Zu wenig Schnee, zu warm

Milder Winter: Die Liftbetreiber stöhnen

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Ein Schlepplift bei Bischofsgrün im Fichtelgebirge steht – mangels Schnee – still.

Lenggries/Schwangau – Zu wenig Schnee, zu warm, Schneekanonen außer Betrieb – der milde Winter hat vielen Liftbetreibern das Geschäft vermiest. Teils liefen die Lifte nicht einen Tag. Die Betreiber sprechen von großen Einbußen.

Selten war ein Winter in Bayern so mild wie dieser. Statt schneebedeckter Hänge gab es vielerorts grüne Wiesen und braune Äcker zu sehen. Liftbetreibern in niedrigen Lagen machten die Verhältnisse schwer zu schaffen.

Bescheidene Bilanz der Liftbetreiber

Entsprechend bescheiden fällt die Bilanz der Betreiber kleinerer Lifte in den oberbayerischen Skigebieten aus. So standen etwa in Kreuth (Landkreis Miesbach) die Lifte der gerne für Kinder-Skikurse genutzten Hänge an den meisten Tagen still. „Gegenüber dem Winter zuvor haben wir beim Geschäft einen Rückgang zwischen 70 und 80 Prozent“, beklagt Landwirt Josef Kandlinger, der am Hirschberg vier Schlepplifte betreibt. Wegen der Inversionswetterlage – oben wärmer als unten – konnten auch die Schneekanonen nicht angeworfen werden. Mehr Glück hatten die Kinder am Fuße des Braunecks in Lenggries nahe Bad Tölz. „Teils hatten wir dort mehr Schnee als oben“, erläutert Geschäftsführer Peter Lorenz vom Bergbahnverbund Alpen-Plus-Partner. Die Ursache dafür war ebenfalls die Inversionslage.

Warmes Wetter vermiest die Lust auf's Skifahren

Alles in allem sei aber in den Alpen-Plus-Skigebieten Brauneck, Wallberg, Spitzingsee und Sudelfeld im bayerischen Oberland eine finanzielle Einbuße von mindestens 25 Prozent gegenüber dem Winter zuvor zu verzeichnen, rechnet Lorenz vor. Dies liege nicht nur am Fehlen des Schnees, sondern auch am wenig winterlichen Wetter dieser Saison. Lorenz: „Die Lust zum Skifahren war nicht so recht da.“

Nur wenige präparierte Langlauf-Loipen

So erging es auch vielen Langläufern. In Kreuth, wo ansonsten 60 Kilometer gespurte Loipen locken, konnten diesen Winter nur die wenigsten Loipen präpariert werden. „Es lag einfach zu wenig Schnee“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Erst wenn mindestens 30 Zentimeter Schnee liegen, dürfen die Spurgeräte anrücken. Dies, so Bierschneider, sei in diesem Winter aber so gut wie nie der Fall gewesen.

Viel zu wenig Schnee

In den Allgäuer Skigebieten stellte sich die Lage ganz ähnlich dar. „Unser Skilift ist in diesem Winter kein einziges Mal gelaufen – das gab es noch nie“, sagt etwa Elisabeth Andraschko aus Weitnau im Oberallgäu. Obwohl der Wengener Skilift auf 800 Metern Höhe liegt und Schneekanonen vorhanden sind, sei zu keiner Zeit an einen Skibetrieb zu denken gewesen. „Es gab viel zu wenig Schnee und die Luft war zu warm, um die Piste zu beschneien“, erläutert Andraschko.

Hier geht's zur aktuellen Wettervorhersage

Enorme finanzielle Einbußen

Enttäuscht zieht auch Franz Bucher, Geschäftsführer der Tegelbergbahn im Ostallgäuer Schwangau, Bilanz. „Gott sei Dank kann man das Wetter nicht beeinflussen – aber ganz ohne Schnee ist es doch sehr bescheiden“, sagt Bucher. Die finanziellen Einbußen seien enorm. In Oy-Mittelberg im Oberallgäu ziehen die Betreiber des Skiliftes Gerhalde daher die Konsequenz: „Wir haben den Lift nach 50 Jahren stillgelegt“, sagt Sigrid Eckstein vom Verkehrsverein. „Dieses Jahr hätte man TÜV machen müssen. Aber die Kosten lohnen sich nicht.“

Birgit Ellinger und Paul Winterer

Hier kann man noch Ski fahren

Wer angesichts der kalten Witterung doch noch einmal Lust auf Skifahren hat, muss nicht unbedingt den weiten Weg in die österreichischen Gletscherskigebiete auf sich nehmen.

  • Im Skigebiet Winklmoos-Steinplatte sind noch alle Liftanlagen in Betrieb.
  • Am Wendelstein, der per Zahnradbahn von Brannenburg aus oder per Seilbahn von Bayrischzell aus zu erreichen ist, liegt ebenfalls noch Schnee, ein Skibetrieb ist allerdings – nur noch sehr eingeschränkt möglich
  • Hocheck bei Oberaudorf – Skibetrieb nur noch sehr eingeschränkt möglich.
  • In den fünf Alpen-Plus-Skigebieten sind nur noch die Anlagen am Brauneck in Betrieb.
  • Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte ohnehin nach Grainau fahren. Auf der Zugspitze locken noch zweieinhalb Meter Pulverschnee.

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