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Wegen des Ukraine-Kriegs: Bayerischem Familienbetrieb droht nach fast 100 Jahren die Schließung

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Von: Anna Lehmer

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Weizenkörner in einen Sack (Symbolbild)
Weizen aus der Ukraine und aus Russland ist derzeit Mangelware. Bayerische Mühlen bekommen kaum noch Nachschub. (Symbolbild) © Sven Hoppe / dpa

Die Folgen des Ukraine-Kriegs bekommt die Welt gerade deutlich zu spüren. Gas und Sonnenblumenöl sind die deutschen Sorgenkinder, auch Getreide wird rar. Ein bayerischer Familienbetrieb steht deshalb vor dem Aus.

Altdorf/Nürnberg - Die Speisekammern in Deutschland sind voll, die Getreidekammern hingegen leer: Der Ukraine-Krieg verleitet die Menschen zu Hamsterkäufen. Sonnenblumenöl, Nudeln, Senf werden in Massen mühevoll aus den Supermärkten gezerrt, um sich vor möglichen Lieferschwierigkeiten abzusichern. Auch Mehl findet sich kiloweise in Einkaufswagen wieder, denn Getreide kann nur noch teilweise herbeigeschafft werden. Die Felder in der Ukraine liegen aufgrund des Krieges brach, die Folgen sind schwerwiegend. Als einer der größten Weizenexporteure und Kornkammer Europas kann die weltweite Nachfrage nicht bedient werden. Dem Familienbetrieb der Max Bauer Kunstmühle in Altdorf droht deshalb nach fast 100 Jahren das Aus.

Ukraine-Krieg: Kunstmühle in Bayern kurz vor dem Aus

Der Betreiber Erich Bauer steht mit seiner Mühle vor einer ungewissen Zukunft. Der Betrieb, der 1930 gegründet wurde und in dritter Generation geführt wird, bekomme kaum noch Getreide, beklagt Bauer im Gespräch mit infranken.de. Auch die gestiegenen Preise machen dem Familienunternehmen zu schaffen. So hätte vor zwei Monaten eine Tonne Weizen noch 240 Euro gekostet, mittlerweile müsse Bauer 440 Euro bezahlen. „Gleichzeitig haben sich die Personal- und Stromkosten massiv erhöht, jetzt droht auch noch Gas-Knappheit“, so der Mühlenchef. Seine Lager seien fast leer, Nachschub gebe es kaum. Denn regionale Produzenten würden teilweise nicht mehr verkaufen.

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Getreide wegen Ukraine-Krieg knapp: Regionale Produzenten liefern nicht

Die Max Bauer Kunstmühle GmbH stellt nach eigenen Angaben Qualitätsmehl aus der Region her. Auf Importe aus der Ukraine ist Erich Bauer damit nicht angewiesen. „Wir beziehen Weizen und Roggen fast ausschließlich regional. Unsere Produzenten sitzen in Nürnberg und rund 80 bis 90 Kilometer drumherum“, erklärt der Betreiber. Diese hätten über die Jahre große Lager aufgebaut, in denen das Korn länger haltbar ist. Liefern diese wegen der Spekulationen auf dem Weizenmarkt nicht, könnte es sein, dass die Mühle nach Ostern stillsteht: „Wenn der Krieg nicht endet, könnte es sein, dass wir nach Ostern leer sind und für immer schließen müssen. Ich bete jeden Tag für ein Wunder“, so Bauer gegenüber infranken.de. Dieses müsste in Gestalt eines Investors erscheinen.

Folgen des Ukraine-Kriegs: Mühle in Bayern muss Kurzarbeit anmelden und Produktion herunterfahren

Um den Betrieb derzeit über Wasser zu halten, habe Bauer Kurzarbeit angemeldet und die Produktion auf 20 Prozent heruntergefahren, berichtet infranken.de. Material zum Produzieren fehlt und schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Müsste die Max Bauer Kunstmühle schließen, würde das die ohnehin schmale Anzahl an Mühlen in Deutschland noch einmal verringern. Bayernweit zählte man 1946 noch 4.440 Mühlen, heute sind es noch maximal 300 kleine und große Betriebe, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung.

Hamsterkäufe wegen Ukraine-Krieg: Lebensmittelengpässe in Bayerns Supermärkte

Mühlen werden immer seltener in Deutschland

Für kleinere Mühlen wie die von Erich Bauer ist das Überleben in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Oft fehlt ein Nachfolger, oft sind die konkurrierenden Großbetriebe Grund für die Geschäftsaufgabe. Und auch die Nachfrage nach dem eigenen Mehl sinkt nach und nach. Kleinere Bäckereien können mit den industriellen Betrieben kaum mithalten, die größere Mengen billiger und schneller produzieren können. Bäckermeister in der Region halten Preiserhöhungen für Brot wegen der Inflation für unausweichlich. Erich Bauer kann nur noch hoffen, dass sich seine Lage bessert. Entscheidend für die Zukunft der Kunstmühle seien einzig und allein ein passender Investor und eine Entspannung auf dem Getreidemarkt, sagt Bauer. Andernfalls hat es sich in Altdorf bald ausgemahlt. (ale)

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