Bestialische Zustände in indischen Schlachthöfen

Grausige Lederherstellung: Peta prangert bayerische Schuhfirma an

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Nicht heilig, sondern abgemagert, ausgezehrt: Kühe werden in Indien bestialisch geschlachtet. 

Neu-Delhi/Rosenheim - Die Tierschutzorganisation PETA berichtet von bestialischen Zuständen in indischen Schlachthöfen, die auch Tierhäute für Schuhe liefern. Eine bayerische Firma steht am Pranger. 

Wenn es um Geld geht, ist leider nichts heilig, selbst die Kuh in Indien nicht. Viele Inder pfeifen offenbar auf die Gesetze, stehlen Rinder auf offener Straße und töten sie auf bestialische Weise - nicht zuletzt damit wir in Deutschland echte Lederschuhe günstig kaufen können. Das berichtet die Tierschutzorganisation Peta. 

Die Tortur beginnt bereits auf den Märkten, wo laut Peta Kühe und viel zu junge Kälber verkauft werden. Wie die Tierschutzorganisation auf ihrer Internetseite schreibt, wird den Tieren literweise Wasser eingeflößt, damit ihre ausgezehrten Körper schön prall wirken. Mehr Tier bringt mehr Geld. Zum Schlachthof geht es in völlig überfüllten Lastwägen, die Rindviecher fallen übereinander, verletzen sich gegenseitig mit den Hörnern.

Richtig brutal wird es dann offenbar auf ihrem letzten Weg in die Schlachthalle. Wenn die Tiere völlig entkräftet zusammenbrechen, wird ihnen Chilli in die Augen gerieben, damit sie aufschrecken und weiterlaufen, manchen wird sogar der Schwanz gebrochen. Vor den Augen der Artgenossen schlitzen die Schlachter ihnen die Kehlen auf - bei vielen versagt die Betäubung, sie sind bei vollem Bewusstsein. Blutige Bilder aus indischen Schlachthöfen, die von einer weiteren Tierschutzorganisation, mit der Peta zusammenarbeitet, veröffentlicht wurden, sollen die Qualen deutlich belegen. 

Das Fleisch wird verkauft, Tierhäute gehen an Gerbereien, um Leder herzustellen. Und da kommen wir ins Spiel.

Gabor steht stellvertretend für alle Leder-Importeure am Pranger

2015 hat Deutschland laut Peta 14.800 Tonnen Lederschuhe im Wert von rund 300 Millionen Euro aus Indien importiert. Auf der Internetseite der Tierschutzorganisation werden nicht nur die Misstände in den Schlachthöfen beschrieben, sondern es wird auch ein Unternehmen in dieser Sache konkret an den Pranger gestellt: der bayerische Schuhhersteller Gabor mit Sitz in Rosenheim.

"Tierschutz statt Leder": Die Aktivisten forden Gabor zum Umstieg auf vegane Schuhe auf und haben auf ihrer Seite eine Petition gestartet, die jeder unterschreiben kann. Zehntausende Unterschriften sind schon zusammengekommen. Laut Huffington Post hat Peta das Unternehmen bereits im April über die Missstände informiert.

Auf Anfrage unserer Onlineredaktion sagt Gabor-Sprecher Markus Reheis ganz klar: "Wir beauftragen und besitzen keine Schlachtbetriebe, wir sind ein Schuhhersteller." Gabor arbeite mit den Gerbereien zusammen, nicht mit den Schlachtern. Die Darstellung von Peta sei "unehrlich, irreführend und zutiefst rufschädigend". 

Gabor stelle zudem in Indien keine ganzen Schuhe her, sondern lediglich Schuh-Komponenten. Das meiste Leder stamme aus Italien. Außerdem würde kein Tier in Indien allein für Gabor sterben. Das Leder stamme aus den Abfallprodukten der Schlachterei. 

Gabor: "Hier geht es nicht um Profitgier, sondern ums Überleben"

Peta argumentiert allerdings auch: Die Gerbereien in Indien hätten keine systematische Kontrolle über die Herkunft aller Rohhäute. Auch Garbor-Sprecher Reheis kann auf Anfrage nicht ausschließen, dass Leder für Gabor-Schuhe verwendet wurde, das unter bestialischen Bedingungen für die Tiere gewonnen wurde. Man habe zwar Kontrolleure vor Ort, 12 an der Zahl, die  die "sehr strengen Gabor-Maßgaben" in Sachen Arbeits- und Tierschutz überwachen. Aber: "Wir können nicht jeden Schlachthof auf der Welt kontrollieren", erklärt Reheis.  

Genauso wenig könne man, wie von den Tierschützern in der Petition gefordert, derzeit, wo es noch keinen adäquaten künstlichen Ersatz gibt, ganz auf das Leder aus Indien verzichten. Gründe seien Kosten und Wettbewerbsdruck. Auf dem hart umkämpften Schuhmarkt in Deutschland koste ein Damenschuh im Schnitt 36 Euro. Gabor verkaufe Schuhe, die jetzt schon durchschnittlich fast dreimal so teuer sind. Ohne das Material aus Indien könne man gewisse Modelle nicht mehr herstellen. Gabor-Sprecher Reheis betont: "Es geht hier nicht um Profitgier, sondern ums Überleben." 

Auch Peta nennt Zahlen: Demnach kostete 2012 ein ganzer Schuh, der aus Asien importiert wurde, im Einkauf durchschnittlich 17 Euro. 

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