Nach DNA-Analyse neue Details

Der Fall Peggy: Was wir wissen, was wir nicht wissen

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Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet, um den Fall Peggy aufzuklären.

Gera/Lichtenberg - 15 Jahre nach dem Verschwinden von Peggy wurden ihre Knochen gefunden. Eine Sonderkommission ermittelt in dem Fall, der viele Fragen aufwirft. Ein Überblick.

Peggy Knobloch verschwand am 7. Mai 2001 in Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule. Trotz einer eingesetzten Ermittlungsgruppe der Polizei und einer großangelegten Suchaktion wurde das damals neunjährige Mädchen jahrelang nicht gefunden.

Ein Pilzsammler hat nun am Wochenende in einem Waldstück bei Rodacherbrunn (Thüringen), 15 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt, Skelettteile gefunden. Diese stammen von Peggy, wie die Staatsanwaltschaft Gera nach einer DNA-Analyse bestätigt. 

Die aktuelle Entwicklung fassen wir in einem News-Blog zusammen.

Weiterhin sind in diesem Fall viele Fragen offen. 

DAS WISSEN WIR ÜBER DEN FALL PEGGY

Fundort der Knochen

- Die gefundenen Knochen können trotz des langen Zeitraums Peggy zugeordnet werden. Auch wenn sie möglicherweise durch Umwelteinflüsse schwer geschädigt sind: "Die Knochen sind als Hartgewebe ideal geeignet, um auch bei längerer Liegezeit noch ein DNA-Profil feststellen zu lassen", sagt Carsten Hohoff, Vize-Direktor des Instituts für forensische Genetik in Münster.

- Neben den Knochen wurden auch Gegenstände gefunden, die offenbar zu Peggy passen. Um welche Gegenstände es sich genau handelt, wollte die Polizei bisher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen. Ob es sich unter anderem um eine Uhr des Mädchens handelt, wurde bislang nicht bestätigt.

- DieSonderkommission Peggy wurde eingerichtet und soll nun "die zahlreichen Spuren und sich daraus ergebende Vernehmungen" auswerten, wie die bayerische Polizei mitteilt. Damit wurde die bereits seit 2012 tätige Ermittlungsgruppe aufgestockt - nun sind 30 Ermittler im Einsatz.

- Mit dem Fall beschäftigen sich auch Bürgerinitiativen und Buchautoren. Die Bürgerinitiative „Gerechtigkeit für Ulvi“ setzt sich für den Verdächtigten und Verurteilten Ulvi K. ein, der wieder freigesprochen wurde. In ihren Büchern "Peggy - Die Geschichte eines Skandals" (Ina Jung und Christoph Lemmer) oder "Totsein verjährt nicht" (Friedrich Ani) thematisieren Buchautoren den Fall. 

- Aus dem Ablauf des 7. Mai 2001 ergeben sich nur wenige Hinweise. In der Schule gab es am Tag des Verschwindens von Peggy wohl keine Auffälligkeiten. Morgens kaufte sie sich in einem Lebensmittelgeschäft ein Frühstück. Nach Schulende half sie dem Hausmeister zusammen mit einer Freundin beim Leeren der Papierkörbe. 

- Peggy lebte in einem problematischen Umfeld. In diesem soll es mehrere Pädophile gegeben haben. Holger E. wurde zwischenzeitlich zum Hauptverdächtigen, nachdem er zugab, seine Nichte - eine Freundin Peggys - in Lichtenberg sexuell missbraucht zu haben. Personen aus Peggys Umfeld standen immer wieder unter Tatverdacht. 

- 480 Spuren ging die Polizei nach, 180 Zeugen wurden verhört. Doch trotz mehrerer Verdächtigen konnte kein Täter ermittelt werden. Unter anderem stand ein Mann aus Sachsen-Anhalt, ein Freund der Familie, im Verdacht. Er befindet sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter im Gefängnis. Er stand ebenso wie sein Halbbruder im Verdacht - es konnte allerdings nichts nachgewiesen werden. 

- Ulvi K. ist nicht der Täter. Der geistig behinderte Lichtenberger geriet nach Peggys Verschwinden schnell ins Visier der Ermittler. Im August 2001 gestand er, sich an Peggy und weiteren Kindern vergangen zu haben, im April 2004 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. 2010 widerrief ein wichtiger Belastungszeuge seine Aussage, im Mai 2014 wurde K. freigesprochen. Seit März 2015 ist er aus der Psychatrie entlassen. 

DAS WISSEN WIR NICHT ÜBER DEN FALL PEGGY

- Wann ist Peggy genau verschwunden? Über den Tag, den 7. Mai 2001, herrscht zwar Klarheit. Über die genaue Uhrzeit allerdings ist sich die Polizei im Unklaren, es liegen verschiedene Zeugenhinweise vor. So gingen Ermittler anfangs von einem Zeitraum zwischen 13 und 14 Uhr aus. Zeugen sollen Peggy aber am Nachmittag und sogar noch um 19 Uhr in Lichtenberg gesehen haben. 

- Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass Peggy einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Doch offiziell gibt es noch keine Informationen zur Todesursache. Allerdings sprachen die Ermittler am Montag von einem möglichen „Tatort“ - es scheint also viel gegen einen natürlichen Tod zu sprechen.

- Wo der Tatort liegt, ist unklar. Die Ermittler gehen jedenfalls davon aus, dass der Fundort (Waldstück in Thüringen) nicht auch der Tatort ist, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. 

- Die Suche nach Tatverdächtigen beginnt offenbar von Neuem. Bisherige Personen, gegen die die Polizei ermittelte, scheinen außen vor. Etwa wurde Ulvi K. freigesprochen. Bei weiteren Verdächtigen ließen sich keine ausreichend belastenden Beweise finden. In einem Fall ließ die Polizei sogar Teile eines Gartens ausgraben, weil der Besitzer unter Verdacht stand - der bestätigte sich dann nicht.

ser/dpa

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