Verbraucherschutz

Krebserzeugende Substanzen: Wie ungesund ist Lippenstift?

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Sei es der passende Lippenstift zur Abendgarderobe oder der Sonnenschutz für den Urlaub: Pflege- und Kosmetikprodukte für die Lippen werden täglich benutzt. Doch gerade weil diese Produkte über den Mund in den Körper gelangen, sind die Anforderungen an die Sicherheit hoch.

Eine Kosmetikfirma hat vor ein paar Jahren ausgerechnet, dass jede Frau in ihrem Leben rund drei Kilogramm Lippenstift essen würde. Auch wenn die Aufnahme von Lippenprodukten nicht genau messbar ist, zeigt der Umsatz von rund 108 Millionen Euro pro Jahr, wie groß die Nachfrage nach Lippenprodukten ist. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission geht davon aus, dass Verbraucher sechsmal täglich Lippenprodukte auftragen und dabei pro Tag 57 Milligramm oral aufnehmen. 

Lippenprodukte im Test: Erschreckendes Ergebnis

Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Münsterland–Emscher–Lippe 31 kosmetische Mittel, darunter 25 Lippenkosmetika, untersuchen lassen. Das Ergebnis: Viele Lippenstifte und Lippenpflegeprodukte sind mit kritischen Substanzen belastet. Einige gelten sogar als potenziell krebserregend. Bei fünf Lippenkosmetika zwei Hautpflegemitteln, einem Kaltwachsstreifen und einem Nachbehandlungstuch zur Haarentfernun wurde im Test MOAH oberhalb der Nachweisgrenze festgestellt. MOAH sind aromatische Kohlenwasserstoffe oder auch Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons.

Genaue Zusammensetzung nicht bekannt 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließt nicht aus, dass in MOAH krebserregende aromatische Verbindungen enthalten sind. "Während das Problem der Übergänge von Mineralölen aus Verpackungen in die Lebensmittel schon seit längerem bekannt ist und europaweit diskutiert wird, liegen zur Belastungssituation von kosmetischen Mitteln mit Mineralölen bisher kaum Erkenntnisse vor", heißt es in dem Bericht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wegen der besonderen Auffälligkeit der Ergebnisse wird das CVUA 2016 weitere Untersuchungen durchführen.

Grundsätzlich Einsatz von Mineralölen, Wachsen und Destillationen auf Erdöl-Basis verboten

Nur wenn der Raffinationshergang vollständig bekannt ist und die Ausgangsstoffe frei von krebserregenden Substanzen sind, dürfen diese Stoffe bei der Kosmetikherstellung verwendet werden. Aber auch wenn Erdöl in mehreren Schritten gereinigt und aufbereitet wird, können immer noch MOAH enthalten sein. Die Stiftung Warentest geht davon aus, dass die hohen MOAH-Gehalte auf den Inhaltstoff "Mineralöl" und nicht auf eine Verunreinigung aus dem Produktionsprozess zurückzuführen sind. Die Hersteller mit auffälligen Ergebnissen werden per Gutachten über die Ergebnisse informiert. Sie werden zudem darauf hingewiesen, dass sie gegenüber den zuständigen Behörden die Produktionsinformationsdatei offenlegen müssen.

Problem auch bei Lebensmittelkontaktmaterialien

Die Verwendung von Mineralölen im Zusammenhang mit Lebensmittelkontaktmaterialien wird schon länger diskutiert. So entdeckte das CVUA bereits 2011 verunreinigte Schokolade in Adventskalendern. Dort zeigte sich die Problematik, dass Mineralöle aus den Verpackungen auf die Nahrungsmittel übergehen. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht MOAH als ein mögliches Krebsrisiko. Es bewertet die Aufnahme als potenziell besorgniserregend. "Hier geht es nicht nur um Adventskalender allein. Wir müssen davon ausgehen, dass die Belastung von den mineralölhaltigen Druckfarben auf der Verpackung oder durch die Verwendung von recyceltem Altpapier ohne geeignete Barrieren wie zum Beispiel einem Zwischenbeutel ausgeht“, sagte Minister Remmel. "Leider gibt es wegen der fehlenden Verordnung noch keine rechtsverbindlichen Grenzwerte für Lebensmittelkontaktmaterialien, die herangezogen werden können, um die Waren vom Markt zu nehmen."

sca / umwelt.nrw

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