Mädchen aus Lichtenberg ist tot

Warum die Eltern ihre Peggy nicht beerdigen können

Lichtenberg - Peggy Knobloch ist tot. In der vergangenen Woche entdeckte ein Pilzsammler ein Teil ihres Skeletts. Doch viele Fragen zu dem Fall sind noch offen - und die Eltern dürfen ihr Kind noch nicht beerdigen.

Update vom 13. Oktober 2016: An den sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Nur dass Peggy Knobloch tot ist, daran besteht kein Zweifel mehr. Doch sonst wirft die Fundstelle der Knochen bei Rodacherbrunn im Moment mehr Fragen auf als sie Antworten gibt. Was der 43-jährige Schwammerlsucher am Samstag vor einer Woche fand, war nur ein Teil des Skeletts der vor 15 Jahren verschwundenen Schülerin Peggy aus Lichtenberg. „Es fehlen zudem Kleidungsstücke, auch vom Schulranzen fehlt jede Spur“, teilte Bayreuths Kripo-Chef Uwe Ebner am Dienstag mit. Dennoch bieten das Leichenversteck und die dort gefundenen Gegenstände anderthalb Kilometer hinter der Grenze zu Thüringen jede Menge Ermittlungsansätze. „Es liegt nahe, dass der Täter gute Ortskenntnisse hatte“, sagte Bayreuths Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel.

Auch wenn die Obduktion bisher noch keinen konkreten Todeszeitpunkt und keine -ursache ergeben hat, richtet sich der Fokus der Ermittler auf den Tag von Peggys Verschwinden. „Jeder erinnert sich an die Zeit, als das Mädchen 2001 verschwand“, sagte Ebner, der auch die 30-köpfige Soko Peggy leitet. „Möglicherweise bewertet jemand durch den Fund des Skeletts nun eine Beobachtung von damals aus diesem Waldstück neu.“ Von Interesse sind vor allem rund um den 7. Mai 2001 zwischen Nordhalben und Rodacherbrunn wahrgenommene Personen oder Fahrzeuge. Ebner: „Wer kennt Personen, die Ortsbezüge dorthin haben? Wer hat sich in dem Waldstück zu sportlicher Betätigung, Spaziergängen oder Pilzesammeln aufgehalten, wer hat Waldarbeiten gemacht?“ Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, sind 30.000 Euro ausgesetzt (Rufnummer 09 21/5 06 14 14).

Kriminaloberrat Ebner kündigte an, die neue Informationen mit den bestehenden Akten abzugleichen. Allerdings werde man Tathypothesen kritisch hinterfragen, so Oberstaatsanwalt Potzel. So soll ein erneutes Ermittlungs-Desaster wie Im Jahr 2002 vermieden werden, als sich die zweite Soko vorschnell auf einen Behinderten als Täter festlegte. Eine Hoffnung zerschlug sich am Dienstag: An eine Beisetzung der sterblichen Überreste ist aufgrund weiterer Untersuchungen in der Rechtsmedizin vorerst nicht zu denken.

Alle Entwicklungen im Fall Peggy Knobloch erfahren Sie in unserem News-Blog.

tz

Rubriklistenbild: © dpa (Archivbild)

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