrug. Die Beute: 2000 Euro und billiger Schmuck. Einen Monat später überfielen wieder vier Männer die 69-jährige Martha P. in ihrem Bett. Sie schlugen sie, drohten ihr mit einem Messer. Als Martha P. einen epileptischen Anfall vortäuschte, ließen die Peiniger von ihr ab. Beute: 70 Euro. Weitere Überfälle folgten. In Gänserndorf wurde einer Dame (87) ins Gesicht geschlagen. Die Verdächtigen hielten ihr auch eine Hacke an den Hals. Beute: eine kleine Summe Bargeld und zwei Goldketten.

Der Überfall auf die betagte Frau hatte sich bereits nach dem tödlichen Angriff im Kreis Starnberg ereignet. Einer der Angeklagten sagte dazu am Montag der Richterin Nina Morawetz: „Ich habe sie an den Händen gefasst und habe gesagt sie soll nichts sagen, dann wird ihr nichts passieren. Ich habe an den Vorfall gedacht, der in Deutschland passiert ist. Ich habe sie wie meine Mutter behandelt.“ Vor dem Überfall war die Wohnung ausgespäht worden – mit dem alten Trick, um ein Glas Wasser zu betteln.

Der Prozess dauert bis kommenden Dienstag. Der tödlich verlaufene Starnberger Fall wird nicht behandelt, er wird bei der Staatsanwaltschaft München II gesondert geführt.

Auslieferung nach dem Urteil in Österreich

Markus K. aus Meiling bei Seefeld (Kreis Starnberg) konnte niemandem weh tun, war stets freundlich und als Mesner auch vielen im Ort bekannt. Umso schlimmer traf das Schicksal des 72-Jähirgen die Menschen in Meiling: Brutalos der Froschbande – der Name kommt daher, dass die Mitglieder zwar alle klein, dafür flink und viele waren – überfielen den Rentner im September 2015 in dessen Haus. Sie prügelten Markus K. mit einem Stück Holz, wohl mit einer Dachlatte, zu Tode und sperrten seine jüngere Ehefrau Irmgard ein. Diese wurde erst zwei Tage später aus der Speisekammer befreit. Der Mann, der sie damals fand, sagte später: „Das ist an Brutalität nicht zu überbieten.“ Für Markus K. kam jegliche Hilfe zu spät. Am Tag, als das Ehepaar gefunden wurde, gab es in Wien die ersten Verhaftungen: Sieben der Brutalos, alles arbeitlose Familienväter, wurden dabei festgenommen. Welcher der Froschbanditen für den Mord verantwortlich ist, wer letztlich zuschlug, ist nicht bekannt.

Raubmord in Meiling: Bilder von der Suche am Tatort

Für acht der Männer haben die bayerischen Behörden einen Auslieferungsantrag gestellt, mittlerweile sind sieben laut eines Berichts des Starnberger Merkur bewilligt worden. Bei einem achten laufe das Verfahren noch. Wie das weitere Vorgehen sein wird, war gestern nicht klar. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich von der Staatsanwaltschaft München II will nun erst den Ausgang des Verfahrens am Gericht in Wiener Neustadt abwarten.

Wie auch in anderen Fällen hatten Mitglieder der Froschbande zunächst bei dem Meilinger Ehepaar geklingelt, um nach einem Glas Wasser zu fragen. In der Nacht schlugen sie dann zu.

Tina Jedlicka und Markus Christandl

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