Wirbel um Haderthauer

Ministerin zieht "Vorbild" Strauß in Zweifel

Ministerin Haderthauer hat Zweifel an der Vorbildfunktion von Franz Josef Strauß.
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Ministerin Haderthauer hat Zweifel an der Vorbildfunktion von Franz Josef Strauß.

CSU-Ministerin Haderthauer äußert sich kritisch über Franz Josef Strauß, verärgert damit ihren Chef und verwundert ihre Parteifreunde.

Es gibt Sätze, die man hinterher bitter bereut. Ministerin Christine Haderthauer ist jetzt kräftig in einen politischen Fettnapf getreten. Die frühere CSU-Generalsekretärin erklärte in einem Radio-Interview in ihrer Heimat Ingolstadt, Franz Josef Strauß sei nicht ihr Vorbild. Als Vorbilder nannte sie statt dessen Politiker von FDP und CDU. Führende Parteifreunde reagieren erstaunt bis verärgert.

Haderthauer pflegt eine lockere Wortwahl. Strauß sei „superinteressant“, zitiert die Nachrichtenagentur ddp aus dem Interview, als „Vorbildpolitiker“ empfinde sie ihn aber nicht. „Da gab’s ja dann doch viele Dinge, die ich jetzt vielleicht anderen nicht zur Nachahmung empfehlen würde.“ Andere Vorbilder aus der eigenen Partei fielen ihr nicht ein. Sie nannte statt dessen Ex-Bundeskanzler Adenauer, den früheren Bundespräsidenten von Weizsäcker (CDU) und Hildegard Hamm-Brücher (FDP): „Die fand ich immer stark.“

Weniger stark findet das CSU-Chef Horst Seehofer. Er bemüht sich seit Wochen demonstrativ, das Strauß-Gedenken in der CSU zu schüren. Als erste Amtshandlung holte er die unter Beckstein verbannte Strauß-Büste zurück ins Ministerpräsidenten-Büro. Mit Ach und Krach hievte er zudem Strauß-Tochter Monika Hohlmeier auf die Europaliste. Was Seehofer nun von Haderthauers Querschuss hält, teilte er ihr umgehend per SMS mit. Er habe seine Ministerin „empört“ aufgefordert, ihren Fehler zu korrigieren, heißt es in München.

Auch führende Parteifreunde sehen das mit dem Vorbild anders. „Für mich und jeden echten CSUler ist Strauß das große Vorbild“, sagt Minister Markus Söder und hat dabei jedes Wort sorgfältig abgewogen. Der frühere Parteichef Erwin Huber ergänzt, „Strauß’ Führungskraft, seine Überzeugungstreue und sein Weitblick sind auch für heutige Politiker unverändert ein Beispiel“. Oberbayerns CSU-Bezirkschef Siegfried Schneider erinnert daran, dass Strauß „Großartiges“ und „Vorbildliches“ für den Freistaat geleistet habe: Das sei eine „historische Tatsache“.

Interessant ist auch die Reaktion der Frauen-Union. Die Vorsitzende Emilia Müller – an deren Posten Haderthauer Interesse nachgesagt wird – kommentiert, „die Christine“ habe das „sicher nicht so gemeint“. Auch sie bemüht das Bild vom „echten Bayern“, für den „FJS eine politische Persönlichkeit ist, die Bayern zu seiner Blüte verholfen hat. Er hat auch den Einstieg für mehr Frauen in politischen Führungsämtern geschaffen.“ Ihr Rat an die Kollegin: „Das sollten wir nie vergessen.“

Einzig die bayerische FDP freut sich. Generalsekretärin Miriam Gruß spottet: „Es überrascht mich nicht, dass sie die Liberale Hildegard Hamm-Brücher als Vorbild nennt – in ihrer eigenen Partei wird sie vergeblich nach weiblichen Vorbildern gesucht haben.“ Dort gelte schließlich immer noch die Devise: „Männer an die Macht, Frauen an die Mikrowellen!“

Nach der Nachhilfe ihrer Parteifreunde ruderte Haderthauer zurück. „Durch die Zusammenstellung von Ausschnitten eines Radiogesprächs ist ein unzutreffender Eindruck entstanden“, erklärte sie. FJS habe Einzigartiges geleistet, auch als Wegbereiter der deutschen Einheit. Aus Bewunderung zu ihm sei sie in Wahrheit mit 21 Jahren 1984 in die CSU eingetreten.

sha/cd

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