Legalize it???

Mythos Kiffen: Fünf wichtige Fakten für Bayern

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Schätzungen zufolge rauchen über drei Millionen der deutschen Erwachsenen Joints.

München - Das Betäubungsmittelgesetz ist klar formuliert: Cannabis ist in Deutschland illegal. Was ist trotzdem erlaubt und was nicht? Allerlei Gerüchte kursieren. Wir räumen damit auf.

US-Rapper Snoop Dogg zieht sich stündlich einen rein, befürwortet sogar, dass sein Sohn sich Joints reinpfeift. Auch Popstar Lady Gaga offenbarte ihre Hasch-Beichte öffentlich. In Australien existiert sogar ein kleines Dorf, in dem das "Mardi-Grass"-Festival stattfindet. Nimbin, das Mekka für Cannabis-Konsumenten. Jahr für Jahr strömen um die 20.000 Menschen aus aller Welt in den Ort, um legal Cannabis zu konsumieren. Und dann gibt's da noch den bayerischen Liedermacher Hans Söllner. Bekennender Kiffer. Er schreibt sogar ein Lied zu seiner Leidenschaft - "Mei Voda hot an Marihuanabam".

Kiffen: Verschiedene Länder, verschiedene Sitten

In Coffeeshops in den Niederlanden werden weiche Drogen zum Verkauf und Konsum, wie hier mit einer Bong, angeboten.

Die Formen, wie sich Kiffer mit dem Rauschmittel zudröhnen, sind ganz unterschiedlich: Bong, Eimer, Joint oder verpackt in Nahrungsmitteln. Die Liste ist lang. In einigen Ländern ist das auch erlaubt. Als Hochburg gilt die Niederlande. In sogenannten Coffeeshops dürfen weiche Drogen wie Marihuana seit 1976 angebaut, verkauft und konsumiert werden - die Fünf-Gramm-Grenze berücksichtigt. Für Privatpersonen besteht keine Erlaubnis.
Weitaus lockerer ist die Gesetzeslage im "Amsterdam des Ostens" - Prag. Dort dürfen alle Erwachsenen beispielsweise 15 Gramm Marihuana bei sich tragen und bis zu fünf Cannabis-Pflanzen anbauen.
Nur wenig Gefahren sieht der US-Bundesstaat Colorado im Konsum und Verkauf. Seit dem 1. Januar 2014 können Marihuana, Haschisch und Hasch-Schokolade und -Kekse erworben werden. Für die Verkäufer herrscht jedoch Lizenz-Pflicht.

Kiffen: Neue Legalisierungsforderungen in Deutschland

Schätzungen zufolge konsumieren weit über zwei Millionen Menschen in Deutschland Cannabis. Von daher verwundert es kaum, dass die Debatte um dessen Legalisierung nicht verpufft. Im Gegenteil: Sie wird derzeit von Dieter Janecekwieder angefeuert. Unter dem Slogan "Kiffen für die schwarze Null"will der Bundestagsabgeordnete der Grünen Cannabis erlauben und mit einer Steuer von 50 Prozent belegen. Sein Ziel: Die Steuereinnahmen sollen dazu dienen, dass der Staat keine neuen Schulden mehr aufnehmen muss.

Kiffen: Cannabis-Verband Bayern startet Volksbegehren

Einen Vorstoß zur Legalisierung hat auch der Cannabis-Verband Bayern gewagt. Dafür entwickelte er einen Gesetzesvorschlag für das "Bayerische Hanfgesetz" und feuert ein Volksbegehren unter dem Titel "JA zu Cannabis in Bayern" an. 25.000 Bürger muss der Verband von seinem Entwurf überzeugen. Erst dann kann es offiziell beim Bayerischen Staatsministerium des Inneren eingereicht werden. 10.000 Unterschriften liegen vor (Stand 14. Oktober 2014). Plan ist, das Volksbegehren im Frühjahr 2015 einzureichen.
Damit wollen die Befürworter erreichen, dass Marihuana nicht länger unter das Betäubungsgesetz fällt. Eine Abgrenzung zu Drogen wie Heroin oder Crystal Meth soll her.

Kiffen: Einheitliche Gesetz für Deutschland

Noch ist die Gesetzeslage klar. Das Verbot hängt über Deutschland. Und obwohl das Thema immer wieder für Zündstoff sorgt, so ganz genau kennen sich nur wenige damit aus. Der eine behauptet dies, der andere das. Wie gefährdet der Konsum von Cannabis die Gesundheit? Und was ist Cannabis überhaupt genau? Hier erfahren Sie die wichtigsten fünf Kiffer-Fakten in Bayern. Grundsätzlich gibt es nicht viele Unterschiede zwischen dem Freistaat und den Regeln, die für die ganze Bundesrepublik gelten.

