Bierzeltdeko eines Vereins

Rassismus? Bild von dunkelhäutigem Mann sorgt für Zoff in  Bierzelt

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Das Bild vom Lederhosenträger entstand vor 20 Jahren. Es ist Teil einer Plane, die in Eiselfing als Bierzeltdeko eingesetzt wurde.

Eiselfing - Der TSV Eiselfing sieht sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Grund ist ein Bild, das bereits vor 20 Jahren entstand und Teil der Bierzeltdeko ist.

Es ist nur ein Aufdruck auf einer Dekoplane, die an eine Wirtshauswand erinnert und mit der das Hofbräuhaus Traunstein Bierzelte schmückt. Doch der Aufdruck, das Bild eines lachenden dunkelhäutigen Mannes, der sich - warum auch immer - eine Mass Dunkles in die Lederhose gesteckt hat, sorgt für mächtig Aufregung. Auch, weil drunter der Spruch steht: "A Preiß kon nie a Bayer werdn, a Neger aber scho". Seit Jahren hat die Brauerei die Plane zigmal eingesetzt, nie ist das Bild negativ aufgefallen. Dabei kann es durchaus als unglücklich bezeichnet werden. Doch wer schaut schon richtig drauf, wenn vor einem eine Mass steht, die Musik spielt und die Begleitung einen anlächelt?

Das Bild des Anstoßes.

Als der TSV Eiselfing (Kreis Rosenheim) vergangenes Wochenende 50-jähriges Bestehen feierte und den Nachbar- und gleichzeitig Patenverein TSV 1880 Wasserburg einlud, fiel das Motiv zum ersten Mal einem richtig ins Auge - sehr zum Missfallen. Es war der Vorsitzende der Wasserburger Sportler, Dr. Martin Niehues. Der ließ in der Wasserburger Zeitung Dampf ab. "Ich bin zutiefst entsetzt. Wie kann man sich tatsächlich trauen, so etwas aufzuhängen. Ich meine beileibe nicht diese langweiligen, dümmlichen Preußensprüche, sondern diesen zu vermutenden Rassismus, der durch dieses Plakat impliziert wird. Was sollen die dunkelhäutigen Mitbürger denken, die in Eiselfing jeden Morgen als Schülerlotsen die Kinder sicher in die Grundschule leiten, wenn sie so ein Plakat sehen?" Dr. Niehues lebte eine Zeit lang in den USA, stand dabei in Memphis vor dem Lorraine Motel, auf dessen Balkon Martin Luther King erschossen wurde. Auch aus solchen Gründen sagt er: "Das Plakat ist herabwürdigend, respektlos. Es gehört abgeschafft."

TSV Eiselfing wehrt sich gegen Rassistenrolle

Jetzt herrschte richtig Leben in der Bierzeltbude. Der TSV Eiselfing will sich nicht in einer Rassistenrolle sehen, zumal Asylbewerber im Ort zu den Feiern eingeladen waren und auch teilnahmen. Im Raum Wasserburg wird diskutiert: die einen sehen - wie Nie­hues - eine Diskriminierung von Dunkelhäutigen, manche auch die von Zugereisten. Wieder andere halten's mit der Brauerei, die das Motiv lustig findet.

Dabei ist das Bild alles andere als aktuell: Es wurde vor 20 Jahren im damaligen Isarbräu in Großhesselohe aufgenommen. Der Mann - ein Kellner, der sich aus purer Gaudi so in Pose geworfen haben soll. Schon wegen dieser Geschichte sieht das Hofbräuhaus Traunstein keine Veranlassung, das Plakat zu entfernen. Geschäftsführer Josef Schumacher verweist zudem auf künstlerische Freiheit und Werbung mit "oft hintergründigem Augenzwinkern des bayerischen Humors". Falls es doch wegkommen sollte, gibt es das Motiv noch woanders zu sehen. In der Brauerei hängt es auf der Damentoilette. Besucherinnen, so heißt es, hätten sich nie daran gestört …

Regina Mittermair

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