Weiter Ärger um Ausbau

Sudelfeld: Grüne schockiert über Beschneiungspläne

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Hier wird gebaggert: Bauleiter Hauser Bacher (3.v.l.) erklärt der Grünen Wandergruppe um die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (4.v.l) die Arbeiten am Speicherteich an der Walleralm auf dem Sudelfeld.

Bayrischzell - Die Bauarbeiten auf dem Sudelfeld bleiben ein Brennpunkt. Jetzt hat sich auch die Landtagsfraktion der Grünen vor Ort ein Bild vom geplanten Speichersee gemacht.

Behutsam trägt ein Bagger Grasnarbe um Grasnarbe ab. „Wir versuchen, das Ganze so schonend wie möglich durchzuführen“, sagt Bauleiter Hauser Bacher von der österreichischen Firma Stöckl. Das Ganze, das ist der Bau des Speicherteichs an der Walleralm für die Beschneiung auf dem Sudelfeld. An diesem Freitagmittag stehen die Arbeiten unter besonderer Beobachtung. Die Landtagsfraktion der Grünen hat zum Ortstermin geladen.

Eine etwa 20-köpfige Gruppe ist von Bayrischzell aus zur Baustelle gewandert. Auch Vertreter von Deutschem Alpenverein (DAV) und Bund Naturschutz (BN), deren Eilantrag auf Baustopp das Bayerische Verwaltungsgericht am Mittwoch abgelehnt hat, sind dabei. „Ich bin nach wie vor geschockt“, sagt Grünen-Kreisrat Roland Klebe. Seinen Parteifreunden geht es nicht anders. Zu groß sind ihnen die Erdarbeiten, zu folgenreich der Eingriff in die Natur. „Das ist ein gewaltiger Umweltvandalismus“, schreit Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, gegen den Lärm des vorbeiwalzenden Muldenkippers an.

Auf der Speckalm – in gebührendem Abstand zum Baulärm – spitzen die Grünen ihre Kritik nochmals zu. „Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist für mich ein rein politisches“, schimpft die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm. „Hier wurden wirtschaftliche Interessen zur Rechtfertigung eines massiven Eingriffs in eine intakte Landschaft herangezogen.“ Der größte Skandal sei aber, dass für das Projekt Fördergelder in Höhe von 35 Prozent der Bausumme fließen sollen.

Indes kündigt der Bund Naturschutz bereits den nächsten Schritt gegen die Modernisierung des Sudelfelds an: „Ja, wir werden beim Verwaltungsgerichtshof Beschwerde einlegen“, sagt Christian Hierneis, Mitglied im Landesvorstand des BN. „Auch wir beraten gerade über das weitere Vorgehen“, bestätigt Manfred Scheuermann vom DAV. Die Hinweise der am Projekt Beteiligten, man werde den Speichersee in den sanften Sommertourismus – etwa durch das Anlegen eines Wanderwegs am Wasser – einbinden, verhallen an diesem Tag auf dem Sudelfeld.

Harald Gmeiner, Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), der ebenfalls zur Baustelle gekommen ist, zuckt mit den Schultern. „So sehr wir es versuchen – wir können nicht alle überzeugen.“ Für Bayrischzell sei der Naturraum am Sudelfeld eben auch ein Wirtschaftsraum. Robert Salzl, Präsident des Verein Tourismus Oberbayern München (TOM), pflichtet Gmeiner in einer Pressemitteilung bei: „Ein berechenbarer, durchgehender Winterbetrieb ist ein wichtiger Faktor zum nachhaltigen Ausbau des Tourismus in Oberbayern.“ Die damit verbundenen Einnahmen würden Investitionen ermöglichen, Arbeitsplätze schaffen und könnten letztlich wieder in den Natur- und Klimaschutz eingebracht werden.

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