Gemischte Bilanz zum Herbstanfang

So war der Treibhaus-Sommer 2016

München - Heute ist der Sommer vorbei und der Herbst beginnt – zumindest im meteorologischen Sinn. Wie war der Sommer in Bayern? Eine Bilanz mit viel Schatten – aber auch viel Licht.

Bayern war das zweitkühlste Land

Das sind wir Bayern anders gewöhnt: Kein Spitzenplatz für den Freistaat. Obwohl unser langjähriger Mittelwert von 15,9 Grad übertroffen wurde, landet unser Sommer wettertechnisch in der bundesweiten Rangliste weit hinten. „Bayern war mit 17,4 Grad das zweitkühlste und mit fast 310 Litern pro Quadratmeter das niederschlagsreichste Bundesland“, berichtet der Deutsche Wetterdienst nach einer Auswertungen von rund 2000 Messstationen.

Dramatische Auswirkungen hatte das gleich zu Sommeranfang, am 1. und 2. Juni: Gewittriger Dauerregen brachte in Simbach am Inn mehr als 180 Liter pro Quadratmeter – in gerade einmal 48 Stunden. Es kam zu gewaltigen Überschwemmungen, sieben Menschen starben, zahlreiche Häuser wurden zerstört. Über den ganzen Sommer betrachtet goss es andernorts noch mehr: „Der bundesweit meiste Regen im Sommer fiel am unmittelbaren nördlichen Alpenrand mit bis zu 700 Litern pro Quadratmeter“, so der DWD.

Bei allem Regen schien die Sonne im Freistaat von Anfang Juni bis Ende August rund 635 Stunden – deutlich weniger als beim Spitzenreiter Insel Rügen mit 700 Stunden, aber auch deutlich mehr als bei den Schlusslichtern Sauerland und Eifel mit rund 500 Stunden. Der Münchner Chef-Meteorologe Volker Wünsche hat auch oberbayerische Zahlen für die drei Sommermonate (Stand Dienstagabend): In München schien die Sonne fast 640 Stunden, in Garmisch-Partenkirchen 552 Stunden. Im Juli gab es in München immerhin 20 Sommertage (wärmer als 25 Grad). In den drei Monaten war es an zehn Tagen heißer als 30 Grad. Münchner Spitzenreiter: der 10. Juli mit 33,2 Grad. In Garmisch-Partenkirchen war der 24. Juli mit 31,3 Grad der heißeste Tag. Kalt war es aber auch: So wurden am 11. August in Nürnberg gerade einmal 1,3 Grad gemessen.

Und wie war der oberbayerische Sommer im Vergleich zum langjährigen Mittel? Für die Messstationen in Garmisch-Partenkirchen und München gilt: Die drei Monate waren knapp 2 Grad zu warm. Die Gesamt-Niederschlagsmenge war, auch wenn es sich anders anfühlte, etwas geringer. Und viele Tage waren dampfig und schwül – wie im Treibhaus.

Urlauber trotzen dem Regen

Eines vorweg: Für Bayerns Touristiker ist der Sommer noch nicht vorbei, mindestens der September gehört noch zur schönsten Jahreszeit dazu. Und doch lässt sich eine vorläufige Bilanz ziehen – und zwar eine erfreuliche. Martin Spantig von der Bayern Tourismus Marketing GmbH verzeichnet für das erste Halbjahr ein „bedeutendes Plus von fünf Prozent bei den Übernachtungen“. Und das, obwohl schon 2015 ein Rekordjahr war. Allein die Niederländer hätten um neun Prozent zugelegt – „das wird in den Sommer-Kernwochen sicher nicht weniger“. Dass die Monate Juni, Juli und August zum Teil ganz schön verregnet waren, hätte den Tourismus-Zahlen nichts anhaben können: „Wir haben hier in Bayern viele wetterunabhängige Attraktionen“, sagt Spantig. Die Königsschlösser, die Museen, die Dokumentationszentren in den Naturparks. Und der Besuchermagnet München treibt die Zahlen zuverlässig nach oben – Städteurlaub ist in.

Nur halb so viele Freibad-Gäste

Der durchwachsene Sommer bescherte den Freibädern im Freistaat schlechte Besucherzahlen, wie eine Umfrage ergab. So fällt die Bilanz in den acht Münchner Freibädern sogar äußerst negativ aus: „Derzeit sind wir beim Stand von 2014, das war auch so ein durchwachsener Sommer“, sagte Michael Solic von den Stadtwerken. Im Vergleich zum Hitzesommer 2015 seien nur halb so viele Badegäste gekommen. Zum Glück brachte Hoch „Gerd“ vergangene Woche einige schöne Tage.

