Verrückt & riskant

Rekordversuche: Die bayerische Welt der Superlative

München - Höher, größer, weiter: Die Bayern haben viele Ideen, um neue Weltrekorde aufzustellen. Einige sind verrückt, andere riskant. Einige scheitern, einige gelingen. Ein Streifzug durch die bayerische Welt der Rekorde.

Den Knödel von Ralf Schönberger hat in Bad Tölz niemand vergessen. Er war 208,7 Kilogramm schwer und sie brauchten einen Kran, um ihn zu heben. Denn es handelte sich um einen Weltrekord-Knödel. 1500 Eier, 70 Liter Milch, 60 Kilo Mehl und 100 Kilo Semmeln waren dafür nötig. Schönberger, Eventmanager, Rekord-Initiator und – wie er selbst sagt – „kreativer Spinner“, hielt damals genau wie viele Zuschauer beim Knödelfest im niederbayerischen Aldersbach die Luft an. Wird es der Tölzer Riesenknödel in den Riesenkochtopf schaffen? Wird es den begehrten Eintrag ins Guinness-Buch geben?

Wie die Arbeit eines Weltrekord-Richters abläuft, hat uns Deutschlands einzige weibliche Rekord-Richterin verraten. Hier gehts zum Artikel.

Der Riesenknödel ist eine von vielen verrückten Ideen, die alles Dagewesene auf der Welt toppen. Tausende haben es schon ins Guinness Buch der Weltrekorde geschafft. Seit 1955 erscheint es jährlich – vor wenigen Tagen zum 61. Mal. Wer aber sind die Menschen hinter den verrückten Ideen?

Ralf Schönberger spukte die Idee von dem Rekordknödel bereits seit 15 Jahren im Kopf herum. Seit der gelernte Koch auf einer Kirchweih im Bayerischen Wald einen Knödel mit 40 Zentimetern Durchmesser formte. Einfach so. Da geht noch mehr, dachte sich der Tölzer damals. Ralf Schönberger ist einer, der öfter mal auf sein Bauchgefühl hört. Als es darum ging, genügend Helfer für sein Vorhaben zu gewinnen, war das für den 44-Jährigen keine große Aufgabe. Ralf Schönberger kann Menschen überzeugen – besonders, wenn es um Rekorde geht.

Zehn Helfer rühren um 4 Uhr morgens Knödelmasse

Ab 4 Uhr morgens standen zehn Helfer beisammen und mischten die Knödelmasse. Drei Stunden später wurde der kulinarische Koloss dann in einem Kessel mit zwei Metern Durchmesser zu Wasser gelassen, zum Garen. Doch dann passierte es: Als der Rekordknödel aus dem riesigen Kochtopf geholt wurde, brach er entzwei. „Uns sind da zwei Fehler unterlaufen“, sagt Schönberger. Der Knödel hätte länger kochen müssen. Außerdem mussten die gut 200 Kilogramm auf dem Weg zum Teller kurz abgesetzt werden. „Da hat er wohl einen Riss bekommen.“ Vorbei war’s mit dem Rekord.

Die Enttäuschung bei Ralf Schönberger war groß, aber nicht zu groß. Unterkriegen lässt er sich nicht. „Ich werde es irgendwann wieder probieren.“ Der Tölzer ist sich sicher, dass das funktionieren kann. Und möglicherweise zählt auch schon der zerbrochene Versuch, um damit ins Guinness Buch der Rekorde zu gelangen. Die Entscheidung des Gremiums muss der kreative Tölzer abwarten.

Rekordversuch: 30 Masskrüge über 40 Meter tragen

Ralf Schönbergers Traum ist für andere Bayern schon wahr geworden. Für Oliver Strümpfel zum Beispiel. Der einstige Freisinger, der inzwischen in Abensberg lebt, setzt immer wieder einen drauf – und zwar einen Masskrug. Der Niederbayer war bis Montag Rekordhalter im Masskrüge-Tragen über 40 Meter. Bis ihn Matthias Völkl im Hofbräuhaus mit 27 Krügen knapp überboten hat. Strümpfels Rekord begann bei einer Bierrunde mit Kollegen. Damals entstand die Idee. Erst begann er mit leeren Krügen – einer wiegt etwa 1,3 Kilogramm. Der Weltrekord lag bei 20 vollen Krügen. „Das müsste doch zu knacken sein“, hat sich der 44-Jährige gedacht. 2009 ist er bei seinem ersten Versuch gescheitert. Er versuchte es im darauffolgenden Jahr erneut – diesmal mit Erfolg.

Überhaupt gültig? Wirbel um Weltrekordversuch im Masskrug-Tragen

Oliver Strümpfel ist kein Schrank, hat keine Body-Builder-Maße. Wenn er die vielen Krüge vor sich her trägt, verschwindet er fast dahinter. Dicke Oberarme allein machen es nicht aus. Es kommt auch auf die Technik an.

Von dem aktuellen Rekord lässt er sich nicht einschüchtern. Er hat bereits das nächste Ziel: 30 Krüge. Also weiter trainieren. Das macht Oliver Strümpfel zum Teil im Fitnessstudio: Rücken und Oberschenkel. Üben kann er auch im Bierzelt – hin und wieder arbeitet er dort als Kellner. Hauptberuflich macht der Abensberger aber etwas, das von Bier und Krügen weit entfernt ist. Er ist Finanzberater. Das Bierzelt bietet ihm einen „genialen Ausgleich.“

200 Meter über dem Boden - 23-Jähriger will Highline-Rekord aufstellen

Den Ausgleich sucht Julian Mittermaier in der Höhe. Der 23-Jährige ist Highliner – er balanciert in hunderten Metern über dem Boden. Der Student, aus Brannenburg (Kreis Rosenheim) liebt die Höhe. Wenn Julian Mittermaier 200 Meter über dem Abgrund auf einem fünf Zentimeter breiten Band steht, fühlt er sich wohl. „Das macht einfach Laune“, sagt er. Gefährlich klingt es nicht, wenn Julian Mittermaier von seinem Hobby schwärmt. Schließlich ist er ja mit einem Sicherungsseil an der Highline befestigt. Und die wiederum ist sicher am Anfang und am Ende befestigt. Wozu also Angst haben? „Manchmal macht man sich auf der Line schon Gedanken, ob alles sicher ist“, gibt er zu. Aber eigentlich unbegründet, schließlich sei er ja beim Aufbau dabei und würde nicht loslaufen, wenn er sich nicht 100 Prozent sicher ist, dass alles passt. Aber ein Restrisiko bleibt.

„Das Highlinen an sich ist total vielfältig“, erzählt er. Er macht auch gerne Tricks oder bewältigt die Strecke in Stöckelschuhen. Oder blind. Mit verbundenen Augen gelang ihm auch der aktuelle Weltrekord. Anfang Juli lief er in Zürich 215 Meter auf der Highline – ohne etwas zu sehen. Gute 30 Minuten hat er dafür gebraucht. „Ich bin langsam“, sagt Julian Mittermaier. „Man muss die Zeit ja genießen.“

Wobei: Anfangs hatte er schon Muffensausen. „Ich habe mich am Anfang gesträubt, in die Sicherung zu springen“, erzählt er. Das war vor rund drei Jahren. Heute sieht das ganz anders aus: Andauernd fällt der sportliche Brannenburger von der Highline und hängt dann in ein paar hundert Metern Höhe im Seil. „Das gehört dazu, so kann man näher an seine Grenzen gehen.“ Oder über Grenzen – darum geht es den Rekord-Verrückten schließlich.

Wirbel um Masskrug-Tragen: Ist der neue Weltrekord gültig?

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