Rucksackbomber chattete am Ansbacher Festivaleingang

Sein Anschlagsbefehl kam direkt aus Nahost

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Mohammad D. im Bericht des bulgarischen Fernsehens.  Er schilderte seine Geschichte, ob diese auch wahr war?

Ansbach - Mohammad D. hat von einem bislang unbekannten Hintermann via Chat konkrete Aufträge aus dem Nahen Osten erhalten. Er lieferte offensichtlich eine perfekte Show ab

Er sieht aus wie ein wissbegieriger Student. Ein junger Mann mit feinen Gesichtszügen, der mit sanfter Stimme spricht. Mohammad D. (27), den der Islamische Staat Abu Yusuf-al-Karar und zugleich Gotteskrieger nennt, gab dem bulgarischen Fernsehen vor drei Jahren Interviews, er lebte damals auf der Straße. Einmal zeigte er auch Narben am Unterschenkel. In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sei er Mathematiklehrer gewesen, berichtet er, die Familie tot. Er verachte Gewalt. Dieser Mann liefert offensichtlich eine perfekte Show ab, denn er hat am Sonntag einen Sprengsatz gezündet: 15 Menschen wurden in Ansbach teils schwer verletzt, er selbst getötet. Der zerbrechlich wirkende Syrer war der erste IS-Selbstmord­attentäter in Deutschland. Mit direktem Draht ins Kampfgebiet.

Denn Mohammad D. hat von einem bislang unbekannten Hintermann via Chat konkrete Aufträge aus dem Nahen Osten erhalten. „Was er tun und wie er sich verhalten soll“, sagte gestern Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Wo sich der Chat-Partner aufhielt, mit dem der Attentäter in Kontakt stand, ist bis jetzt unklar. „Der Gesprächspartner wusste genau, worum es geht“, sagte Herrmann. Er habe auch Kenntnis gehabt, dass der 27-Jährige Sprengstoff dabei hatte. Als dieser von Sicherheitsleuten in der Nähe des mutmaßlichen Anschlagsziels berichtet habe – dem Musikfestival mit 2000 Besuchern –, habe der Unbekannte gesagt, er solle sich ein Schlupfloch suchen oder einfach durchgehen. Den genauen Wortlaut konnte Herrmann nicht wiedergeben.

Auch der Würzburger Axt-Attentäter Riaz Khan A. (17), der in einer Regionalbahn vier Menschen und auf seiner Flucht eine weitere Frau angegriffen hatte, war bis Minuten vor dem Anschlag in Kontakt mit dem Nahen Osten. Mit einer Person oder Organisation, erfuhr die dpa aus Ermittlerkreisen. „Wer das war, können wir aber noch nicht sagen.“ Zu schaffen mache den Ermittlern, dass der Verlauf der Kommunikation verschlüsselt war.

Mohammad D. wollte auf keinen Fall zurück nach Bulgarien. Demnach soll er versucht haben, sich umzubringen, als ihm mitgeteilt wurde, er werde dorthin abgeschoben. Grund: Er hatte dort einen Asylantrag gestellt. Das geht aus seinem Gutachten hervor. „Ich gehe nicht lebendig nach Bulgarien“, gab er zu Protokoll. mc

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