Gerade der rasche Wechsel zwischen Sonne und Regen machte den Freibädern zu schaffen. Strahlend blauer Himmel allein reicht eben nicht: Wenn die Liegewiesen von vorangegangenen Unwettern noch völlig durchnässt sind, bleiben die Besucher weg. „Der schlechteste Sommer seit zehn Jahren“, sagt ein Sprecher der Stadtwerke Bamberg. „Da kommen mir die Tränen.“

Schifffahrt profitiert von Urlaub dahoam

Die Bayerische Seenschifffahrt GmbH hatte sich „aufgrund des doch deutlich durchwachseneren Sommers als im vergangenen Jahr“ auf eher maue Fahrgastzahlen eingestellt, sagt Geschäftsführer Michael Grießer. Die Schiffe auf Tegernsee, Ammersee, Starnberger See und Königssee sind natürlich auf schönes Wetter angewiesen.

Von wegen: Die Zahlen bis einschließlich August liegen etwa auf Vorjahresniveau – „vielleicht oder wahrscheinlich auch wegen der vielen Familien, die Urlaub im eigenen Land machen“, glaubt Grießer. Spitzenreiter bei den Fahrgastzahlen ist wie jedes Jahr der Königssee.

Viele Hütten hatten es schwer

Die Wirte auf den Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) stecken mitten in der Saison – und freuen sich jetzt auf einen starken Herbst. Denn, so sagt Thomas Bucher vom DAV, „die Saison bis Ende Juli lief eher unterdurchschnittlich“. Viele Hütten, gerade die in anspruchsvollen Wandergebieten, laut Bucher etwa an der Zugspitze oder am Watzmann, haben keine besonders guten Wochen hinter sich – auch wenn die letzten Tage einiges wettmachten.

Deutlich einfacher hatten es Hütten, die an Fernwanderwegen liegen, sagt Thomas Bucher, zum Beispiel an der Strecke München – Venedig oder Oberstdorf – Meran. „Diese Touren sind lange geplant, die sagt man nicht ab, nur weil das Wetter nicht ideal ist.“ Ebenfalls gut lief es für die Hütten, die ein Familienprogramm anbieten – auch das wird von den Gästen gebucht und dann auch durchgezogen. Auch niedriger gelegene Häuser wie etwa am Hörnle seien „nicht ganz so empfindlich“, wenn das Wetter nicht perfekt ist.

Kleine Zeitfenster für die Bauern

Eine Sommerbilanz? Ganz schwierig, sagt Anton Huber vom Bayerischen Bauernverband. Denn: „Das war von Ortschaft zu Ortschaft, von Acker zu Acker verschieden.“ Grundsätzlich waren die Landwirte mit dem Verlauf der Witterung im Frühjahr und im Sommer recht zufrieden. „Wenn nicht gerade Gewitterstürme zu Überschwemmungen auf den Äckern und Betrieben geführt haben, war das wechselhafte Wetter bestes Wachstumswetter für unsere Nutzpflanzen“, sagt Huber. Allerdings: „Die nur kurzen trockenen Perioden machten es unseren Landwirten oft schwer, rechtzeitig für Pflanzenschutzmaßnahmen auf die Felder zu fahren.“ Mehr Unkräuter und stärkerer Pilzbefall seien die Folgen gewesen. „Zur Getreideernte hätten wir uns dann wirklich trockeneres Wetter gewünscht.“ Die Zeitfenster waren extrem klein.

Zum Glück sei es meistens dennoch gelungen, die Ernte „gesund und ohne massive Auswuchsschäden einzubringen“. Und für die nächsten Wochen sieht es auch nicht schlecht aus: „Der Mais steht gut draußen“, sagt Huber.

Der Juli verdirbt die Bier-Bilanz

Das Jahr fing gut an für Bayerns Brauer, sehr gut sogar. In den ersten fünf Monaten, sagt Walter König vom Brauerbund, gab’s ein sattes Plus von 1,5 Prozent – und das im Vergleich zum sehr starken Vorjahr. Doch dann kam der Juli. „Jede Wolke hat geregnet“, klagt König, und so blieben die Bier- und Wirtsgärten leer, private Grillfeiern fielen weitgehend aus. 15 Prozent Minus! Allein im Juli. Das verhagelt natürlich die Halbjahresbilanz: „Der gute Start ist durch den Juli absolut aufgebraucht“, sagt König. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Vergleichs-Juli 2015 war praktisch ohne Regentag – und somit perfekt für den Bier-Absatz.

Ein Gutes hat der verregnete Sommer aber für die Brauer: „Der Hopfen wird prächtig“, sagt König. Die Braugerste werde immerhin durchschnittlich – angesichts der starken Regenfälle und Gewitter ist das keine Selbstverständlichkeit.

Die Aussichten: Sonnig und warm

Hoch „Harald“ bringt dem Süden ab heute viel Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 31 Grad. Nur am Alpenrand kommen häufiger Schauer und Gewitter auf. Während es am Wochenende im Norden spürbar kühler wird, bleibt es bei uns mit bis zu 30 Grad sommerlich. Die neue Woche startet wechselhaft mit Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad – aber für Herbst ist das doch gar nicht schlecht. 

caz/dpa

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