Aus Rücksicht auf die Kinder - Plöd bei Wasserburg wird umbenannt

Schluss mit Plöd! - Wie ein lustiger Ortsname zur Last wird

Seit dem 19.Jahrhundert gibt’s Plöd. Der Ortsname leitet sich wohl von einem Hof- oder Familiennamen ab
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Seit dem 19.Jahrhundert gibt’s Plöd. Der Ortsname leitet sich wohl von einem Hof- oder Familiennamen ab

Plöd - Tuntenhausen, Petting, Poppenreuth: Man hat’s nicht leicht, wenn man aus einem dieser Orte kommt.

Hohn und Spott bekommt man zu hören. Davon können auch die Menschen in Plöd, einem Ortsteil von Soyen (Kreis Rosenheim) ein Lied singen. Ganz gleich, wie man mit Familiennamen heißt, für die Nachbarn ist und bleibt man ein Plödler – der Plödler-Franz oder die Plödler-Anni. „So ist das bei uns auf dem Land“, erklärt Karl Fischerger, der Bürgermeister von Soyen, „man verbindet halt den Orts- und den Vornamen.“ Doch damit ist jetzt Schluss. Die Plödler – acht Aufrechte wohnen noch in den drei Anwesen – haben im Gemeinderat einen Bürgerantrag gestellt: Man möge den Ort umbenennen.

„Und diesen Wunsch“, verspricht Fischberger, „werden wir möglichst schnell umsetzen. Wir brauchen kein Plöd!“ Fischberger, erst seit Mai im Amt, wundert sich, dass der Antrag nicht schon vor Jahren gestellt wurde. Aber das liegt wohl daran, dass es in Plöd schon seit Jahre keine Kinder mehr gibt ... Die Initiative geht denn auch von einer jungen Frau aus, die erst vor Kurzem nach Plöd eingeheiratet hat. „Sie wünscht sich“, sagt der Bürgermeister, „dass ihren Kindern einmal das Schicksal ihres Vaters erspart bleibt.“ Der musste sich in der Schule viele böse Hänseleien gefallen lassen.

Das bleibt künftigen Generationen erspart. Sie werden aus Grub oder Kraimoos kommen. So heißen die benachbarten Ortsteile, denen Plöd nun zugeschlagen werden könnte.

Die Bezeichnung „Plöd“ wurde ursprünglich übrigens nicht (nur) im Sinne von „dumm“ oder „geistig beschränkt“ benutzt. Im Lexikon bayerischer Ortsnamen, das Armin von Reitzenstein, Lehrbeauftragter für Namenskunde an der Uni München, verfasst hat, wird darauf verwiesen, dass mit „blöd“ (bis 1952 wurde der Ort auch noch mit „B“ geschrieben!) auch Menschen beschrieben wurden, die als „gebrechlich“ oder „zart“ galten.

Damit Plöd nun endgültig von der Landkarte verschwindet, muss das Landratsamt Rosenheim noch seine Zustimmung erteilen. Das dürfte nur eine Formsache sein. „Allerdings“, so Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes, „ist so eine Umbenennung äußerst selten.“ Kein Wunder: Plöd gibt’s nur einmal in Deutschland.

Orte mit Spaßfaktor

Das wohl meistgeklaute, weil internationalste Ortsschild der Welt steht nicht in Bayern, sondern in Oberösterreich: das Schild von Fucking. Doch auch folgend Kommunen müssen immer wieder Schilder nachrüsten:

Affendorf (Niedersachsen)

Busenberg (Rheinland-Pfalz)

Busendorf (Brandenburg)

Deppenhausen (Baden-Württemberg)

Faulebutter (NRW)

Fickmühlen (Niedersachsen)

Himmelreich (Baden-Württemberg)

Katzenhirn (Bayern)

Kloberg (Bayern)

Kotzen (Brandenburg)

Kuhbier (Brandenburg)

Luschendorf (Schleswig-Holstein)

Lust (Sachsen)

Nackterhof (Rheinland-Pfalz)

Oberhäslich (Sachsen)

Oberkotzau (Bayern)

Oha (Schleswig-Holstein)

Petting (Bayern)

Poppendorf (Sachsen)

Rammelburg (Sachsen)

Regenmantel (Brandenburg)

Schwarze Pfütze (Bayern)

Sexau (Baden-Württemberg)

Sklavenhaus (Schleswig-Holstein)

Sommerloch (Rheinland-Pfalz)

Streitheim (Bayern)

Tabakstampf (Bayern)

Tittenkofen (Bayern)

Tuntenhausen (Bayern)

Tussenhausen (Bayern)

Unterstinkenbrunn (Österreich)

Ursulapoppenricht (Bayern)

Warzen (Niedersachsen)

Witzighausen (Bayern)

Wixhausen (Hessen)

Zeckendorf (Bayern)

Bet/WdP

Quelle: tz

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