Nach Warnung für München und Paris-Anschlägen

Terrorgefahr in Europa: So rüstetsich das Rote Kreuz

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Abgesperrter Hauptbahnhof in München in der Silvester-Nacht.

München - Die Terrorgefahr hat Europa erreicht. Nun müssen sich die Retter auf Szenarien vorbereiten, die sie bislang nur aus dem TV kennen. Die Hilfsorganisation fordert neue Strategien und bessere Ausstattung.

Die blutigen Anschläge in Paris und Brüssel, die Warnung für München in der Silvesternacht zeigen auf dramatische Weise: Der Terror ist längst in Europa angekommen! Das stellt nicht nur die Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen, auch die Hilfsorganisationen wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) müssen sich auf ganz neue Szenarien einstellen.

„Vor allem die Gefahr durch Zweitschläge ist nicht zu unterschätzen“, erläuterte Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Immer häufiger werde nach dem ersten Anschlag ein zweiter Sprengsatz gezündet, der die Retter treffen soll. Deshalb gelte es, sich erst einen Überblick über die Einsatzlage zu verschaffen und sich mit Sicherheitskräften abzustimmen, bevor Verletzten geholfen wird.

Vor allem die bisherigen Rettungskonzepte stellt die Hilfsorganisation dabei auf den Prüfstand: Bei Terroranschlägen müssten möglicherweise viele Hundert Schwerstverletzte so schnell wie möglich in Krankenhäuser gebracht werden. „Dazu brauchen wir mehr Transportmittel und andere Strategien zur Versorgung von Patienten, die Gliedmaßen verloren haben“, fordert BRK-Katastrophenschutzbeauftragter Rudi Cermak.

Deshalb sollen alle Rettungswagen mit sogenannten Aderpressen ausgestattet werden, um schwere Blutungen stoppen zu können. „Wir müssen auch unsere ehrenamtlichen Retter auf Szenarien vorbereiten, die sie bislang nur aus dem Fernsehen kennen“, sagt der Leitende Notarzt Dr. Florian Meier. Er wünscht sich auch eine intensive Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. „Dort hat man viel Erfahrung mit gefährlichen Einsätzen in Afghanistan. Darüberhinaus tausche man sich mit dem Israelischen Roten Davidstern sowie den Rettungsorganisationen von Paris und Brüssel über deren Erfahrungen aus.

Neben einer verbesserten Einsatztaktik setzt das BRK im Katastrophenfall auch auf eine optimale Kommunikation mit der Polizei sowie der Bundeswehr, so Präsident Theo Zellner. „Dass wir über Facebook von der Terrorwarnung an Silvester in München erfahren müssen, geht natürlich nicht!“

Generell sei das BRK im Katastrophenfall aber gut aufgestellt, sagte Theo Zellner am Dienstag in München. „Als größte Hilfsorganisation und stärkste Katastrophenschutzeinheit mit über 130.000 aktiven Helferinnen und Helfern haben wir eine besondere Verantwortung für die innere Sicherheit Bayerns.“

tz

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