Ali R. (32) vor Gericht

Prozessbeginn: Wollte er als ­Gotteskrieger s­terben?

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Der Angeklagte wird am 08.09.2016 in München von Justizbeamten in den Verhandlungssaal geführt.

München - Ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz IS steht seit Donnerstag vor dem Oberlandesgericht München. Er soll sich dem "Islamischen Staat" in Syrien angeschlossen haben.

Sein Gesicht ist blass und ausgemergelt, die schwarzen Haare sind zum Zopf nach hinten gebunden. Ali R. (32) trägt einen grauen Kapuzenpullover, krümmt den Rücken und schaut ins Nichts. Sieben Monate Untersuchungshaft haben ihre Spuren bei dem mutmaßlichen Terrorkämpfer hinterlassen.

Gegen ihn begann am Oberlandesgericht gestern der Prozess. Laut Anklage soll Ali R. sich der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen und schwere, staatsgefährdende Straftaten vorbereitet haben. Bereits im Dezember 2014 soll der Berliner nach Syrien ausgereist sein. Bei der Einreise nach München schnappten ihn Ermittler am 6. November 2015 am Flughafen – seitdem sitzt er im Gefängnis.

Vor Gericht sprach Ali R. gestern kein offizielles Wort, stattdessen scherzte er mit seinen Verteidigern. Sie versuchten mit diversen Anträgen, das Verfahren auszusetzen. Mehrfach wurde auch die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Allein die Anklageschrift gab Aufschluss darüber, was während des fast zweijährigen Aufenthalts von Ali R. in Syrien geschehen sein soll.

Demnach hatte R. im Dezember 2014 nach seiner Syrien-Einreise eine zweiwöchige Ideologie-Schulung erhalten – eine Art Trainingslager für den Terroreinsatz, zu dem auch Schießübungen mit der Kalaschnikow gehörten. Im Anschluss soll Ali R. einen Eid auf den IS-Anführer geschworen und ein Maschinengewehr, Granaten sowie fünf Magazine erhalten haben. So wurde der Berliner laut Anklage endgültig zum Gotteskrieger – einschließlich der Bereitschaft, im Heiligen Krieg sein Leben zu lassen.

In Syrien unterstütze R. laut Anklage andere Neu-Ankömmlinge der Terrormiliz in einem Lager und kontrollierte sie. 250 Dollar soll sein monatlicher Lohn dafür gewesen sein. Später kam es mutmaßlich auch zu konkreten Kampfhandlungen: Laut Anklage soll Ali R. mitgeholfen haben, mehrere Sprengfallen zu bauen – Ermittlungen zufolge bauten er und seine Terror-Helfer bis zu 1500 Stück pro Tag. Das Ziel jeweils: Feinde des Islamischen Staates zu töten.

Seine Anwälte haben für den weiteren Prozessverlauf eine Erklärung Ali R.s angekündigt. Ihm droht jahrelange Haft. 

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