Wie kann das nur passieren?

Wilde Jagd: 68 Hirsche zu viel erschossen

Oberammergau - So sehr kann man sich nicht verzählen: Um 68 Hirsche hat der Forstbetrieb Oberammergau im vergangenen Jagdjahr seine erlaubte Abschusszahl überschritten.

94 Hirsche hatte die Untere Jagdbehörde im Hegering Werdenfels Süd erlaubt, 162 wurden schließlich zur Strecke gebracht – und für 66 wurde eine nachträgliche Abschussgenehmigung beantragt.

„Das ist brutal, was da passiert“, sagt Willi Fleischhacker gegenüber dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt. Der Privatjäger aus Murnau betreut ein Revier in Oberau und sitzt im Jagdbeirat, der dem Landrats­amt in allen Fragen rund um die Jagd beratend zur Seite steht. Er war es auch, dem auffiel, dass „da etwas nicht stimmen kann“. Denn als Leiter des Hegerings Werdenfels Süd bekommt er jeden Monat die Abschusszahlen auf den Tisch. Und dabei bemerkte Fleischhacker, dass die erlaubte Zahl an Hirschen in der Klasse III – junge Tiere im Alter von ein bis zwei Jahren – bereits im September 2013 erreicht worden war. Das Jagdjahr geht aber vom 1. April 2013 bis zum 31. März 2014. „Doch es wurde munter weiter geschossen.“

Forstbetriebsleiter Meinhard Süß verweigerte mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren jede Auskunft. Denn inzwischen ist die wilde Jagd vom Wetterstein eine Sache für die Juristen. Die Untere Jagdbehörde hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Staatsbetrieb in Oberammergau eingeleitet. „Dies hängt vom Ausmaß und der wiederholten Überschreitung der Abschusspläne ab“, sagt Landratsamtssprecher Stephan Scharf. In den vergangenen fünf Jahren habe der Forstbetrieb seinen Abschussplan bereits weitere drei Mal überschritten.

Den Abschuss der zusätzlichen 66 Hirsche begründete der Forstbetrieb damit, dass es hohe Verbissschäden gebe und darum das Rotwild reduziert werden müsse. In diesem Fall, so Scharf, hätte aber weibliches Wild geschossen werden müssen, dieses sorge für den Nachwuchs und demzufolge für mehr Verbiss.

Jagdkenner merken dazu an, dass das scheue weibliche Rotwild nur sehr schwer zu bejagen sei, die Junghirsche dagegen eine leichte Beute sind. Immerhin: Es ging den Jägern vom Forstbetrieb wohl nicht um die Trophäen. Jedoch weiß man, dass Holz profitabler ist als Hirschfleisch und darum die Bäume im Revier hohen Schutz genießen.

nine/vp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Volker Pfau

Volker Pfau

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