Kiffen: Die fünf wichtigsten Fakten

1. Definition

Wenn die Rede vom Kiffen ist, machen Wörter wie Cannabis, Marihuana, Haschisch oder Hanf die Runde und werden oft als Synonyme verwendet. Das ist schlicht und ergreifend falsch.

Cannabis ist der lateinische Begriff für die Hanfpflanze. Für den Konsum "eignet" sich in erster Linie die weibliche Pflanze, weil diese ausreichend von dem berauschenden Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) beinhaltet.

Marihuana hingegen wird aus der getrockneten Blüte oder den Blättern der Cannabis-Pflanze hergestellt.

Haschisch wiederum ist das Harz der Blätter der weiblichen Hanfpflanze, das in Form von Klumpen einen höheren Wirkstoffgehalt hat als Marihuana.

2. Wirkung

Der RTL-Moderator Jenke von Wilmsdorff hat den Selbstversuch gewagt. Fünf Tage lang kiffte er, was das Zeug hält. Mit der Erkenntnis: Fünf Tage reichten, damit sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechterte. In erster Linie bringt der Konsum von Cannabis psychische Folgen mit sich. Die Stimmung des Kiffers verändert sich - zum guten oder aber zum schlechten. Antriebslosigkeit, Panikattacken, Halluzinationen, Orientierungs- oder Wahrnehmungsstörungen -  mehr schlecht als recht. Aber auch körperlich kann der Körper reagieren. Das Herz wird in Mitleidenschaft gezogen. Die Folge: Herzrasen, Übelkeit oder erhöhter Blutdruck.

3. Gefahren

Sie ist umstritten, aber nicht von der Hand zu weisen, die Gefahr Nummer eins: die Abhängigkeit. Sie äußert sich, in dem die Leistung des Körpers und des Geists abbaut. Der Kiffer empfindet Lustlosigkeit statt Unternehmungslust. Chillen, chillen und nochmals chillen. Außerdem verändert der Konsum die eigene Persönlichkeit, vor allem weil schwere Depressionen auftreten können. Im schlimmsten Fall kommt die böse Diagnose: Krebs. Das Risiko daran zu erkranken, liegt aufgrund der giftigen Kohlenwasserstoffe bei Kiffern sogar höher als bei Rauchern. Cannabis beziehungsweise der Wirkstoff THC macht also nicht körperlich, dafür bei dauerhaftem Konsum psychisch abhängig!

Kiffen: Besitz verboten, Konsum erlaubt!

4. Rechtslage in Deutschland

Gemäß des Betäubungsmittelgesetzes ist der Cannabis-Wirkstoff THC verboten. Anbau, Herstellung, Abgabe, Erwerb und Besitz sind strafbar, sofern keine Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel zu Heilzwecken vorliegt. Patienten bekommen in diesem Fall aber keine Pflanze, sondern den Wirkstoff in Tablettenform. Seit 2011 können Ärzte Medizin, die auf Basis von Cannabis hergestellt wird, verschreiben. Aber selbst die Pharmaindustrie muss das Rauschmittel aus dem Ausland importieren.

Lediglich der Konsum von Cannabis ist nicht verboten. "Straffreie Selbstschädigung" heißt die "Erlaubnis" im juristischen Sinne. Wer also etwas geraucht hat, muss mit keinen rechtlichen Konsequenzen rechnen, solange er beispielsweise nicht im Straßenverkehr teilnimmt. 

Doch wenn man konsumiert, besitzt man doch gleichzeitig, oder etwa nicht? Nein! Wenn das Rauschmittel sofort konsumiert wird, liegt kein Besitz vor.

5. Strafen

Grundsätzlich gilt: Der Anbau und Besitz oder die Weitergabe von Rauschmitteln ist eine Straftat! Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldstrafe oder Haftstrafen bis zu fünf Jahren rechnen. Ist man erstmal erwischt, heißt's beten und auf einen gnädigen Richter hoffen, der bei geringen Mengen für den Eigenbedarf das Auge zudrückt. Wo die Mengengrenze liegt, divergiert von Bundesland zu Bundesland. In Bayern liegt die Grenze bei sechs Gramm. Trotzdem kennt die bayerische Justiz in Sachen Cannabis kein Pardon. Selbst wer in geringen Mengen konsumiert oder sein eigenes Gras anbaut, sollte sich vor ihr in Acht nehmen.

Wer also auf Nummer sicher gehen und sich weder mit rechtlichen oder gesundheitlichen Folgen herumschlagen will, für den gilt die Devise: Finger weg von Rauschmitteln! Chillen geht auch ohne.

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