Feuer verursacht Millionenschaden

Schreinerei brennt nieder: Zwei Männer verletzt

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Verheerender Brand: Die Schreinerei in Prem war nicht mehr zu retten

Prem - Ein verheerender Brand hat in Prem am Montagabend einen Millionenschaden angerichtet. Die Produktionshalle einer Landhausdielen-Manufaktur ist mitsamt Lager komplett abgebrannt, zwei Männer wurden verletzt.

Ludwig Sieber sitzt am Montagabend gegen 19.10 Uhr noch im Büro, als plötzlich einer seiner Mitarbeiter angelaufen kommt. „Er hat geschrieen ,Es brennt, es brennt‘“, berichtet der Schreinermeister und Mitinhaber der Premer Landhausdielen-Manufaktur Sieber & Haslach. Sieber schnappt sich sofort einen Feuerlöscher, läuft in die im selben Gebäude untergebrachte Produktionshalle – und weiß in diesem Moment: „Es ist schon zu spät.“ Die Flammen haben sich so weit ausgebreitet, dass ein Löschen unmöglich ist. Er und seine Mitarbeiter bringen noch die Fahrzeuge in Sicherheit sowie einige gefährliche Stoffe, mehr können sie nicht tun. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell sich das Feuer ausgebreitet hat“, sagt Sieber fassungslos.

Ähnlich ergeht es Tobias Hipp. Der Eigentümer der Werkzeug-, Maschinen- und Befestigungsfirma „Hipptools“ hat nur rund 20 Meter entfernt seine Firmenzentrale mitsamt großem Lager und Verkaufsräumen. Auch er sitzt gegen 19.15 Uhr noch im Büro, als es bei ihm an die Scheibe klopft: Mitarbeiter der Schreinerei rufen ihm zu, er müsse sofort raus aus dem Haus. „Als ich nach draußen bin und um die Ecke geschaut habe, schlugen schon die Flammen aus dem Dach der Produktionshalle“, sagt Hipp. Er rettet sein Auto vor den drohenden Flammen, bringt noch wichtige Aktenordner in Sicherheit – dann kann auch er nur noch warten, bis die alarmierte Feuerwehr eintrifft.

Die ist schnell da, aber erst einmal machtlos. „Die Halle stand bereits im Vollbrand“, sagt Prems Kommandant Hugo Kleber, so wird es auch an die Leitstelle weitergegeben. Die löst Großalarm aus, 180 Feuerwehrler aus Prem, Steingaden, Urspring, Peiting, Schongau und Lechbruck sind bald vor Ort, auch der Katastrophenschutz. Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer, der kurze Zeit später eintrifft und die Einsatzleitung übernimmt, sieht schnell, dass die lichterloh brennende Halle nicht zu retten ist. „Außerdem muss man bei so einem Großbrand eine Struktur aufbauen, weil ich mich nicht um alles kümmern kann“, so Fernsemmer. Er teilt die Feuerwehrler in zwei Abschnitte Nord und Süd, ein die unter der Leitung von Kreisbrandmeister Manfred Baum bzw. Peitings Feuerwehrkommandant Rudolf Schropp eigenständig das Flammenmeer von beiden Seiten in die Zange nehmen. Trotz aller Widrigkeiten: Die Wasserversorgung ist gut über Hydranten und zwei Bäche, die das Wasser zum Teil über mehrere hundert Metern herüberleiten.

Der Kampf gilt jetzt vor allem dem Betrieb von Hipp, der am hinteren Ende Feuer gefangen hat. Doch da gibt es gleich mehrere Probleme: In dem massiven Blechdach gibt es keine Öffnung, um ordentlich löschen zu können. Gleichzeitig müssen die Gasflaschen im Lager außerhalb des Gebäudes massiv gekühlt werden, damit sie nicht in die Luft fliegen. „Es gab sowieso immer wieder Explosionen durch kleinere Spraydosen und Gasflaschen“, sagt Prems Kommandant Kleber.

Mit einem massiven Löschangriff können die Gasflaschen schließlich in Sicherheit gebracht werden, was auch Betriebsbesitzer Hipp Respekt abnötigt: „Gott sei Dank ist da nichts passiert. Ich habe mich selber gewundert, wie die Feuerwehr das geschafft hat.“ Laut Kleber sind mehrere Flaschen Acetylen so erhitzt, dass sie kurzerhand bis zum nächsten Tag in den Bach zum Kühlen gelegt werden. Überhaupt lagern in den beiden Gebäuden laut Fernsemmer viele Brennstoffe wie Diesel sowie Laugen und ähnliche Gefahrenstoffe.

Die Rettung des Gebäudes von Hipp dagegen klappt nicht. „Wir wollten den Verkaufsraum und die Büros erhalten“, so Fernsemmer. Zwar schafft es ein extra herbeigeorderter Bagger, das Dach des hinteren Lagerteils herunterzuziehen. Feuerwehrler mit schwerem Atemschutz kämpfen sich danach ins Innere, müssen sich aber bald wieder zurückziehen, weil der Durchzug wie ein Flammenwerfer wirkt. Zwar sind die Büroräume unversehrt, aber Fernsemmer wertet es nicht zuletzt wegen des Wasserschadens als Totalschaden. Von der Produktionshalle der Landhausdielen-Manufaktur ganz zu schweigen.

Großbrand in Schreinerei in Prem

Großbrand in Schreinerei in Prem

Doch wie ist der Brand dort überhaupt ausgebrochen? Laut eines Weilheimer Kripo-Sprechers haben Mitarbeiter eine rund 80 Zentimeter große Metallbürste gereinigt, die bei der Dielen-Produktion oft mit Ölen in Kontakt kommt. „Diese Bürste wurde in ein Reinigungsbad mit Waschbenzin gelegt“, so der Kripo-Sprecher. Aus noch ungeklärten Gründen hat sich das „verpuffungsartig“ entzündet und sich so schnell ausgebreitet, dass die Löschversuche der Mitarbeiter fehlgeschlagen sind. Drei 21 und 22 Jahre alte Männer mussten mit leichten Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden. Auch das Wasserwirtschaftsamt war vor Ort und kontrollierte die von der Feuerwehr installierten Ölsperren im Bach. „Das Löschwasser war durch die vielen Chemikalien kontaminiert“, so Fernsemmer.

Noch am Abend übernahmen Beamte des Weilheimer Kriminaldauerdienstes die ersten Ermittlungen vor Ort. Allerdings kann der Brandort noch nicht betreten werden, denn die Nachlöscharbeiten dauerten bis Dienstagnachmittag. „Die eingestürzten Blechdächer müssen angehoben werden, damit wir darunter Glutherde ablöschen können“, so Kleber. Den Schaden schätzt die Polizei auf mehrere Millionen Euro. Wie es weitergeht, wissen Sieber und Hipp noch nicht, auf sie warten viele Gespräche mit Versicherungen. Hipp hat die Geschäfte vorübergehend in die Filiale nach Lechbruck verlegt und ist noch immer fassungslos. „Es ist der Wahnsinn, was da passiert ist“, sagt er kopfschüttelnd.

bo

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