CRT steigert die Herz-Leistung

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Die drei Sonden des Dreikammerschrittmachers: Röntgen Bild eines CRT-Systems mit einer Sonde im rechten Vorhof, rechtem Ventrikel und über die Herzvene im Bereich der freien Wand der linken Herzkammer.

Herzschwäche-Erkrankungen nimmt in den industrialisierten Staaten immer weiter zu und soll sich bis zum Jahr 2030 verdoppelt haben. Gründe für diese Zunahme liegen im Wesentlichen in der verbesserten Behandlung des akuten Herzinfarktes und in der zunehmenden Alterung der Bevölkerung.

Durch den Herzinfarkt, aber auch durch andere Herzerkrankungen kommt es zum Untergang von Herzgewebe, zu einer zunehmenden Herzerweiterung und zur Herzschwäche. „Dadurch tritt bei zirka einem Drittel der Patienten auch eine Schädigung des Reizleitungssystems des Herzens auf. Dieses ist im Elektrokardiogramm (EKG) durch eine Verbreiterung des QRS-Komplexes als so genannter Linksschenkelblock zu erkennen. Durch den Linksschenkelblock wird die linke Herzkammer nicht nur verspätet, sondern auch asynchron erregt, das heißt, dass sich die Herzscheidewand deutlich vor der freien Wand des linken Herzens zusammen zieht“, erklärt Prof. Dr. Rainer Gradaus, Direktor der Medizinischen Klinik 2 im Klinikum Kassel. Das führt zu einer ineffektiven Pumpaktion des Herzens: Ein Teil des Blutes wird nicht vom Herzen in die Körperschlagader ausgeworfen, sondern im Herzen hin und her gepumpt. Durch den Linksschenkelblock kommt es zu einer weiteren Verschlechterung der schon vorbestehenden Herzschwäche.

Was leistet die kardiale Resynchronisationstherapie?

Für die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) wird heute meistens ein Dreikammerschrittmacher eingepflanzt. Das System besteht aus einem Aggregat, das unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt wird. Das Aggregat ist an drei Sonden angeschlossen, die über die Schlüsselbeinvene zum Herzen vorgeführt werden. Zwei Sonden werden wie bei herkömmlichen Zweikammerschrittmachern im rechten Herzvorhof und in der rechten Herzkammer platziert. „Das besondere an dem CRT-System ist die dritte Elektrode, die zur elektrischen Stimulation der linken Herzkammer im Bereich der freien Wand verwendet wird. Sie wird heute meistens über die Herzvene eingepflanzt“, sagt Prof. Gradaus.

Prof. Rainer Gradaus

Durch die Stimulation der linken Herzkammer über die dritte Sonde wird quasi eine elektrische Überbrückung des blockierten linken Schenkels erreicht. Die verspätete Aktivierung der freien Wand der linken Herzkammer wird aufgehoben. Die linke Herzkammer schlägt wieder nahezu synchron. Dadurch nimmt die Pumpkraft des Herzens wieder zu. „Viele Patienten können sich nachfolgend wieder besser belasten und die Luftnot nimmt deutlich ab“, berichtet der Kardiologe. Auch nehme die Größe der erweiterten linken Herzkammer bei der Mehrzahl der Patienten ab. „In großen Studien konnte gezeigt werden, dass die Sterblichkeit und die Zahl der Krankenhausaufenthalte durch die CRT-Therapie bei geeigneten Patienten gesenkt werden kann. Allerdings sprechen zirka dreißig Prozent der Patienten nicht auf die CRT-Therapie an“, sagt Gradaus.

Für welche Patienten ist die CRT-Therapie geeignet?

Die CRT-Therapie ist angezeigt, wenn bei Patienten eine fortgeschrittene Herzschwäche trotz optimaler medikamentöser Therapie vorliegt und eine Pumpfunktion des Herzens mit einer Auswurffraktion von weniger als 35 Prozent bestimmt wurde. „Außerdem sollte der QRS-Komplex im EKG auf mindestens 0,12 Sekunden verbreitert sein. Besonders deutlich profitieren Patienten, bei denen im EKG ein Linksschenkelblock mit einer QRS-Komplexbreite von größer als 0,15 Sekunden sowie ein regelmäßiger Herzrhythmus (Sinusrhythmus) besteht“, erläutert Prof. Gradaus

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