Lebensgeschichte nun im Buch

Unglaublich! Geretsrieder lebte drei Jahre allein im Wald

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Wolfgang Ködel (r.) lebte drei Jahre im Wald in einem einfachen Zelt.

Geretsried - Drei Jahre lang lebte Wolfgang Ködel völlig einsam in einem Waldstück bei Geretsried. Wie es dazu kommen konnte, verrät der ehemalige Unternehmer in seinem Buch.

Ködel im Wald.

Sein Schicksal machte Schlagzeilen: Jahrelang lebte Wolfgang Ködel (heute 57) im Wald bei Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Nach der Pleite seiner einst erfolgreichen Firma packte der gescheiterte Unternehmer ein paar Habseligkeiten und tauchte ab. Nur wenige Hundert Meter von seinem ehemaligen Eigenheim entfernt hauste Ködel fortan für drei Jahre in einem Zelt. Jetzt ist im Piper-Verlag seine Biografie unter dem Titel: "Der Mann im Wald - Wie ich mein Leben hinter mir ließ" erschienen.

Das Buch gewährt tiefe Einblicke in das Leben eines zerrissenen Mannes: Als Wolfgang Ködel vor vielen Jahren in Geretsried eine Firma gründete, schuftete er bis zu 14 Stunden am Tag. Es blieb weder Zeit für Frau noch für Freizeit. Bis das Burnout-Syndrom den Geschäftsmann in die Knie zwang, die Firma wegen Zahlungsproblemen des Hauptkunden Insolvenz anmelden musste und der Schuldenberg wuchs. "Ich habe zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt", sagte Wolfgang Ködel dem Isar-Loisachboten.

Einsamkeit statt Hilfe vom Amt

Ködels Zelt.

Eingehüllt in Depressionen, fasste der Unternehmer einen Entschluss: Er packte sein Kugelzelt und floh in den Wald. Ködel hätte zum Amt gehen und Hilfe beantragen können, entschied sich aber für die Einsamkeit. Er lebte im Wald, bis ihn vor zwei Jahren seine Trampelpfade verrieten. Er kam in ein Obdachlosenheim. Es folgte ein Medienrummel inklusive TV-Auftritt bei Sandra Maischberger. Eine Wohnung fand Ködel nicht - er wohnt noch immer im Heim in einem kleinen Zimmer mit Etagenklo.

In seinem neuen, dritten Leben fasste er wieder einen Entschluss: Er schrieb seine Erlebnisse mithilfe einer Autorin auf. Auf 240 Seiten erzählt Ködel, wie er vom Maschinenbaustudenten zum Geschäftsmann wurde, wie er depressiv wurde und wie er die Zeit im Wald überlebt hat. "Ich spürte weder Angst noch Wut, noch Freude, noch Traurigkeit, noch Hoffnung", schreibt er. "Ich war ohne Gefühl." Ködel hat das Buch nicht geschrieben, um berühmt zu werden. Er will sein Selbstbewusstsein zurückgewinnen. "Ich weiß nicht, was geschehen wird. Doch ich spüre, dass alles unwiderruflich hinter mir liegt. Und etwas Neues vor mir."

Sebastian Dorn

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