Haus in Chieming

Nachbar hat nichts gegen Flüchtlinge - und klagt gegen Asylbewerberheim

Chieming – Engelbert E. (76) betont: „Wir sind nicht gegen Flüchtlinge.“ Aber er ist entschieden dagegen, dass neben seinem Haus in Chieming (Kreis Traunstein) eine Asylbewerberunterkunft für 94 Menschen entsteht.

Er fürchtet Verkehrslärm, laute Musik, unterdimensionierte Abwasserleitungen und einen Verlust des Gebietscharakters. Außerdem würden sich die Frauen nachts nicht mehr heim trauen. Deshalb klagt E. nun vor dem Verwaltungsgericht München gegen die Genehmigung des Landratsamtes Traunstein. Ein aktueller Fall, wie er das Gericht angesichts der Flüchtlingswelle nun öfter beschäftigen dürfte.

Bauantrag für Asylbewerberunterkunft

Baumeister E. hatte neben dem Haus, in dem er wohnt, vor Jahrzehnten eine Halle für seinen Baubetrieb errichtet. Später übernahm sie ein Mitarbeiter, der den Betrieb weiterführte. Die Firma wird es bald nicht mehr geben. Deshalb hat Juniorchef Sebastian A. (33) über eine neue Verwendung für die Halle nachgedacht. Im November stellte er einen Bauantrag für eine Asylbewerberunterkunft. Geplant sind 17 Wohneinheiten mit bis zu 94 Personen. Die Gemeinde Chieming gab grünes Licht, das Landratsamt genehmigte den Antrag im Januar. Inzwischen laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Unter anderem wird eine Zwischendecke eingezogen. Im September sollen die ersten Flüchtlinge kommen.

Engelbert E.: Bürger wurden nicht befragt

Engelbert E. ist vor allem sauer, dass die Gemeinde zugunsten des Asylbewerberheims in der ehemaligen Halle entschieden hat, ohne die Bürger anzuhören. Es gehe dabei nicht um die Flüchtlinge, betont er mehrmals. „Wir sind einzig und allein gegen diesen Standort.“ Er selbst hätte eine viel bessere Lösung am Sportplatz parat gehabt. Aber die Gemeinde sei nicht einmal gekommen, um es sich anzuschauen. „Die Gemeinde kommt nur, wenn wir spenden sollen, dann wissen sie, wo wir wohnen“, ärgert er sich. Früher habe er viel und gerne für soziale Zwecke gespendet. „Aber das ist jetzt vorbei. Wir wollen mit der Gemeinde nichts mehr zu tun haben.“ Der 76-Jährige hat bereits eine fast zwei Meter hohe Hecke um sein Grundstück gezogen. Wenn die Flüchtlinge kommen, will er wegziehen – in eine andere Ecke von Chieming.

Sebastian A.: Vorwürfe aus der Luft gegriffen

Bauherr Sebastian A. hält die Vorwürfe von E. für aus der Luft gegriffen. Dessen Argument laute lediglich: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge. Aber nicht vor meiner Haustür.“ Das Verwaltungsgericht machte am Dienstag deutlich, dass die Genehmigung in Ordnung geht. Rechtlich spricht nichts gegen die Unterkunft. „Das Baurecht betreibt keinen Milieuschutz“, betonte die Vorsitzende Richterin Andrea Breit.

Rubriklistenbild: © dpa

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