Die Gesellschaft schaut weg

Doping-Tod? Nicht ungewöhnlich!

Bodybuilding, Muskeln
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„Viele wollen den Traumkörper, aber nicht den steinigen Weg“

München - Doping im Freizeitsport? Keine Seltenheit, doch die Gesellschaft schaut weg! „Die Leute geben lieber zu, dass sie Heroin nehmen als dass sie stoffen“, sagt ein Amateur-Bodybuilder.

Stoffen, das bedeutet im Fachjargon den Konsum anaboler Steroide. Doping wird in der Öffentlichkeit meistens auf den Spitzensport beschränkt. Doch in Wahrheit ist es ein gesellschaftliches Problem.

Thorsten Schulz von der TU München forscht seit Jahren zum Thema Doping in Fitnessstudios. Große Ketten sind nicht das große Problem, es sind oft kleine, unprofessionell geführte Studios, die dem Doping die Tür öffnen. Seine Befragungen ergaben, dass bis zu ein Fünftel der Fitnessstudiobesucher mindestens einmal mit Doping in Berührung kamen.

In den letzten Jahren, sagt Schulz, gebe es einen Trend: Unsere Leistungsgesellschaft befördert einen Mehrkonsum an Doping. „Viele wollen den Traumkörper, aber nicht den damit verbundenen langen, steinigen Weg, lieber nehmen sie die Abkürzung“, sagt Schulz. Das fängt bei Minderjährigen an, schon 16-Jährige nehmen Anabolika, um den Freundeskreis mit Muskelpaketen zu beeindrucken. Das Landeskriminalamt hat das Thema längst auf dem Schirm. Anabole Steroide und Diuretikas, also Mittel, die dem Körper Flüssigkeit entziehen, damit Muskeln zum Vorschein kommen, werden am häufigsten sichergestellt. „Kontakte gibt es sehr häufig in den Muckibuden“, bestätigt Kriminaloberrat Jürgen Miller.

Dopingkonsum ist seit dem 18. Dezember für im Wettbewerb stehende Sportler strafbar, darunter können auch Bodybuilding-Wettbewerbe fallen. Es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Bei Freizeitsportlern steht der Konsum nicht unter Strafe, aber die Herstellung, der Handel und der Besitz einer „nicht geringen Menge“. Das Problem: Wer soll eine Anzeige erstatten? „Der Dopende sieht sich nicht als Geschädigter. Der Händler wird den Teufel tun“, sagt Miller.

Durch Doping im Freizeitsport steigen die Kosten für das Gesundheitssystem. Wer über längeren Zeitraum Steroide nimmt, der verändert den Hormonhaushalt. Bluthochdruck, Impotenz, Gelenkschäden und Krebs sind die Folge. Schulz von der TU sagt: „Im schlimmsten Fall steht der Tod. Und das ist mittlerweile auch nichts Ungewöhnliches.“

Jean-Marie Magro

Dieser Text ist im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von tz und Deutscher Journalistenschule (DJS) entstanden. Informationen dazu finden Sie auch unter djs-medizin.de.

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