Protestaktion der Kollegen

Wegen Arbeitserlaubnis: Baufirma streikt für Flüchtling

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Gemeinsamer Protest: Tavus Qurban (r.) soll keine Arbeitserlaubnis mehr bekommen. Seine Kollegen zeigen sich solidarisch und legen deshalb die Arbeit nieder.

München/Winhöring - Seit sechs Jahren lebt Tavus Qurban in Deutschland. Jetzt wird seine Arbeitserlaubnis nicht mehr verlängert. Sein Arbeitgeber will den „fleißigen und gut integrierten“ Mitarbeiter nicht verlieren – und ruft zum Streik auf.

Am Montag erreichte die Kunden der Baufirma Strasser eine ungewöhnliche E-Mail. Die Firma mit Sitz in Winhöring im Landkreis Altötting bittet die Bauherren in dem offenen Brief um Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter am morgigen Freitag auf allen 30 Baustellen von 10 bis 12 Uhr die Arbeit niederlegen werden. Der Grund: Sie wollen sich solidarisch zeigen mit ihrem Kollegen Tavus Qurban – denn nächste Woche endet dessen Arbeitserlaubnis.

Qurban kam im Jahr 2010 als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland. Seit April 2012 ist er als Bauarbeiter bei der Firma Strasser tätig. Den Kontakt hatte ihm seine Deutschlehrerin vermittelt. „Inzwischen ist Tavus Qurban voll im Unternehmen integriert“, teilt die Firma mit. Er habe fleißig Deutsch gelernt, bezahle seine eigene Mietwohnung in Altötting und führe Steuern und Krankenversicherung ab wie jeder andere berufstätige deutsche Mitbürger.

Doch jetzt soll seine Arbeitserlaubnis nicht mehr verlängert werden. Weil „keine Mitwirkung bei der Beschaffung des Passes“ stattgefunden habe, obwohl Tavus Qurban mit mehreren Schreiben dazu aufgefordert worden sei, sagt ein Sprecher des Landratsamtes Altötting. Qurban kam ohne Geburtsurkunde nach Deutschland. Mehrere Termine beim afghanischen Konsulat hätten keinen Erfolg im Bemühen um einen neuen Pass gebracht, heißt es von Seiten des Unternehmens. Ihm werde nur ein afghanischer Pass angeboten, was aus Sicht der Firma gleich käme mit einer Abschiebung nach Afghanistan. Und dahin will Tavus Qurban auf keinen Fall zurück. Seine ganze Familie sei mittlerweile geflohen, ein Großteil davon habe in Australien eine neue Heimat gefunden.

Gerade ist Qurban mit Schal- und Betonarbeiten auf einer Baustelle in Altötting beschäftigt. Sein dortiger Bauleiter hat nur Lob für den 25-Jährigen übrig. „Er ist sehr fleißig, lernt schnell dazu und arbeitet besser als so mancher Deutscher“, sagt er und lacht. „Es wäre schade, so einen guten Arbeiter zu verlieren.“ Deshalb findet er es super, dass sich die Firma so für ihren Mitarbeiter einsetzt. Tavus Qurban selbst ist überwältigt von der Unterstützung seiner Kollegen. „Das freut mich natürlich“, sagt er. Er hofft, dass er weiter mit seinen Kollegen zusammenarbeiten kann. Ob der Protest dabei hilft? „Das weiß ich auch nicht.“

Strasser-Geschäftsführer Stefan Birnbacher hat derweil auch Hilfe in der Politik gesucht. Er wandte sich an den örtlichen Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer (CSU). Und der schrieb einen Brief ans Landratsamt. „Ich habe darauf hingewiesen, dass es doch allemal besser sei, wenn dieser offensichtlich sehr engagierte Mann weiter arbeiten kann“, sagt Mayer. Schließlich werde Tavus Qurban vermutlich auch ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland bleiben, da nach Afghanistan keine unmittelbare Zwangsabschiebung drohe. Ein Widerspruch zur eigenen Parteilinie? Schließlich fordert die CSU eine konsequente Abschiebepraxis. „Ich sehe da keinen Widerspruch.“ Im Gegensatz zu vielen Menschen, die erst im vergangenen Jahr „ohne Bleiberecht und ohne Integrationsbemühungen“ nach Deutschland gekommen seien, lebe Tavus Qurban schon seit Jahren in Deutschland. Er stehe mitten im Berufsleben. „Das ist doch Integration wie wir sie uns wünschen.“

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