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Potz Blitz! Wo es in Bayern am meisten scheppert

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Ein faszinierendes Naturspektakel: Blitze.

München - Blitze werden bis zu 30.000 Grad heiß, und es gibt in Deutschland im Jahr über zwei Millionen. Eine bayerische Stadt ist gerade deutscher Blitz-Meister geworden.

Hier blitzte es 2015 am meisten: In dieser Liste finden Sie die deutschen Spitzenreiter auf den Plätzen 1 bis 10, sowie ausgewählte bayerische Orte.

So ganz haben die Menschen dem Blitzableiter hierzulande auch Jahre, nachdem ihn Benjamin Franklin Mitte des 18. Jahrhunderts erfunden hat, nicht getraut. Zur Abwehr von Gewittern wurden vielerorts geweihte Glocken eingesetzt. Das ist, wie wenn man Mücken höflich bittet, heute mal nicht zu stechen, aber egal: Es beruhigte die Seele. Es beruhigte die Menschen. Durch den Schall sollten „Hagelschauer und Wetterunbill vertrieben, des Donners drohendes Rollen gemäßigt, der Stürme Brausen heilsam gezügelt und der Lüfte feindliche Gewalten darniedergehalten“ werden, heißt es in alten Weihegebeten. Auch Satan höchstpersönlich wurde dabei beschworen. Jahrhundertelang wurde in katholischen Kirchen während der Sommermonate am Ende jeder Messe der Wettersegen gebetet: „Vor Blitz, Hagel und Ungewitter – bewahre uns, Herr Jesus Christ.“

So funktioniert BLIDS

Ein hübsches Sprüchlein, das sie in Schweinfurt anscheinend zuletzt gar nicht mehr aufgesagt haben – denn die Stadt in Unterfranken wurde gerade überraschend zum deutschen Blitz-Meister gekürt. Nirgends schepperte es häufiger. 2015 registrierte der Blitz-Informationsdienst der Firma Siemens (BLIDS) insgesamt rund 550 000 Blitzeinschläge in Deutschland – 162 Einschläge davon waren letztes Jahr in Schweinfurt. Gemessen an ihrer Fläche hat die Stadt damit die meisten Blitze in der Republik (siehe Grafik rechts), der Landkreis Garmisch-Partenkirchen landete auf Platz drei der Blitz-Tabelle. „Mit Stolz tragen wir den Titel und sehen diese Auszeichnung als donnernden Applaus von oben“, teilte der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) sogleich mit. In Unterfranken werden Titel noch mit der nötigen Ehrfurcht und Freude entgegengenommen – und sei es auch nur der Titel des Blitz-Meisters 2015. Die wenigsten Blitze wurden in Kiel und im Landkreis Plön registriert. „Im Jahr 2015 gab es in Deutschland auffallend wenige Gewitter“, sagt Stephan Thern, Leiter des BLIDS. Es seien nur halb so viele Blitzeinschläge registriert worden wie etwa im unwetterstarken 2007, in dem es rund 1,1 Millionen waren.

Im Langzeitvergleich von 1999 bis 2015 liegen der Kreis Garmisch-Partenkirchen mit durchschnittlich 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer und das Berchtesgadener Land mit 4 an der Spitze. Tendenziell gibt es in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg besonders viele Einschläge, während in Schleswig-Holstein eher wenige zu verzeichnen sind. Das hängt von den Temperaturen und der Großwetterlage ab. Und natürlich, ob Thor und Zeus gerade in der Gegend sind. In der germanischen Mythologie war Thor der Gott des Donners. Bei seinen Fahrten durch die Wolken wirft er einen steinernen Hammer, mit dem er den Donner erzeugt. Dabei schleudern seine Augen Blitze. Zeus hingegen schmettert Blitze vom Olymp herab. Das mit Zeus und Thor ist natürlich Schmarrn, die beiden sind längst in Rente. Hier lesen Sie alles, was Sie wirklich zu Blitzen wissen müssen:

Wie oft blitzt es in Deutschland?

In Deutschland blitzt es jedes Jahr mehr als zwei Millionen Mal – meist in den Wolken, seltener zwischen Himmel und Erde. Viele Blitze schlagen gar nicht erst in den Boden ein – aber wenn, wird es lebensgefährlich, besonders im Freien. Denn von der Einschlagsstelle breitet sich Strom in alle Richtungen aus. Die größte Gefahr droht, wenn man direkt vom Blitz getroffen wird.

Was passiert dann?

Die Spannung am Körper steigt auf mehrere 100 000 Volt an. Es kommt zu Verbrennungen sowie Nerven- und Muskellähmungen. Zudem wirkt der Strom direkt aufs Herz. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, in denen Menschen das überleben. Spätfolgen wie chronische Schmerzen und Bluthochdruck können aber noch Jahre später auftreten.

Wie kommt es zum Gewitter und zum Blitz?

Gewitter entstehen, wenn an schwülen Tagen warme, feuchte Luftmassen aufsteigen und dabei abkühlen (siehe Grafik unten). Es bilden sich Wassertropfen und Eiskristalle. In der Gewitterwolke reichern sich im oberen Teil positiv geladene Eiskristalle an. An der Wolkenunterseite gibt es mehr negativ geladene Wassertropfen. Überschreitet die daraus resultierende Spannung eine bestimmte Schwelle, kommt es zu einem gigantischen Kurzschluss. Der Blitz entlädt sich innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden. Die höchste Blitzdichte des Planeten herrscht im tropischen Zentralafrika.

Wie kann man sich schützen?

Gewitter übersteht man am besten im Auto oder in festen Gebäuden. Wer im Freien überrascht wird, sollte Bäume, Masten, Zäune oder Gewässer meiden und sich möglichst klein machen – am besten hockend in einer Bodenmulde. In Gebäuden ohne speziellen Blitzschutz sollte man alle Stecker ziehen, den Kontakt mit allen Leitungen aus Metall meiden und nicht duschen oder baden – auch Wasserrohre leiten die Spannung. Der Spruch „Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“ ist übrigens Quatsch. Blitze schlagen in alle Baumarten ein.

Wie steht es mit Blitzen im laufenden Jahr?

„Wahrscheinlich kommt es zu höheren Zahlen“, vermutet der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, Andreas Friedrich. In diesem Sommer überwiegen bisher unwetterträchtige Wetterlagen. Der Klimawandel führe einerseits wegen höherer Temperaturen dazu, dass Unwetter heftiger werden, sagt Friedrich. Aber es drohen auch längere Hitzeperioden mit Trockenheit, in denen die Voraussetzungen für Gewitter fehlen. Kurz gesagt: Auch bei Blitzen ist die Welt kompliziert geworden.

Von Stefan Sessler, Christoph Arens und Sönke Möhl

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