Implantologie lässt Knochen wachsen

+
So klein: Ein Implantat fällt in der Handfläche kaum auf.

Gehen Zähne verloren, wird der Kieferknochen an dieser Stelle nicht mehr richtig belastet. Er bildet sich mit der Zeit zurück. Dann kann ein Implantat nur fest verankert werden, wenn zuvor der Knochen wieder aufgebaut worden ist.

Der Zahnarzt und Oralchirurg Dr. Eberhard Frisch aus Hofgeismar behebt seit vielen Jahren kleine und große Knochendefekte. Dabei arbeitet er mit modernen OP-Techniken, die für den Patienten mit weniger Schmerzen, Komplikationen und Kosten verbunden sind.

Herr Dr. Frisch, wie schaffen Sie wieder ausreichend Knochen, um ein Implantat zu setzen?

Dr. Frisch: Genügend Knochen ist wichtig für die feste Verankerung des Implantats und auch für die spätere Ästhetik. Heute sind selbst große Knochendefekte mit verschiedenen OP-Techniken wieder aufzubauen. Ich bevorzuge Methoden, bei denen in einem einzigen operativen Eingriff durch entsprechende Materialien das Knochenwachstum angeregt und gleichzeitig das Implantat eingesetzt wird. In der anschließenden Heilungsphase bildet sich in wenigen Monaten neue stabile Knochensubstanz. Damit mache ich seit Jahren sehr gute Erfahrungen. Die meisten Eingriffe dauern nur wenige Minuten, sind für den Patienten weitestgehend schmerzfrei und verlaufen in der Regel komplikationslos.

Bitte nennen Sie ein Beispiel für diese Techniken.
Dr. Frisch: Grundsätzlich wenden wir so genannte minimal-invasive OP-Techniken an, weil diese für den Patienten schonender und mit weniger Kosten verbunden sind. Eine ganz neue Technologie begeistert uns momentan, mit der sich selbst große Knochenareale schonend aufbauen lassen. Mithilfe individueller Formschalen lassen sich in nur einem Eingriff der eigene Knochen und eine spezielle Knochenkeramik so verbinden, dass nach einigen Monaten neue Knochensubstanz entsteht. Die Formschale löst sich auf und muss nicht mehr entfernt werden. Der Körper baut die Substanz ohne Nebenwirkungen ab. Das ist für die Fälle ideal, bei denen die Knochenaußenwand des Kiefers große Defekte zeigt. Im Vergleich zur Schalentechnik sind Knochenblockverpflanzungen aus der Hüfte für den Patienten wesentlich belastender und auch mit erhöhten Kosten verbunden. Ebenso minimal-invasiv gehen wir im Oberkiefer vor. Denn dort beobachtet man häufig, dass sich die Kieferhöhle nach dem Verlust der Zähne weiter ausdehnt und der Kieferknochen schwindet. Dieser muss zunächst für ein Implantat aufgebaut werden. Das machen wir mit der so genannten internen Sinuslift-Technik, die im Vergleich zu früheren Methoden mit mehreren chirurgischen Eingriffen in wenigen Minuten abgeschlossen ist. Es wird nur ein Loch für das Implantat gebohrt, in das vorsichtig etwas Knochenaufbaumaterial eingeführt wird. Im gleichen Eingriff setzen wir das Implantat ein. So verkürzen wir auch die Behandlungsdauer.

Wie schnell bildet sich der Knochen nach dem Zahnverlust zurück? Kann man das frühzeitig stoppen?
Dr. Frisch: Jeder Zahn ist durch ein sehr feines Gewebe mit dem Knochen verbunden. Wird er gezogen, wird dieses Knochengewebe nicht mehr gebraucht und bildet sich etwas zurück. Um möglichst wenig Knochen zu verlieren, setzt man in vielen Fällen sofort das Implantat mit etwas Knochenaufbaumaterial in die Lücke ein. Die Ergebnisse sind überzeugend. Bleibt die Stelle unversorgt, zieht sich der Kieferknochen innerhalb eines Jahres bereits um zirka vierzig Prozent zurück.

Wie lange halten die künstlichen Zahnwurzeln?
Dr. Frisch: Mit der richtigen Pflege ein Leben lang. Das setzt voraus, dass der implantatgetragene Zahnersatz so geplant wird, dass er leicht zu pflegen ist. Zudem rate ich zu einer regelmäßigen Nachsorge mit einer professionellen Zahn- und Implantatreinigung. Selbst bei optimaler Mundpflege bildet sich mit der Zeit Plaque an Zähnen und Implantaten. Das kann zu Entzündungen führen. Bei Implantatträgern spricht man dann von einer Periimplantitis. Solche Entzündungsherde therapieren wir seit einiger Zeit sehr gut mit der innovativen antibakteriellen Lasertherapie. Das Laserlicht tötet die Bakterien in wenigen Minuten ab – für den Patienten völlig schmerzfrei. Sie absolvieren zurzeit als einer von nur zwölf deutschen Zahnärzten den ersten MasterOnline-Studiengang Parodontologie an der Universität Freiburg.

Warum ist die „Lehre vom gesunden Zahnfleisch“ so wichtig?
Dr. Frisch: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Zahnfleischentzündungen den gesamten Organismus belasten und gefährliche Folgen haben können. Zudem führt Parodontitis zu Zahn- beziehungsweise Implantatverlust. Übrigens hat jeder zweite Erwachsene bei uns in Deutschland eine behandlungsbedürftige Parodontitis – oft ohne es zu wissen. Deshalb rate ich zu einer regelmäßigen Prophylaxe beim Zahnarzt. Dann können auch die echten Zähne ein Leben lang halten.

Information zu Dr. Frisch

auch interessant

Meistgelesen

„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten
„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten
Noro-Alarm in München: Das sagt eine Expertin
Noro-Alarm in München: Das sagt eine Expertin
Kann Salzwasser die Wundheilung beschleunigen?
Kann Salzwasser die Wundheilung beschleunigen?
Stadt München warnt vor Norovirus
Stadt München warnt vor Norovirus

Kommentare