Interview

Sprachforscher fordert: „Bairisch muss in Charta der Minderheitensprachen“

München - Niederdeutsch und Sorbisch haben es bereits geschafft: Die beiden Sprachen wurden in die Charta der Minderheitensprachen aufgenommen. Warum nicht Bairisch? Ein Sprachforscher versucht 

Der Augsburger Sprachwissenschaftler Prof. Werner König fordert ein Gesetz, um Bairisch zu retten. Dazu ein Interview mit Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte.

Unterstützen Sie den Vorschlag?

Horst Münzinger vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte.

Es ist bemerkenswert, wenn ein so renommierter Sprachwissenschaftler wie Prof. König darauf hinweist, dass Bairisch bedroht ist. Wir sehen das als Anlass, sich mit dem Krankheitszustand des Bairischen auseinanderzusetzen. Wir vom Förderverein sind eher zurückhaltend bei der Forderung nach Gesetzen, Verboten und Regelungen. Wichtig wäre aber, dass Bairisch und die anderen Regionalsprachen in Bayern in die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europäischen Rates aufgenommen werden. Die darin genannten Sprachen werden als Bestandteil des kulturellen Erbes Europas bezeichnet, die erhalten werden sollen. Bairisch wird dabei leider nicht genannt.

Niederdeutsch ist enthalten, Sorbisch auch – Bairisch nicht. Warum nicht?

Die Frage kann man in der Tat stellen, denn Bairisch hat eine lange Geschichte. Der Sprachwissenschaftler Prof. Rowley hat gerade mit Verweis auf die Aufnahme des Niederdeutschen schon bei Ratifizierung der Charta durch die Bundesrepublik 1998 die Aufnahme des Bairischen als schützenswerte Regionalsprache befürwortet.

Aber?

Er und andere Befürworter wurden wohl von der Bayerischen Staatsregierung nicht gehört und die Warnungen, dass Bairisch gefährdet ist, in den Wind geschlagen. Wir wollen, dass die Staatsregierung die Aufnahme vorantreibt. Das ist unbedingt notwendig, denn trotz Regelungen und Fördermaßnahmen reden immer weniger Kinder und Jugendliche Bairisch. Da reicht eine Handreichung für Lehrkräfte, die das Kultusministerium veröffentlicht hat, eben nicht aus. Es gibt ja auch gar keine Wirksamkeitskontrolle, also eine Erhebung der Mundartkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Auch das wird ministerial abgelehnt, es sei zu aufwendig. Für uns ist das ein Vorwand.

In den vergangenen Jahren gab es Signale, dass Bairisch wieder im Kommen ist, wenn auch manches wie die TV-Serie „Dahoam is Dahoam“ etwas seicht wirkt. Aber Sie ziehen ein pessimistisches Fazit?

Bairisch kämpft ums Überleben – ungeachtet der Wiederentdeckung durch die Werbung, durch Musiker, Künstler und andere. Das schafft zwar Sympathie bei der Bevölkerung und eine Art Modernität bei den Jüngeren. Doch tiefere Maßnahmen, die Herkunft, Eigenarten und Wert vermitteln und das Bairisch reden bei Kindern und Jugendlichen wieder zur Selbstverständlichkeit werden lassen, sind bisher ausgeblieben.

Was unternehmen Sie als Verein?

Als nächstes werden wir vom 7. bis 9. Oktober erstmals ein Dialektforum namhafter Bairisch-Experten im Trachtenkulturzentrum Holzhausen bei Landshut veranstalten. Sie sollen uns sagen, auf welche Weise aus ihrer Sicht Bairisch gefördert werden könnte. Wir haben in Schulen und Kindergärten immer wieder Bairisch-Projekte, ich selbst bald in München-Trudering.

Rubriklistenbild: © Westermann Michael

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