Neues Verfahren am Klinikum rechts der Isar

Brustkrebs: Gentest kann Chemo ersparen

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Eine Frau bei der Mammographie. Mit dem Gentest lässt sich die Lebensqualität der Brustkrebs-Patientinnen verbessern.

München - Bei der Behandlung von Brustkrebs geht es in erster Linie ums Überleben. Doch immer mehr gewinnt die Lebensqualität der Patientinnen an Bedeutung – und die lässt sich oft entscheidend verbessern.

Sie gehört zu den führenden Brustkrebs-Spezialisten in Deutschland: Prof. Marion Kiechle wirbt für einen neuen Gentest, der im Klinikum rechts der Isar verstärkt eingesetzt wird.

Dies geschieht mithilfe eines neuen Gentests. „Er kann Tausenden Frauen eine belastende Chemotherapie ersparen“, erklärte die Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar, Professorin Dr. Marion Kiechle, am Dienstag in einem tz-Gespräch. Sie will das Diagnose-Verfahren künftig verstärkt einsetzen. Dazu hat ihre Klinik jetzt eine Art Vorreiter-Vertrag mit der Techniker Krankenkasse (TK) unterzeichnet.

So übernimmt die TK als erste Kasse für alle ihre Versicherten die Kosten des Tests. Sie liegen laut Kiechle bei 1700 Euro. Derzeit müssen die allermeisten Patienten die Laboranalyse entweder selbst bezahlen oder bei ihrer Kasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.

Das Hightech-Verfahren mit dem Produktnamen EndoPredict analysiert praktisch die genaue genetische Beschaffenheit des Tumors – und filtert am Ende heraus, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass er Metastasen bildet. Dazu wird im Labor – vereinfacht gesagt – die Aktivität von zwölf verschiedenen Genen beleuchtet, die das Tumorwachstum beschleunigen können.

Unterm Strich teilt der Test die Tumoren in zwei Gruppen ein – in eine gute und in eine schlechte. „Gut bedeutet in diesem Fall: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in den nächsten zehn Jahren Metastasen bilden, liegt bei unter zehn Prozent“, erläutert Kiechle. „Umgekehrt kann man sagen: Bei Tumoren der ,guten Gruppe‘ wächst in 90 Prozent der Fälle nie ein Tochtergeschwulst nach.“

Der Test mache bei etwa 65 Prozent aller Brustkrebspatientinnen Sinn, so die Professorin weiter. „In etwa zwei Dritteln der untersuchten Fälle können die Frauen ohne Chemo weiterbehandelt werden.“

In Deutschland erkranken jährlich etwa 75.000 Frauen an Brustkrebs.

Andreas Beez

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