Nationalsozialisten zerstörten Synagoge vor 78 Jahren

Regensburger bauen ihre Synagoge  wieder auf

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Grundsteinlegung für neue Synagoge für Regensburg: Schirmherrin ist die Schauspielerin Adele Neuhauser.

Regensburg - Die jüdische Gemeinde Regensburg ist eine der ältesten und bedeutendsten in Deutschland. Vor 78 Jahren wurde ihr Gotteshaus von den Nationalsozialisten zerstört. Jetzt entsteht an selber Stelle eine neue Synagoge.

In der Regensburger Altstadt haben die Bauarbeiten für eine neue Synagoge begonnen. „Für uns ist das ein historischer Tag“, sagte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Regensburg, Ilse Danziger, am Mittwoch vor rund 200 geladenen Gästen und vielen Zaungästen. Gemeinsam mit Schauspielerin und Schirmherrin Adele Neuhauser sowie Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) wurde der Grundstein des neuen Gotteshauses für mehr als 1000 Gemeindemitglieder gelegt. Der Neubau entsteht an der Stelle, wo die Nationalsozialisten im November 1938 die Synagoge zerstörten, etwa 400 Meter vom Regensburger Dom entfernt.

„Ein Traum wird Realität“, sagte der Gründer und Vorsitzende des Fördervereins Neue Regensburger Synagoge, Dieter Weber, als unter Glockengeläut der umliegenden Kirchen der Grundstein versenkt wurde. Über 300 000 Euro Spendengelder hatte sein Verein nicht-jüdischer Regensburger für den Neubau gesammelt. Er hoffe, dass sich die Synagoge „als Leuchtturm für Toleranz und gegen Rassismus in unsere Köpfe und Herzen einbrennt“, sagte Weber.

Bund und Stadt teilen sich die Baukosten

Der Bund und die Stadt Regensburg teilen sich die Baukosten von fünf Millionen Euro. Für Wolbergs eine Selbstverständlichkeit: Das sei das Mindeste, was man der jüdischen Gemeinde zurückgeben könne. Schließlich seien es Regensburger Bürger gewesen, die in der Pogromnacht 1938 die Synagoge zerstört und die Gemeindemitglieder durch die Stadt gejagt, gedemütigt und in den Tod getrieben hätten. Umso erschreckender sei für ihn die aktuell zunehmende Fremdenfeindlichkeit. „Aber wir haben aus der Geschichte gelernt“, sagte Wolbergs. „Wir stehen zusammen, und wir werden immer ganz besonders auf unsere jüdischen Mitbürger aufpassen. Bei uns sind sie sicher.“

Bis Ende 2018 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Spätestens im Februar 2019 soll das Gotteshaus eingeweiht werden - exakt 500 Jahre nach der ersten Synagogen-Zerstörung auf Regensburger Boden. Zugleich wird für 2,5 Millionen Euro das bisherige Gemeindezentrum saniert.

dpa

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