Geisterbeschwörung oder Therapie?

Das Rätsel um Ötzis Tätowierungen

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Ötzi gibt auch 5.300 Jahre nach seinem Tod und 18 Jahre nach seiner Auffindung noch Rätsel auf.

Normalerweise ist Gletschermann Ötzi unter einer hauchdünnen Eisschicht konserviert – schließlich soll die 5300 Jahre alte Mumie noch lange erhalten bleiben.

Vor Kurzem aber ist Ötzi aufgetaut worden – für ein Fotoshooting! Wissenschaftler haben ihn Millimeter für Millimeter abfotografiert und dabei sensationelle Bilder gemacht: von Ötzis Tätowierungen! Doch die Forscher rätseln: Dienten die Tattoos einer Art Geisterbeschwörung, waren sie Teil eines Ritus’, der vielleicht die bösen Seelen besänftigen sollte? Oder bekam der Gletschermann die farbigen Einstiche quasi als Therapie, als eine Art Akupunktur?

„Wir wollen das wissenschaftliche Interesse an der Mumie und die Notwendigkeit, sie zu konservieren, unter einen Hut bringen.“ So erklärt Dr. Albert Zink, Leiter des Projekts „Iceman photoscan“ aus dem Bozener EURAC-Institut, warum Ötzi aus seiner Kühlkammer geholt wurde.

48 Stunden lang wurde der Gletschermann abgescannt – aus 16 Blickwinkeln wurden 150 000 Aufnahmen gemacht. Jeder kann Ötzi nun bis ins Detail im Internet anschauen (www.icemanphotoscan.eu), teils sogar dreidimensional. Die spektakulärsten Bilder sind die Tätowierungen. Über 50 Stück sind es, Striche und Kreuze. Sie wurden nicht wie bei modernen Tattoos mit Nadeln eingestochen, sondern in die Haut geschnitten und dann mit Holzkohle eingerieben.

Doch was stellen sie dar? „Forscher sind sich noch nicht einig, ob sie rituellen Ursprungs sind oder eine Therapieform darstellen“, erklärt Dr. Zink. Für letzteres spricht, dass sich die Tätowierungen an Körperstellen befinden, die Ötzi zu Lebzeiten Schmerzen bereitet haben könnten – an der Lendenwirbelsäule, am Knie und an der Achillessehne. Hat sich der Mann aus dem Eis einer Art schmerzlindernden Akupunktur unterzogen? Bislang wurde angenommen, dass diese Therapie erst zwei Jahrtausende später in Asien entwickelt wurde …

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