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Opfer berichtet von brutalem Polizeieinsatz bei Rosenheim

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Rosenheim - Warum ging da keiner dazwischen? Ein Polizeieinsatz, der im November 2010 bei Rosenheim stattgefunden hatte, lief völlig aus dem Ruder.

Offenbar grundlos schlugen nach Informationen des Süddeutschen Zeitung Zivil- und Streifenpolizisten auf zwei Ehepaare ein. Alle vier mussten sich im Krankenhaus behandeln lassen, gegen sie wurde nun sogar auch noch Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erhoben.

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„Gemüter beruhigt“: Im Pressebericht der Polizei steht nichts von den Verletzungen der Bewohner

Der gepeinigte Josef E. (66) bestätigte der tz den Bericht. Der Pensionär, der früher selbst 26 Jahre lang bei der Polizei war, erzählte zuvor in der SZ, wie es zu dem Vorfall an jenem 15. November kam: Er und seine Ehefrau Aloisia (62) besitzen ein Mehrparteienhaus, sie wohnen im zweiten Stock, Tochter Sandra mit ihrem Ehemann Toni und dem dreijährigen Sohn im Erdgeschoss. Zwei Zivilpolizisten tauchten auf. Sie sollten einen Mann, der hier gemeldet war, zu einer Untersuchung vorführen. Die Polizisten läuteten das Haus durch, da der Name des Mannes nicht auf dem Klingelschild zu finden war. Schließlich standen sie auch vor der Tür von Sandra B. „Die sind ganz dicht aufgerückt. Ich hätte nie gedacht, dass die von der Polizei sind, so aggressiv, wie die aufgetreten sind“, sagte Sandra B. der SZ. Sie berichtete den beiden, was sie wusste: dass nämlich der Gesuchte ausgezogen sei. Die Gesetzesvertreter sollen daraufhin die Frau angeherrscht haben. „Ich wüsste wohl mehr, als ich zugeben wolle, das könne schlimm für mich ausgehen, und ich sollte mich ausweisen.“

Die Frau wollte aber zunächst die Dienstausweise sehen, musste dabei laut ihrer Angaben deswegen mehrmals nachhaken. Sie drehte sich nun um, um ihren Ausweis zu holen, einer der Polizisten stellte dabei seinen Fuß in die Tür, und im selben Augenblick stürmten laut SZ drei uniformierte Polizisten in den Flur vor der Tür. Sandras Ehemann Toni B. kam nun hinzu, er hatte gehört, wie seine Frau angeschrien worden war.

Als Toni B. den Polizisten aufforderte, den Fuß aus der Tür zu nehmen, eskalierte die Situation. „Da packt mich der eine am Hals, und der andere gibt mir einen Schwinger in den Magen.“ Nun kam Sandra wieder, mit dem Ausweis. Sie sah, wie ihr Mann zusammengeschlagen wurde und schrie, wollte zudem die Namen der Angreifer aufschreiben. „Da zieht mich der eine Zivile in den Flur und dann haben sie mich links und rechts festgehalten. Zu viert standen sie um mich rum und einer nach dem anderen hat zugeschlagen.“ Dann wird die Frau zu Boden gerungen, ihr Mann befand sich im Schwitzkasten des zweiten Zivilen.

Jetzt trafen Josef und Aloisia E. ein. Eine Polizist brüllte Josef an, er solle verschwinden. Doch der blieb und wurde in den Schwitzkasten genommen: „Dann ist mir der Kopf explodiert, der Mann muss mich wohl mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben.“ Der Pensionär wurde ohnmächtig. Nachdem er wieder zu sich kam, ging die Quälerei weiter. „Da habe ich mit dem Leben abgeschlossen, so weh hat das getan.“ Fünf weitere Polizisten betraten den Flur – zehn Beamte für zwei Ehepaare.

Aloisia E. holte auf Zuruf ihres Mannes eine Kamera und fotografierte. Bilder zeigen hinterher, wie Polizisten brutal auf Josef E. knien, wie der Schwiegersohn an die Wand gedrückt wird. Einer der Uniformierten riss der Frau die Kamera weg, löschte die Fotos, die später aber wieder hergestellt wurden. Ein anderer warf die 62-Jährige auf den Boden, eine blonde Polizistin „schlägt mich in die Nieren. Dann weiß ich nichts mehr“, so Aloisia E. zur SZ.

Schließlich traf ein Krankenwagen ein. In der Ambulanz wurden viele Verletzungen bei den vier Personen festgestellt, Schürfwunden, Verstauchungen, Prellungen, Bauchtraumata. Die Staatsanwaltschaft Traunstein stellte aber Ermittlungen gegen die Polizisten ein, klagte dafür die Ehepaare an. Die Geschlagenen leiden heute noch unter den Vorkommnissen. Josef E., dem pensionierten Polizisten, „zieht’s alles zusammen, wenn ich einen Polizisten sehe“. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim äußerte sich gestern nicht zu den Vorwürfen.

MC

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